Gegen Eis am ICE: Ein Wellnessparadies für Züge

– So funktionieren die Enteisungsanlagen der Bahn.

Gut 190 Meter zieht sich der Tunnel in die Länge. Darin sind in Bodennähe, entlang eines Schienenstrangs, insgesamt 40 Düsenstöcke aufgebaut. Aus zig kleinen Hähnen sprüht warmes Wasser nach oben. Dampf steigt auf. Feuchtigkeit breitet sich aus. Der Tunnel lässt an ein Dusch- und Wellnessparadies für Züge denken. Tatsächlich geht es hier aber nicht um saubere Lokomotiven und Waggons. Vielmehr sorgt diese Enteisungsanlage für Sicherheit auf den Schienen.

120 Liter pro Minute zum Abtauen

Das Prozedere ist ganz einfach. Der Zug fährt ein. Dann heißt es: Wasser marsch! Mehr als 120 Liter werden pro Minute von unten gegen den Zug gepresst. Der Strahl hat dabei etwa Körpertemperatur und einen Druck von 1 Bar. Genug Kraft also, um das Wasser gegen den Unterboden des Zuges zu sprühen und Eisstellen abzutauen, die sich hier bei Schneefall entlang der Strecke festgesetzt haben. Das genutzte Wasser wird gefiltert und wieder in den Kreislauf eingespeist, also weiterverwendet.

Wellnessdusche mit 39 Grad Celsius

Diese Wellnessbehandlung ist nur bei niedrigen Temperaturen notwendig. Denn: Regelmäßig werden die Fahrwerke der Züge der Deutschen Bahn gewartet und einer Ultraschallprüfung unterzogen. Dabei wären Schnee und Eis im Weg. Mit dem 39-Grad warmen Wasser werden diese daher einfach abgetaut.
enteisung

36 Enteisungsanlagen bundesweit

Die komplette Enteisung eines ICEs nimmt zwei bis zweieinhalb Stunden in Anspruch. Danach ist die Inspektion der Fahrgestelle möglich. Wenig später geht es wieder auf die Strecke. Bundesweit stehen 36 Abtau- und Enteisungsanlagen bereit, in denen Schnellzüge – im wahrsten Sinne des Wortes – zu Warmduschern werden.

Damit die ICEs gar nicht erst vereisen, gibt es in Frankfurt seit 2014 übrigens eine bundesweit einzigartige Glykol-Sprühanlage: Vorbereitung ist alles.

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