Einstiegslotsen sorgen für pünktlichere S-Bahnen

– Interview mit Christian Roth, Leiter der S-Bahn Rhein-Main.

Zur Rushhour herrscht großes Gedränge am Frankfurter Hauptbahnhof. Die mehr als gut besetzte S-Bahn ist abfahrbereit, da springt jemand noch in letzter Sekunde ins Abteil. Die Tür der Bahn kann sich nicht rechtzeitig schließen, was zu einer längeren Haltezeit an der Station führt. Und jede Verzögerung bedeutet unweigerlich auch eine Verspätung für alle folgenden Züge.

Christian Roth, Leiter der S-Bahn Rhein-Main

Christian Roth, Leiter der S-Bahn Rhein-Main

Herr Roth, Pünktlichkeit ist ja bekanntlich das, was Ihre Kunden im öffentlichen Nahverkehr in erster Linie erwarten.

Richtig. Daher ist es unser Ziel, die S-Bahn pünktlicher und zuverlässiger zu machen. Neben baulichen Maßnahmen, verbesserten Betriebsabläufen und Modernisierungen ist es besonders wichtig, die Haltezeitüberschreitungen an den Stationen zu verringern.

Konkret heißt das doch, dass sich die Türen der Züge rechtzeitig schließen müssen. Wie können Sie das erreichen?

Wir setzen zu den Hauptverkehrszeiten, also morgens und abends, an stark frequentierten S-Bahnhöfen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, die verhindern sollen, dass einzelne Fahrgäste Türen aufhalten, obwohl der Zug abfahrbereit ist. Wenn die Türen schließen, stellen sich unsere Einstiegslotsen mit ihren neongelben Warnwesten einfach davor.

Und das funktioniert?

Ja. Unser Pilotversuch im September dieses Jahres in Frankfurt war so erfolgreich, dass der Einsatz von Einstiegslotsen hier auf jeden Fall bis Ende 2017 fortgesetzt wird.

Einstiegslotse koordiniert und lenkt die Fahrgäste bei der S-Bahn Rhein-Main

Wenn der Zug abfahrbereit ist, stellt sich der Einstiegslotse vor die Tür

Lässt sich das auch in Zahlen ausdrücken?

Unsere Auswertung hat gezeigt, dass die Fahrtzeiten in den Morgenstunden um 30 bis 40 Sekunden verkürzt werden konnten, abends immerhin noch um 10 bis 15 Sekunden. Und das pro S-Bahn.

Hier zählt also tatsächlich jede Sekunde?

In der Tat. Wenn Sie bedenken, dass auf der Frankfurter Tunnelstrecke bis zu 48 Züge pro Stunde unterwegs sind, dann macht das unterm Strich viel aus. Denn mit jeder verspäteten Abfahrt entstehen Folgeverspätungen für alle darauf folgenden S-Bahnen. Und für den einzelnen Fahrgast können schon ein paar Sekunden bedeuten, dass er zum Beispiel seinen Anschlusszug oder Bus stressfreier erreicht.

Womit wir bei der Kundenzufriedenheit wären.

Bis auf wenige Ausnahmen war die Resonanz durchweg positiv. Das ist wichtig, denn um noch besser zu werden, sind wir auf die Unterstützung unserer Kunden angewiesen.

Gibt es bei so vielen positiven Erfahrungen auch in anderen Städten die Überlegung, Einstiegslotsen einzusetzen?

Die S-Bahn Stuttgart ist hier Vorreiter. Weil dort ein ähnliches Vorgehen schon sehr erfolgreich läuft, haben wir uns bei der S-Bahn Rhein-Main überhaupt entschieden, es auch einmal mit Einstiegslotsen zu versuchen. Selbstverständlich befinde ich mich mit meinen Kollegen im regen Austausch über das Projekt.