Der Mann mit den Plänen für den Intercity

Frank Fabian, Teil des Fachkräfteteams Instandhaltung, blickt zurück auf 44 Jahre als Eisenbahner.

Der Intercity wird 50 Jahre alt. Zur Feier des Jubiläums machen wir auch einen Abstecher ins Werk Berlin-Rummelsburg. Hier kennt Frank Fabian, Teil des Fachkräfteteams Instandhaltung, viele Details über den Intercity.

Frank Fabian aus der Instandhaltung steht zwischen zwei Intercity-Zügen.

44 Jahre Eisenbahner, 43 Jahre davon am Standort Berlin-Rummelsburg und fast alle im Einsatz für den Reisezugwagen. Erst für jene der Deutschen Reichsbahn und dann nach dem Fall der Berliner Mauer auch für den Intercity. Das ist die Kurzversion von Frank Fabians Karriere. Doch wer ihn trifft, will auf jeden Fall auch die Langversion hören. Denn der 60-Jährige ist der Mann der Pläne für den Intercity, für die Details bis zur kleinsten Schraube. Seit vielen Jahren, als er von der Werkstatt ins Büro wechselte, begann er alles an Handbüchern und technischen Zeichnungen zu archivieren und aufzuheben, was ihm in die Hände fiel. In mehreren Heftern hat er zum Beispiel Fotos von verschiedenen Sitzbezügen der vergangenen 30 Jahre und ihrem Einsatzort versammelt. Sitzbezüge, die lange aus der Welt des Intercity verschwunden sind – in Orange, Grün oder Pink. In einem anderen Handbuch, das er aus dem Aktenschrank zieht, finden sich alle Details über eines von vielen verschiedenen Toilettenmodulen des Intercity. Natürlich nur eines von vielen weiteren.

Frank Fabian kennt sich aus in den Weiten der Ersatzteile, mittlerweile ordert er auch die kleinsten Bauteile und Schrauben für den ICE 4. „Wurde früher ein bestimmtes Ersatzteil unten im Werk gebraucht, bin ich noch die Mikrofilme durchgegangen, um die richtige Ersatzteilnummer zu finden und hab es bestellt“, erzählt er. Als alte Reisezugwagen verschrottet wurden, fuhr er außerdem durch die Republik – etwa nach Neumünster oder Wittenberge, um dort brauchbare Ersatzteile abzuholen. Mit der Zeit entstanden so Kontakte von Werk zu Werk. „Du lernst so natürlich überall die Kollegen vor Ort kennen. Und das ist unbezahlbar. Wir konnten uns immer gegenseitig helfen“, erzählt der 60-Jährige.

Ein Mitarbeite öffnet die Tür eines Intercity.

Die Liebe fürs Ersatzteil zeigt sich auch an anderen Stellen von Fabians Büro. Auf einem Schrank liegen diverse Bauteile und auch in den Schränken findet sich so manches Schätzchen, zum Beispiel ein Ersatzteil für ein Toilettenmodul des Intercity. Um diese schneller und effektiver zu reparieren, war Fabian vor ein paar Jahren auch daran beteiligt, spezielle Reparaturbereiche für die Module einzuführen. Die WC-Werkstatt war geboren und der Austausch von Toiletten ging schneller voran.

Verlässt man mit Frank Fabian sein Büro, sprudeln aus ihm die Details und Anekdoten, wie sich der Standort Berlin-Rummelsburg seit den 1980er-Jahren verändert hat. Damals als die Reisezüge aus Westdeutschland noch mit Transportpolizei an Bord ins Werk kamen. „Die haben geschaut, dass keiner Käse macht“, erinnert sich Fabian an das schwierige Arbeiten. An den Bundesbahnwagen habe man aber ohnehin nur kleinere Instandhaltungsarbeiten gemacht. Bei den Reisezugwagen der DDR-Reichsbahn war Fabian für die Türen zuständig. „Das war noch viel Handwerk und man musste auch ab und an improvisieren.“

Bis heute ist Frank Fabian ein Experte für die Türen bei den Reisezugwagen geblieben, obwohl er nicht mehr direkt an ihnen arbeitet. Wenn man mit ihm zwischen zwei abgestellten Intercity-Garnituren entlangläuft, zeigt er einem all die Feinheiten und Unterschiede zwischen den einzelnen Wagen. Ist es zum Beispiel ein Bistro-Wagen (ARkimmbz 288) mit Drehfalttüren, der auf einer Seite einen Zusatzflügel für den Einstieg von Fahrgästen mit Rollstuhl hat. Oder ist es eine vertikale Schwenkschiebetür, die sich mit einem herausklappbaren Griff von außen öffnen lässt. Und dann gibt es ja auch noch die regulären Schwenkschiebetüren, die nicht kurz nach dem Schließen nach oben gleiten, sondern einfach horizontal in das Schloss fallen.

Diese Feinheiten machen den Intercity für den 60-Jährigen komplex aber gleichzeitig auch spannend. „Die Arbeit mit dem Intercity hat immer Spaß gemacht“, sagt er. So richtig kann er gar nicht glauben, dass die Reisezugwagen irgendwann nicht mehr im Einsatz sind. „So ganz werden sie sicher nie verschwinden.“ Noch fahren sie aber ohnehin weiter, die Reisezugwagen im Intercity – von Berlin aus zum Beispiel auf der IC-Linie 77 über Hannover nach Amsterdam. Und auch Frank Fabian bleibt noch ein paar Jahre an Bord. Bis zur Rente ist schließlich „noch etwas Luft“, sagt er.