30 Jahre DB Unternehmensbekleidung: „Kleider machen Leute“

Wir blicken zurück auf 30 Jahre Unternehmensbekleidung bei der Deutschen Bahn.

Wir feiern in 2021 das 30-jährige ICE-Jubiläum und schauen mit diesem Beitrag auf die vier verschiedene Designs der Unternehmensbekleidungen von 1990 bis 2021. Vier verschiedene Unternehmensbekleidungen wurden in 30 Jahren ICE getragen. Sie sind Aushängeschild des Zugpersonals und ihrer Zeit. Hier erinnern sich Kolleg:innen an ihre Lieblingsoutfits und an besondere Momente in ihrer Unternehmensbekleidung.

Ramona Neundorf erinnert sich noch lebhaft an die Liebe auf den ersten Blick. Im Jahr 1991 war sie mit einem alten DDR-Zug von Berlin nach Frankfurt gereist, um sich bei der Deutschen Bundesbahn zu bewerben. Und dann stand er dort auf dem Nachbargleis des Frankfurter Hauptbahnhofs: der nigelnagelneue ICE 1. „Grit, wenn wir jemals auf diesem Zug arbeiten, dann haben wir es geschafft“, flüsterte Neundorf ihrer Freundin zu.

1991: Die „Zweireiher“ kommen

Kurz darauf trug sie die mit dem ICE 1 eingeführte Unternehmensbekleidung tatsächlich selbst: Eine Spencer-Jacke mit Schulterpolstern, ein Barett und ein kunstvoll geschnürtes Halstuch; die Herren besaßen ein Jackett mit doppelter Knopfreihe. „Man nannte uns daher die ‚Zweireiher‘ und es wurde getuschelt, dass wir uns für etwas Besonderes hielten“, erinnert sich Neundorf. Auch Frank Lau, seit 1977 im Zugbegleitdienst, wusste um die Wirkung des Zweireihers. Er habe Eleganz und Souveränität ausgestrahlt, wie bei einem Kapitän. Alle Fahrgäste seien beeindruckt gewesen, denn „wir waren nicht nur flott unterwegs, sondern sahen auch flott aus.“

1991: 30 Jahre Unternehmensbekleidung bei der Deutschen Bahn
Ramona Neundorf hat ihre ICE 1 Unternehmensbekleidung sorgsam aufbewahrt und extra noch einmal aus dem Schrank geholt.

Mitte 1990er: Aus Uniform wird Unternehmensbekleidung

Zu dieser Zeit sei die Unternehmensbekleidung noch Uniform genannt worden. Erst gegen Mitte der 1990er-Jahre habe sich der Begriff „Unternehmensbekleidung“ durchgesetzt. Das fiel ungefähr zusammen mit der Einführung einer neuen Unternehmensbekleidung. Nach der Vereinigung von Deutscher Bundesbahn und Deutscher Reichsbahn zur Deutschen Bahn wurde der Zweireiher abgeschafft. An seine Stelle trat – für Männer wie für Frauen – ein dunkelblaues Sakko, darunter eine königsblaue Weste und grün-rot-blaue Krawatten bzw. Halstücher. Die Farbgebung stieß auf weniger Gegenliebe. „Doch Gefühle stecken in jeder Unternehmensbekleidung“, bemerkt Ramona Neundorf mit einem Schmunzeln.

Mitte der 90er: Die Unternehmensbekleidung der DB in einem Prospekt
Die zweite ICE Unternehmensbekleidung Mitte der 1990er-Jahre musste noch per Katalog bestellt werden

2002: Bahn-Rot wird zum Markenzeichen

2002 war sie wiederum Feuer und Flamme. Die Deutsche Bahn führte Neundorfs Lieblings-Unternehmensbekleidung ein: Dunkelblaue Blazer mit den charakteristischen, roten Tüchern und Krawatten. Mit einem knallroten Lippenstift kombiniert seien sie ein echter Hingucker gewesen. Das Tragen eines Baretts oder einer Mütze war nun nicht mehr verpflichtend. Neundorf zählte sogar zu den ersten Mitarbeiter:innen, die das Outfit tragen durfte – auf der Internationalen Tourismus-Börse. Da war die Unternehmensbekleidung noch gar nicht im regulären Bahnbetrieb eingeführt worden. Ab 2002 wurde aus dem einmaligen Jahreshöhepunkt eine alltägliche Freude. Noch heute gerät Neundorf ins Schwärmen: „Sie hatte einen Wow-Effekt! Ein wunderbarer Kontrast mit hohem Wiedererkennungswert, gerade auch für die Fahrgäste.“ Das Jahr 2002 hielt erstmals auch für Triebfahrzeugführer:innen (Tf) eine Unternehmensbekleidung bereit.

Norbert Kissel, seit 1996 Lokführer-Ausbilder, hat damals die Unternehmensbekleidung vorgestellt und kennt die Hintergründe: Sowohl der ICE 3 als auch der ICE T hatten eine „Lounge“, aus der die Fahrgäste dem Tf über die Schulter schauen konnten. Daher brauchten auch die Lokführer eine einheitliche Kleidung. Zunächst hätten sie eine solche „Uniform“ abgelehnt. „Die schicke Lederjacke und die drei roten Streifen haben dann aber fast alle überzeugt.“ Zu der Tf Unternehmensbekleidung gehörte außerdem eine Weste und eine Binde. Und der DB-Rucksack wurde zum Markenzeichen von Triebfahrzeugführern. Heute entscheidet jeder Tf selbst, in welchem Outfit er zur Arbeit erscheint. Entweder mit der aktuellen Unternehmensbekleidung oder in einem adäquaten Erscheinungsbild. Eine Vermischung ist nicht gestattet.

2002: Bahnrot wird zum Markenzeichen der Unternehmensbekleidung. Gruppenfoto vor einem ICE.
2002: Der Filmdreh zur damals neuen Unternehmensbekleidung.

2020: Mitarbeitende diskutieren über die neue DB Unternehmensbekleidung mit

Am 1. August 2020 führte die DB schließlich die aktuelle Unternehmensbekleidung ein. Zehntausende DB-Mitarbeiter:innen in Zügen, Bussen, an Bahnhöfen und in Reisezentren tragen nun die neue, moderne Unternehmensbekleidung in den Farben Burgundy und Blau. „Die ist ein Highlight“, findet Ramona Neundorf. Anders als bei vorherigen Unternehmensbekleidungen wurden viele Mitarbeiter:innen mit einem Gespür für Mode schon bei der Entwicklung nach ihrer Meinung gefragt. Ihre Erfahrung hätte bei der Wahl dehnbarer, resistenter und zugleich wertiger Stoffe gezählt. „Das hat uns gezeigt, wie wichtig der Bahn ihre Mitarbeitenden sind und dass sie sich wohlfühlen in ihrer täglichen Arbeit.“

2020: Die neuste Unternehmensbekleidung in Burgundi und Dunkelblau. Guppenfoto vor einem ICE.
2020: Auf die Entwicklung der modernen Unternehmensbekleidung hatten auch Mitarbeitende Einfluss.

Die Unternehmensbekleidung im Rampenlicht

Im Laufe der Jahre hat die Unternehmensbekleidung nicht nur viele Menschen gekleidet, sondern auch außergewöhnliche Begegnungen gehabt. Birte Laabs und ihre ICE 1 Unternehmensbekleidung waren dabei, als die britische Königin Elisabeth II. mit dem ICE von Dresden nach Leipzig fuhr. Und sie begleitete den „Filmzug“, als Heino Ferch sie während des Filmdrehs für eine Darstellerin im „Bahn-Kostüm“ hielt. Laabs habe lachend geantwortet, dass sie wirklich bei der Bahn arbeite. Und letztlich verhalf sie der Unternehmensbekleidung auch zu einem großen Auftritt: Kurz bevor das blau-rote Gewand von 2002 in seinen verdienten Ruhestand ging, stand es ein letztes Mal im Rampenlicht.

Birte Laabs und „der netteste Schaffner Deutschlands“, Frank Lau, waren 2019 als Überraschungsgäste für Schlagersängerin Mary Roos in der „NDR Talk Show“ und präsentierten die Unternehmensbekleidung einem Millionenpublikum. Und welche Unternehmensbekleidung war nun die Schönste? „Alles, was wir je hatten, fand ich gut. Wenn ich in die Unternehmensbekleidung schlüpfe, fühle mich wohl und als Teil der Deutschen Bahn. Vor Stolz wachse ich gleich um drei Zentimeter“, erzählt Lau und schiebt hinterher: „Kleider machen eben Leute!“