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Zugfahrten beflügeln Autoren-Fantasie

– Pensionierte Lehrerin „erfährt“ ihre Textideen auf Bahntouren quer durch Europa.

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heo, Milla, ein ICE und eine unglaubliche Reise mit einer magischen BahnCard. Klingt spannend? Ist es auch. Diese Geschichte für Kinder hat Bettina Rinderle in unserem Schreibwettbewerb eingereicht. Die Idee dazu hatte die pensionierte Lehrerin auf einer ihrer vielen Zugreisen. Wir wollten sie unbedingt näher kennenlernen.

 

Frau Rinderle, in Ihrer Geschichte geraten Kinder über eine BahnCard in eine magische Welt im Zug, in denen unter anderem ein Hamster, Südgespenster und Kaltfeuer eine Rolle spielen. Wie sind Sie denn darauf gekommen?

Ich beobachte oft, wie sich Kinder auf Zugfahrten langweilen — auch meine eigenen Enkel. Das hat mich auf die Idee gebracht, eine Geschichte für sie zu schreiben. Ich selbst bin viel mit der Bahn unterwegs, auch im Ausland. Das ist vielleicht nicht so schnell wie mit dem Flugzeug, aber viel authentischer und fesselnder. Ich habe von meinen Zugreisen so viele Eindrücke und Begegnungen mitgenommen — davon habe ich mich inspirieren lassen.

 

Wo kann man denn Ihre Geschichte mit der magischen Abenteuer-Bahncard lesen?

Ich bin noch auf der Suche nach einem Verleger — Das Buch ist auch noch nicht ganz fertig. Aber wer weiß, vielleicht kann man es ja eines Tages in der Bahnhofsbuchhandlung kaufen.

 

Sie sind pensionierte Lehrerin und haben viele Schulbücher veröffentlicht. Wie lange schreiben Sie schon?

Schon sehr lange! Meine erste Schreibmaschine hab ich mit zehn Jahren bekommen, eine Olympia in Himbeerrot. Die habe ich dann in Raten bei meiner Mutter abbezahlt. Das Geld habe ich mit Artikeln für die Kinderseiten von Tageszeitungen verdient. So ging das mit dem Schreiben weiter, auch während meines Studiums. Aber als berufstätige Mutter mit zwei Kindern hatte ich erstmal keine Zeit mehr für dieses Hobby, das kam erst später wieder. Die rote Schreibmaschine habe ich übrigens heute noch.

 

Aber ganz losgelassen hat Sie Ihr Hobby die ganzen Jahre nicht. Kreatives Schreiben spielt auch in Ihren Lehrbüchern eine große Rolle.

Ja, ich habe mit anderen Kollegen eine Methode entwickelt, die Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwäche fördert und sie spielerisch zum Schreiben ermuntert. Ich finde es wichtig, Kreativität und Fantasie bei den Kindern zu wecken. Um mit dem österreichischen Kabarettist Herbert Qualtinger zu sprechen: „Fantasie ist etwas, das sich viele gar nicht vorstellen können!“

 

Auf dem Foto, das Sie eingeschickt haben, sieht man Sie mit Block und Bleistift im Zug sitzen. Bringen Sie Ihre Gedanken immer zuerst zu Papier?

Jedes Wort, jeden Text schreibe ich zuerst von Hand, etwa in mein Notizbuch oder auf Konzeptpapier. So kann ich in jeder Lebenslage problemlos loslegen. Egal ob ich mich im Flugzeug, unter einem Baum oder im Zug befinde… Anschließend kommt natürlich alles in den Computer.

Lassen Sie sich inspirieren

Wie andere Reisende sich die Zeit im Zug vertreiben, können Sie auf unserem Portal nachlesen. Hier geht es zur Gewinnergeschichte des Schreibwettbewerbs. Die einen schreiben, die anderen lesen lieber. Wir haben einen Überblick für Sie über die unterschiedlichen Lesetypen im Zug zusammengestellt. Vielleicht finden Sie sich an der ein oder anderen Stelle wieder.

Wo waren Sie denn schon überall mit dem Zug?

In England, in Madagaskar und in Indien. Das ist aber schon viele Jahre her. Nächsten Monat fahre ich mit dem Nachtzug über Paris und Irún nach Lissabon. Gerne würde ich auch mal mit dem Orientexpress oder dem legendären Blue Train durch Südafrika fahren.

 

Nutzen Sie die Zeit im Zug auch noch für andere Dinge?

Ja, zum Träumen, Nachdenken und Beobachten. Ich löse auch gerne Sudoku oder andere  Rätsel, oder gehe im Speisewagen essen — am liebsten mit Panoramablick! Manchmal ergeben sich erquickende Kontakte mit anderen Mitreisenden. Neulich war ich mit einem Origami-Experten unterwegs, der mir gezeigt hat, wie man Pinguine bastelt. Meine wurden zwar schräg und krumm, aber unverkennbar Pinguine. Das war sehr kurzweilig.

 

Haben Sie noch einen Tipp für Menschen, die sich zwar gerne mal im Schreiben ausprobieren würden, aber nicht wissen, wie sie anfangen sollen?

Mit assoziativem Schreiben kommt jeder in Fahrt. Dabei werden einfach Worte oder Gedankenfetzen zu einem bestimmten Thema aneinandergehängt, so wie sie einem in den Kopf schießen. Ein anderer Trick ist, alles aufzuschreiben, was Ihre Sinne wahrnehmen und Sie bemerkenswert finden: Ein Bild, eine Postkarte, ein Geräusch, ein Duft.

Zur Person

Bettina Rinderle Portrait
Bettina Rinderle (71) lebt bei Freiburg, wo sie vor langer Zeit Pädagogik und Psychodrama studiert hat. Sie hat mehrere Schulbücher veröffentlicht, u.a. „Tizian geht durch die Wand – eine Kunstlektüre für die Grundschule“. Nach 40 Jahren Dienst als Grundschullehrerin genießt sie ihren Ruhestand und reist viel, auch mit der Deutschen Bahn. Immer mit dabei hat sie ihr Moleskine-Notizbuch, in dem sie Eindrücke und Beobachtungen von unterwegs notiert.
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