3D-Druck: Neue Fertigungstechnik für Ersatzteile

– Interview: Deutsche Bahn nimmt Vorreiterrolle beim 3D-Druck ein.

Die Deutsche Bahn revolutioniert mit dem 3D-Druck die Fertigung von Ersatzteilen und ist branchenübergreifend Vorreiter auf dem Gebiet. Wir haben mit Stefanie Brickwede, Projektleiterin Konzernprojekt 3D-Druck, gesprochen.

Was war der Anlass für den Einstieg in den 3D-Druck?

Wir standen zum einen vor der Frage, wie kommen wir an Ersatzteile ran, die heute nicht mehr hergestellt werden. Unsere Hersteller verpflichten wir auf mehrere Jahre für die Ersatzteillieferung. Unsere Züge sind gut 30 Jahre, d.h. länger als die Möglichkeit der Ersatzteillieferung besteht, auf der Schiene unterwegs. So kommt es vor, dass wir teilweise bis zu zwei Jahre auf ein benötigtes Ersatzteil warten müssen.

Zum anderen suchten wir nach einer Möglichkeit, wie wir Einzelteile reparieren können, anstatt sie komplett zu ersetzen. Mein Lieblingsbeispiel ist das Schloss an der Fahrertür. Dort geht häufig nur die Führungshülse kaputt und es müsste das gesamte Schloss ausgetauscht werden. Mittels 3D-Druck bauen wir dieses Teil nun nach und reparieren das Schloss.

Wie verändert der 3D-Druck die Produktion?

Momentan ist es so, dass verschiedene Teile für einen Zug an mehreren Standorten produziert und teilweise auch gelagert werden. Bei Bedarf müssen sie dann erst zugeliefert werden. Die 3D-Druck-Fertigung erlaubt es, schwer beschaffbare oder nicht mehr vorhandene Ersatzteile kurzfristig und dort, wo sie gebraucht werden, herzustellen. Dadurch fallen Transportwege weg, Wartezeiten verkürzen sich und Lagerbestände können abgebaut werden. Die Fertigung findet wieder vermehrt vor Ort statt, quasi „Insourcing on demand“.

Welche Ersatzteile dürfen gedruckt werden?

Wir dürfen nur Ersatzteile anfertigen, bei denen wir die IP-Rechte besitzen, d.h. wir müssen die Rechte am geistigen Eigentum (Intellectual Property Rights) haben.

Wie viele Ersatzteile kommen aus dem 3D-Drucker?

Inzwischen sind wir so weit, dass wir drei Prozent aller Ersatzteile drucken könnten.

Tatsächlich sind bis jetzt insgesamt 2.000 Ersatzteile mit dem 3D-Drucker hergestellt, bis Ende 2018 sollen es 15.000 Stück werden.

Wo liegen die Grenzen beim 3D-Druck?

Der 3D-Druck kommt an seine Grenzen beim Material, der Stückzahl sowie der Größe der zu druckenden Teile.

Bei uns kommen folgende Materialien zum Einsatz: Polyamid (Kunststoff), Aluminium (Metall), Stahl und Titan.

Im Pulverbrettverfahren können wir Teile maximal so groß wie einen Schuhkarton fertigen. Mit dem Extrusionsverfahren können immerhin schon Bierkasten große Stücke hergestellt werden.

Was würden Sie gerne via 3D-Druck herstellen?

Mein größter Wunsch – und da spreche ich jetzt nicht nur für mich – wäre es, komplette Drehgestelle herstellen zu können. Davon haben wir einen hohen Verschleiß, aber leider sind diese einfach zu groß für den 3D-Drucker. Außerdem würde ich auch gerne Nutzbauten in der Region (z. B. Umrichterhäuschen für DB Energie) drucken lassen.

Wie sieht die Zukunft beim 3D-Druck aus?

In unserem Netzwerk „Mobility goes Additive“ haben wir uns mit vielen Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen zusammengeschlossen. Wir möchten die Möglichkeiten der additiven Fertigung, also dem 3D-Druck und den Know-how- und Informationstransfer vorantreiben.

Der 3D-Druck hat ein unglaubliches Potenzial, das bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Er beflügelt die Fantasie: Man hat immer wieder neue Ideen, was und wie produziert werden kann. Zukünftig sollen auch Nahrungsmittel, Organe oder gar Häuser gedruckt werden.

 

Stefanie Brickwede ist Projektleiterin Konzernprojekt 3D-Druck sowie Geschäftsführerin des internationalen 3D-Druck-Netzwerks „Mobility goes Additive“.Stefanie Brickwede leitet seit Mitte 2015 das Konzernprojekt 3D-Druck bei der Deutschen Bahn mit großer Leidenschaft. Die erfahrene Strategin ist verantwortlich für die Einführung der additiven Fertigung. Als Geschäftsführerin baut sie das internationale Netzwerk „Mobility goes Additive“ auf, um der Technologie im Mobilitätssektor zum Durchbruch zu verhelfen. Die studierte Diplom-Ökonomin startete ihre Karriere im Mobilitätssektor. Bei der Deutschen Bahn baute sie das Konzernqualitätsmonitoring auf, etablierte eine Technikakademie sowie ein Lieferantenmanagementsystem und beschäftigte sich mit Innovationskultur.