50 Jahre Intercity: Auf Jungfernfahrt mit dem Intercity 2028

Triebfahrzeugführer Matthias Grün erinnert sich an seine erste Fahrt mit dem Intercity 2028.

Matthias Grün denkt immer noch gerne an seinen ersten Einsatz im Führerstand des Intercity 2028 vor 11 Jahren zurück. Die Jungfernfahrt führte ihn von Frankfurt nach Dortmund, wo er schon sehnsüchtig von seiner damaligen Freundin erwartet wurde. Was aus ihr und der 101 016 geworden ist, erzählt Matthias im folgenden Beitrag.

Matthias Weg zum Lokführer eines Intercity

„Als ich 2004 meine Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst (Fachrichtung Lokführer & Transport) begann, konnte ich nur davon träumen einmal selbst einen Intercity zu führen. Genau genommen blieb mir nichts übrig, als sehnsüchtig den schnell vorbeirauschenden Zügen hinterher zu blicken, wenn ich mich beim Hemmschuhlegen und Kuppeln im Güterbahnhof einmal wieder mit Fett einsaute. Auch als frischgebackener Lokführer rumpelte ich erst einmal mit 25 km/h auf der Rangierlok umher, statt eine Elektrolokomotive auf Tempo 200 zu beschleunigen.

Es sollte zwei weitere Jahre dauern, ehe sich mein Traum endlich erfüllte: Nach einem kleinen „Umweg“ über die Bereitstellung und einer weiteren Fortbildung stand im August 2009 meine erste Schicht als Streckenlokomotivführer im Fernverkehr an. Ich weiß noch genau, wie aufgeregt ich war, als ich pünktlich um 07:42 Uhr den Intercity 2028 am Frankfurter Hauptbahnhof in Bewegung setzte. Glücklicherweise begleitete mich mein Kollege Peter auf meinem Weg nach Dortmund. Er war wenige Monate nach mir in den Streckendienst gewechselt und absolvierte gerade seine Streckenkundefahrten.

Das erste Mal mit 200 km/h auf den Schienen unterwegs

Schnell war die anfängliche Anspannung einer grenzenlosen Freude gewichen: Als wir Mainz hinter uns gelassen hatten und der Rhein sich in unser Blickfeld schlängelte, war ich stolz wie Oskar, dass ich mit meinen 21 Jahren tatsächlich einen leibhaftigen Intercity führen durfte. Zwischen Köln und Düsseldorf war es dann soweit: Die Tachonadel erreichte die „magischen“ 200 Stundenkilometer. Auf diesen Moment hatte ich fünf Jahre lang hingearbeitet.

Als ich nach drei Stunden und vierzig Minuten Fahrzeit mein Ziel erreichte, fiel mir meine damalige Freundin um den Hals. Sie lebte in Dortmund und hatte mir gemeinsam mit ihrer Mutter einen gebührenden Empfang am Hauptbahnhof bereitet. Sie schoss auch dieses Bild, auf dem ich gemeinsam mit meinem Streckenkunde-Fahrer Peter vor der Lokomotive des Intercity 2028 posierte. Ich weiß nicht, was aus ihr geworden ist – und auch die 101 016 hat ihre himmelsblaue Sonderlackierung längst verloren.

In wenigen Jahren wird die Lokomotive meiner Premierenfahrt den Weg des alten Eisens gehen, und auch an mir sind die letzten zwölf Jahre nicht ganz spurlos vorbeigegangen. Immerhin ist der Babyspeck weg. Was dagegen gleich geblieben ist: Auch heute noch bin ich regelmäßig als Lokführer mit dem Intercity unterwegs, wenn auch nicht mehr so häufig. Wenn es nach mir geht, dann noch viele, viele Jahre lang. Happy Birthday, lieber Intercity!“