Coworking-Space – für wen und warum?

– Viel-Bahnfahrer Thorsten Kolsch reiste durch Deutschland und ergründete das Phänomen flexibler Bürowelten für uns.

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o – was? Ein Coworking-Space ist ein öffentlicher Raum, in dem mehrere Menschen arbeiten – mal jeder für sich, mal zusammen mit Gleichgesinnten. Auch ich nutze seit einigen Jahren die vielen Möglichkeiten, von überall aus arbeiten zu können. Nun habe ich mich gezielt auf eine Reise durch Deutschland gemacht, um mehr über die verschiedenen Arten von Coworking, ihre buchbaren Plätze und die Betreiber zu erfahren. Und schon an dieser Stelle kann ich sagen: Deutschlands Bürolandschaft hat inzwischen weit mehr zu bieten als stickige Großraumbüros, zu denen bisher das home-office die Ausweich-Alternative war. Oder etwa die Hotel Lobby für berufliche Termine unterwegs. Übrigens: Eine tolle Adresse, um den nächsten Arbeitsplatz zu finden, ist coworking.de.

Mancher mag meinen, dass es sich wieder nur um einen weiteren Trend aus der Hipster-Szene handelt, doch dem widersprechen die zahlreichen Aussagen von Coworking-Space-Betreibern, die ich auf meiner Reise kennengelernt habe. Und dann gibt es da noch eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) aus dem Jahre 2013, die prognostiziert: 

In der kommenden Dekade erwarten wir eine massive Veränderung in der Nutzung von Infrastrukturen und Orten in der Büro- und Wissensarbeit. Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) 2013

Über 800 Coworking Spaces in den USA, in Deutschland bereits über 230

Die Idee stammt ursprünglich aus den USA, wo es bereits mehr als 800 solcher Orte gibt. In Deutschland kommen in über 230 Häusern Selbstständige, Startups und Angestellte aus unterschiedlichen Branchen zusammen. Die „Dunkelziffer“ von Coworking-Büros ist vermutlich beachtlich, da immer wieder neue, kleine Orte der Produktivität entstehen. Die Frage ist zudem, welche Einrichtungen als Coworking-Spaces gelten. Schließlich werden Cafés, Parks, Flughäfen und Bahnhöfe nicht selten auch als Arbeitsraum und Büro genutzt.

Einen Coworking-Space zu gründen, hat meistens recht egoistische Gründe, wie mir unabhängig voneinander Martina Ecklebe von der Raumstation in Leipzig und die Gründer Heino Weber und Achim Schulz vom places in Hamburg erzählen: „Ich wollte einen Arbeitsplatz haben, an dem ich mich wohlfühle“, sagt Martina. Die Büroeinrichter Heino und Achim konnten sich dagegen so richtig austoben und einen Arbeitsplatz kreieren und ausstatten, der ihren Wünschen am nächsten kommt.

 

Auf meiner Reise habe ich vier verschiedene Coworking-Arten kennengelernt:

  1. Low-Budget-Coworking

Hier bekommt man schon für schmales Geld einen vernünftigen Arbeitsplatz, inklusive WiFi und Steckdose. Oft muss man nur wenige Euro pro Tag zahlen. Ein Beispiel sind die Betahäuser in Hamburg und Berlin.

  1. Premium-Coworking

Service und Mobiliar wird beispielsweise im places in Hamburg groß geschrieben. Wem die Low-Budget-Lösungen zu studentisch oder laut sind, findet hier oftmals mehr Ruhe und Komfort.

  1. Kreativzentren

Hier wird über den Tellerrand hinaus gedacht und gearbeitet. In den Kreativ-Oasen sind nicht nur digitale Nomaden und Selbstständige unter sich, hier gibt es Ateliers und viele weitere Möglichkeiten des kreativen Austausches. Ein Beispiel ist das Unperfekthaus in Essen.

  1. Dezentrales bis virtuelles Coworking

Bei dieser Form von Coworking, trifft man sich nicht regelmäßig an einem bestimmten Ort, sondern man kommt projektweise an variablen Orten zusammen. Beispiele sind das Sunny Office oder die DNX Camps.

Sind Sie ein Coworking-Space-Typ?

Ist Coworking tatsächlich das Arbeitsmodell der Zukunft? Wird der reguläre Büro-Arbeitsplatz bald ausgestorben sein und werden wir nur noch mit Laptops unter dem Arm durch das Arbeitsleben schreiten? Ganz so wird es sicher nicht kommen. In meinen fünfzehn Berufsjahren sind mir viele Menschen begegnet, die sich niemals vorstellen können, in einem Coworking-Space zu arbeiten. Sie brauchen die wiederkehrende, vertraute Umgebung, die Anwesenheit der geliebten Kollegen und den neuesten Tratsch in der Teeküche. Gleichzeitig weiß ich auch von dem Freiheitsdrang vieler Kollegen und dem tiefen Wunsch mal auszubrechen und dem Büromief zu entfliehen.

Übermorgen werde ich im zweiten Teil davon berichten, welche Adressen mir besonders gefallen haben und Sie Ihnen mit ihren verschiedenen Arbeitswelten vorstellen. Dabei geht es quer durchs Land: Vom Ruhrgebiet über den Norden nach Osten runter in den Süden. Und nicht zu vergessen: Die DB Lounges der Bahn. Auch sie habe ich daraufhin mal unter die Lupe genommen. Bis dahin: Frohes Schaffen, sei es im Zug, im Büro oder vom Hotel aus!

Fragen & Antworten rund um Coworking-Spaces

Wie spontan kann ich einen Coworking-Platz buchen?
Tagesplätze müssen in der Regel nie reserviert werden. Bei monatlichen Anmietungen empfiehlt sich hingegen eine rechtzeitige Anmeldung. 

Welche Ausstattung gibt es vor Ort?
Schnelles WLAN, Schreibtische, ergonomische Bürostühle, Fax, Drucker und abschließbare Rollcontainer gehören bei allen Coworking-Angeboten zur Standardausstattung.

Mit welchen Tools arbeite ich am besten mit meinem Arbeit- oder Auftraggeber zusammen?
Es gibt zahlreiche Cloud-basierte Projektmanagement-Tools, sowie Filehosting-Dienste wie Dropbox, Evernote oder WeTransfer. Alternativ kann der Arbeit- oder Auftraggeber sein VPN-Netzwerk zur Verfügung stellen (ein privates Rechner-Netzwerk).

Wie schnell ist das Internet?
In der Regel sehr schnell, und oft sehr viel schneller als zu Hause (bis zu 300 MBit).

Muss ich auf jeden Fall meinen eigenen Rechner mitbringen?
Ja, ein Notebook ist quasi Pflicht. Coworking-Spaces sind keine Internet-Cafés. Oft werden allerdings Monitore gestellt. Hier sollte man sich vorher erkundigen.

Wer haftet bei WLAN-Ausfall oder technischen Störungen?
Sollte im unwahrscheinlichen Fall für längere Zeit das WLAN ausfallen, kann sicher der Mietpreis gekürzt werden. Ein Verdienstausfall ist aufgrund der Menge an Alternativen allerdings nur schwer nachzuweisen.

Wie ist die Verpflegung vor Ort?
Von der Wasser- oder Kaffee-Flatrate, bis hin zu Buffets, sind die Coworking-Spaces in Deutschland gut ausgerüstet. Auch hier gilt es sich vorher zu informieren.

Kann ein Coworking-Arbeitsplatz auch ein Büroersatz sein?
Viele Coworking-Spaces bieten auch Langfrist-Mieten an. Rechnet man die vorhandene Infrastruktur (WLAN, Möbel etc) mit ein, sind Coworking-Angebote in der Regel immer günstiger als neu bezogene Büros.