Arbeiten im Zug: Der Innovations-Trainer

– Warum Unternehmensberater Thomas Sontheim nie ohne kleine gelbe Zettel unterwegs ist.

Handgeschriebene Notizen auf gelben Haftzetteln kleben an einem Bahnfenster, dahinter fliegt die Landschaft vorbei. Was ist hier los? Ein Seminar im Zug? Mindmapping auf Reisen? Das Foto von Thomas Sontheim, das er anlässlich des Gewinnspiels „Was haben Sie Neues im Zug ausprobiert?“ eingereicht hat, hat uns neugierig gemacht. Wir haben nachgefragt:

Herr Sontheim, Sie haben auf einer Bahnreise ein Zugfenster in eine Art Magnettafel voller Notizen verwandelt. Machen Sie das öfter?

Ja. Ich und meine Kollegen fahren ausschließlich mit der Bahn zu unseren Kunden. Die Zugfahrt nutzen wir für die Vorbereitung. Im Büro ist die Zeit oft zu knapp.

In welcher Branche sind Sie tätig? 

Ich arbeite für eine Unternehmensberatung, die auf das Thema Innovation spezialisiert ist. Wir unterstützen mittelständische Unternehmen und Konzerne dabei, neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Geht es bei den Haftzetteln auf dem Bild auch um neue Produkte? 

Da habe ich einen Workshop vorbereitet, eine Art Erste-Hilfe-Kurs für Unternehmen, die veraltete Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen wollen. Dabei arbeiten wir mit speziellen Haftnotizen, sogenannten Stattys. Sie sind elektrostatisch aufgeladen und haften an jeder Oberfläche, ganz ohne Klebstoff. Das ist eine super Möglichkeit, um Gedanken zu visualisieren und zu ordnen – egal wo man sich gerade befindet. Die Notizen aus der Bahn habe ich später beim Kunden an der Beamer-Wand präsentiert.

Wo haben Sie denn die elektromagnetischen Post-its her? 

Wir haben sie im Silicon Valley entdeckt. Von dort stammt auch die Methode, die unsere Firma anwendet, um die Innovationskraft von Unternehmen zu stärken. Sie wurde ursprünglich für Startups konzipiert. Ein Bestandteil davon ist es, mit flexiblen Notizen zu arbeiten, die man hin- und herschieben kann.

Wie reagieren denn andere Bahnreisende auf die Haftnotizen? 

Erstaunt und neugierig! Ich hatte dadurch schon viele schöne Gespräche. Einmal ergab sich sogar ein persönlicher Kontakt zu einem neuen Kunden, einem Unternehmer, der mir zufällig gegenüber saß. Die meisten fragen, was das ist und warum das klebt. Die Zugbegleiter haben eher Sorge, dass sich die Zettel nicht mehr entfernen lassen.

Ein stressiges Büroumfeld hemmt die Kreativität, innovative Geistesblitze hat man eher woanders. Könnten Sie sich vorstellen, einen Ihrer Workshops in der Bahn zu halten?

Interessante Idee! Der Gedanke, dass man den Mitarbeitern Räume anbietet, wo sie quer- und neudenken können, wird auch hierzulande immer mehr aufgegriffen. So etwas kann ich mir grundsätzlich auch während einer Bahnfahrt vorstellen. Dazu müssten allerdings die Abteile anders eingerichtet sein.

Wie denn?

Weniger Sitze, dafür mehr Platz zum Nachdenken, idealerweise mit Möbeln, die man hin- und herschieben kann.

Was wünschen Sie sich als Geschäftsreisender von der Bahn? 

Einen stabilen WLAN-Empfang, auch in der zweiten Klasse, so dass man flächendeckend und unterbrechungsfrei online sein kann.

Auf der anderen Seite ist es manchmal ganz gut, kein Netz zu haben, sondern Zeit, loszulassen und Ideen zuzulassen.

Thomas Sontheim

Thomas Sontheim ist Diplom-Betriebswirt und arbeitet als Consultant für eine Unternehmensberatung mit Sitz in München. Er hilft Firmen dabei, neue Geschäftsideen zu realisieren und begleitet die Veränderungsprozesse. Deshalb ist der 29-jährige beruflich viel auf der Strecke München-Mainz und München-Frankfurt unterwegs. Beim Arbeiten im Zug hört er gerne Musik – das macht den Kopf frei.

Arbeiten im Zug? Lassen Sie sich inspirieren

Viele Menschen nutzen die Zeit im Zug, um zu arbeiten oder sich auf Geschäftstermine vorzubereiten. Dieser Text gibt Tipps für die Bahn als rollendes Büro. Wie man sich als digitaler Nomade fühlt, lesen Sie hier. Was haben andere Reisende Neues während einer Bahnfahrt im Zug ausprobiert? Mehr dazu hier.

Raum zum Neu- und Querdenken bei der Bahn bietet das Zuglabor, das seit Juli einen festen Standort in Miltenberg hat.