50 Jahre Intercity: Der persönliche Betreuer des Intercity

Von 1985 bis 1988 war Michael Matthies als erster Betreuer in der 1. Klasse und Zugchef auf dem Intercity unterwegs – nicht nur für die Gäste, sondern auch für den Zug.

Egal ob Georg Thomalla, Udo Lindenberg, Richard von Weizsäcker oder die Scorpions – sie alle waren zu Gast bei ihm in der 1. Klasse. Michael Matthies vom Serviceteam Uelzen denkt auch heute noch gerne an seine Zeit als Zugbegleiter im Intercity in den 80er-Jahren zurück. Im folgenden Artikel berichtet er von seinen Erfahrungen.

Wie alles begann.

„1977 fing ich als Aspirant bei der Bundesbahn in Köln an. Ab 1982 durfte ich probeweise auf den Intercity. Nach der offiziellen Einführung im Jahr 1985 war ich mit einem Zugchef und zwei weiteren Kolleg:innen als erster Betreuer in der 1. Klasse auf dem Intercity unterwegs, mit Am-Platz-Service. Ich habe am Dienstbeginn oft den Zug aus der Abstellung vorbereitet. Von der Wagenliste über den Bremszettel, die Platzreservierungen oder die Verteilung der Faltblätter – ich war für das komplette Programm verantwortlich, das heute kaum noch stattfindet. Ich habe den Intercity regelrecht persönlich betreut.

Berühmte Gäste im Intercity.

Dazu kamen die Gäste. In der 1. Klasse habe ich natürlich viele Prominente erlebt. Ich kenne die komplette Lebensgeschichte von Georg Thomalla, den ich öfters auf der Fahrt von Frankfurt nach Köln traf. Er war im Privatleben genauso wie im Fernsehen: ein kleiner Verrückter, der richtig gute Laune verbreitete. Udo Lindenberg war auch nett. Wenn man ihn in Ruhe gelassen hat. Besonders beeindruckt hat mich Richard von Weizsäcker. In den 80er-Jahren hatten viele Angst vor einem dritten Weltkrieg. Amerika und Russland rüsteten auf. Alle spielten verrückt. Er sagte: „Machen Sie sich keine Sorgen. Wir haben das schon bei Kennedy hingekriegt.“ Er hatte wirklich gute Ansichten und eine ruhige Art Politik zu machen. Die Scorpions waren auch zu Gast auf dem Intercity. Da kam ich gar nicht mehr mit dem Am-Platz-Service hinterher, so viel Bier haben die geordert. Das hat schon Spaß gemacht.

Außerdem war jeder Winter auf dem Zug ein Erlebnis. Bei den Bpmz-Wagen gingen die Schwenktüren bei Schneefall nicht mehr auf. Die Reisenden konnten dann nur noch über die Drehfalltür in Wagen 10 aussteigen. Einmal bin ich in einen starken Eisregen gekommen. Wir sind gegen 16:00 Uhr in Köln losgefahren. Nachts wusste ich irgendwann nicht mehr, wo wir waren. Auf dem Zug war Ruhe. Obwohl zwischen Bremen und Hamburg die Vorräte leer gingen, meckerte niemand. Die Fahrgäste waren dankbar an Informationen zu kommen. Und wenn es nur hieß: „Ich weiß im Moment noch nicht, wie es weitergeht. Aber in 10 Minuten melde ich mich wieder.“

Wie es nach dem Intercity weiterging.

Der Intercity hat auch mein Privatleben und meinen beruflichen Werdegang geprägt. Ich lernte meine erste Frau auf dem Zug kennen. An einem Samstagmorgen. Ich kam aus Kiel. Sie hatte den ersten ICE von Hamburg nach Köln. Da musste sie erstmal mit mir mit. In der 1. Klasse war nicht viel los. Wir kamen ins Reden und blieben in Kontakt. Mal begegneten wir uns in der Kantine in Köln, mal unterwegs auf der Strecke. Irgendwann entwickelte sich Liebe aus der Freundschaft. Wegen ihr zog es mich 1988 auch gen Norden – zunächst war ich als Zugchef für Hamburg-Altona tätig, dann beim Bahnhofsmanagement in Kiel. Leider ging die Ehe wenige Jahre später in die Brüche. Mit dem Fernverkehr gab es auch kein Happy End. Als ich zurück wollte kam Eschede. Und damit der Einstellungsstopp. Seitdem ist das Kapitel für mich abgeschlossen. Das bedeutet nicht, dass ich nicht über den Tellerrand schaue. Seit 1999 bin ich beim Serviceteam Uelzen. Aber wenn ich mal im Intercity unterwegs bin, unterstütze ich die Kolleg:innen vom Fernverkehr gerne, wo ich kann. Wenn zum Beispiel die Klimaanlage mal warm wird oder viel los ist, packe ich mit an. Ich kenne das ja von früher.“