Darum bietet die Deutsche Bahn Strom für Privatkunden an

– Interview: Dr. Hans-Jürgen Witschke verrät was sich hinter dem Angebot für Privatkunden verbirgt.

Seit Juli bietet die Deutsche Bahn auch Strom für Privatkunden an. Warum gerade die Deutsche Bahn? Um diese Frage zu klären, haben wir mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von DB Energie, Dr. Hans-Jürgen Witschke, gesprochen.

Er stellt die Unterschiede zum Bahnstrom dar und erklärt woher der Strom für die Haushalte in Deutschland kommt.

Interview mit Dr. Hans-Jürgen Witschke, DB Energie

Warum wird die DB zum Stromanbieter?

DB Energie ist als Bahntochter gegründet worden, um Energie für den Eisenverkehr in Deutschland bereitzustellen. Seit mehr als zehn Jahren versorgen wir auch Industrie, Handel und Gewerbe mit Energie. Mittlerweile – und das wissen die wenigsten – sind wir der fünftgrößte Stromversorger in Deutschland. Das Know-how ist also da, nun bieten wir DB Strom auch Privathaushalten in Deutschland an.

Woher kommt der Strom?

Den Strom kaufen wir – wie die anderen Anbieter – überwiegend an den Strombörsen ein. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung und unserer gelernten Prozesse sehen wir uns in der Lage, unseren DB Strom – als Grünstrom – deutlich preiswerter anzubieten als die Grundversorger ihren Graustrom. In dieser Differenz sehen wir unsere Marktchance.

Wird selber „produziert“?

Beim 16,7-Hz-Bahnstrom sind wir an einzelnen Kraftwerksscheiben durch lang laufende Verträge gebunden. Im 50-Hz-Geschäft, also den Strom für Privathaushalte, Industrie, Handel und Gewerbe, ist dies nicht der Fall. Hier beschaffen wir den Strom über die Strombörse. Aufgrund unseres großen Einkaufsvolumens sind wir täglich an den Strombörsen und auch dem außerbörslichen Handel OTC tätig und können so für unsere Kunden gute Konditionen an den Beschaffungsmärkten realisieren.

Ist es Strom aus erneuerbaren Energien?

Im Privatkundengeschäft setzen wir ausschließlich auf Grünstrom. Die Deutsche Bahn sieht sich als Umweltvorreiter im Verkehrssektor. Da liegt es nahe, dass wir unseren Kunden, wir sprechen ja überwiegend Bahnfahrer an, ausschließlich mit Grünstrom beliefern. Unser Grünstrom wird nach den Regeln des „ok-power-Labels“ zertifiziert.

Das bedeutet, dass mindestens ein Drittel aus Neuanlagen und das zweite Drittel aus Anlagen, die nicht älter als zwölf Jahre sind, stammen. Als Kunde von DB Strom können Sie also versichert sein, dass sie die Energiewende aktiv unterstützen, weil sie die Nachfrage nach neuen Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien fördern.

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Wird derselbe Strom bezogen mit dem auch Züge angetrieben und versorgt werden?

Nein, das sind technisch ganz unterschiedliche Welten. Aus historischen Gründen hat der sogenannte Bahnstrom, mit dem unsere Züge in Deutschland fahren, eine Frequenz von 16,7 Hz. Im öffentlichen Netz, also der Strom, der bei uns zu Hause aus der Steckdose kommt, sind es 50 Hz.

Bahnstrom wird also extra für die Eisenbahn produziert oder über sogenannte Umrichterwerke aus dem „normalen“ Strom transformiert. Nicht nur der Bahnstrom selbst, auch die gesamte Infrastruktur ist auf 16,7 Hz ausgerichtet. Deswegen ist es auch nicht möglich, das ganze System auf 50 Hz umzustellen, auch wenn moderne Elektroloks mit dieser Frequenz heute kein Problem hätten.

Der Geschäftsführer von DB Energie Dr. Hans-Jürgen Witschke

Über Dr. Hans-Jürgen Witschke

Dr. Hans-Jürgen Witschke ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Tochtergesellschaft DB Energie GmbH. Für inside.bahn.de gibt er einen Einblick hinter das Angebot von DB Energie für Privatkunden.