Der IC Bus im Selbsttest – unterwegs auf der Gummischiene

– Redakteur Wolf war im IC Bus von Berlin nach Kopenhagen unterwegs.

Wenn ich auf Reisen gehe, dann gerne über Land. Nicht, dass ich Angst vorm Fliegen hätte, doch ich finde es spannender, die Landschaft zwischen meinem Start- und Zielort beobachten zu können. Mein bevorzugtes Verkehrsmittel ist da – als braver Bahnmitarbeiter – natürlich die Bahn. Seit einiger Zeit bietet die Bahn nun mehr und mehr Verbindungen per IC Bus an. Das wollte ich nun endlich einmal testen und habe mir dafür die Strecke von Berlin nach Kopenhagen ausgesucht. Wer es kurz und knackig mag, findet meine persönliche Liste der Vor- und Nachteile am Ende dieses Artikels.

Berlin-Südkreuz (ZOB) um 14.05 Uhr:

Da steht er nun, ein Bus mit der Lackierung eines IC. Zugegeben, ein bisschen komisch ist das schon. Angesichts des Wetters denke ich aber nicht weiter darüber nach und sehe zu, dass ich schnell hinein komme. Mein Gepäck wird vom Busbegleiter übernommen und verladen. Ähnlich wie beim Fliegen, bekommt meine Reisetasche einen Anhänger und ich einen Zettel mit meiner Gepäcknummer. Das Be- und Entladen geht nur unter Aufsicht des Busbegleiters und gegen Vorlage des Gepäckzettels. So ist zumindest sichergestellt, dass keiner aus Versehen oder gar absichtlich ein fremdes Gepäckstück mitnimmt.

14.15 Uhr:

Pünktlich, ja, ganz recht, pünktlich geht es los. Das ständige Anfahren und Abbremsen im Berliner Stadtverkehr macht die Sache zunächst ziemlich wackelig. Mit reichlich Glück kann ich noch meinen Kaffee abfangen, den ich auf dem Klapptisch abgestellt habe, bevor er sich beinahe auf meinem Schoß verteilt. Apropos Getränke: was mir gleich ins Auge sticht, ist die Getränke- und Snackkarte, deren Preise mich angenehm überraschen.

15.45 Uhr:

Das Wetter wird zusehends schlechter und auf meinem Handy trudeln – wechselweise von meiner Mutter und einer Freundin – Nachrichten über die Wetterlage im Nordosten ein, wo gerade die beiden Sturmtiefs Felix und Elon aufeinander treffen. Laut aktuellen Meldungen soll der Fährbetrieb Richtung Dänemark bereits eingestellt worden sein. Ich bleibe dennoch optimistisch und bin zuversichtlich, dass es irgendwie schon klappen wird.

16.05 Uhr:

Unser Busbegleiter lässt uns per Durchsage wissen, dass der geplante Halt in Rostock ausfällt, da der Fährbetrieb zwischen Warnemünde* und Gedser tatsächlich eingestellt wurde. Stattdessen geht es nach Puttgarden, weil hier noch die Fähre nach Rødby fährt. An meiner Zuversicht ändert das nichts und ich lehne mich gelassen in meinen Sitz zurück.
*[Änderung der Redaktion, 13. Februar 2015]

16.45 Uhr:

Der Blick aus dem Fenster lohnt nicht wirklich, denn es regnet in einem fort und auch sonst bietet die Autobahn landschaftlich keine reizvollen Ausblicke. Ich beschließe die Zeit zu nutzen und meine ersten Eindrücke auf dem Laptop niederzuschreiben. Es gibt eine Steckdose pro Doppelsitz, jeweils an der Innenwand des Fensterplatzes. Bei der Buchung sollte man also darauf achten, dass man einen Fensterplatz bekommt, wenn man eine Steckdose braucht. Allerdings muss ich feststellen, dass die Größe des Klapptischs nicht wirklich für einen durchschnittlichen Laptop (in meinem Fall 15 Zoll) ausgerichtet ist. Trotz ausreichender Beinfreiheit, lässt sich hier folglich nicht allzu angenehm arbeiten.

Laptop IC Bus Arbeiten

Für einen durchschnittlich großen Laptop (15 Zoll) reicht der Klapptisch im IC Bus kaum aus.

19.15 Uhr:

Wir erreichen den Fährhafen von Puttgarden und nähern uns damit dem Teil der Reise, auf den ich mich am meisten gefreut habe – es geht aufs Schiff! Ich liebe es mit dem Schiff zu fahren, da kommt wohl der Halbfriese in mir zum Vorschein. Doch auch so ist es eine willkommene Abwechslung nach über sechs Stunden Busfahrt mit nur einem kurzen Halt wegen des Fahrerwechsels. Während der Überfahrt müssen wir den Bus aus Sicherheitsgründen verlassen und uns auf die Oberdecks begeben. Das Handgepäck kann man getrost zurücklassen, da der Bus währenddessen abgeschlossen bleibt.

20.05 Uhr:

Die größte Hürde ist geschafft: Wir haben es – dem Unwetter zum Trotz – nach Dänemark geschafft. Auch auf ausländischem Boden habe ich noch das WLAN im Bus und nutze die Gelegenheit, diesen Erfolg stolz meinen persönlichen „Wetterfröschen“ (meine Mutter und die besorgte Freundin) zu vermelden.

21.50 Uhr:

Zu meiner großen Überraschung erreichen wir Kopenhagen – trotz der Routenänderung – pünktlich auf die Minute. Der Haltepunkt für Busse ist København Ingerslevsgade, etwa 5 Gehminuten hinter dem Kopenhagener Hauptbahnhof. Die Wegbeschreibung zu meinem Hostel habe ich mir dank des WLANs im Bus noch übers Handy heraussuchen können. Müde aber zufrieden mache ich mich auf den Weg durch das abendliche Kopenhagen.

Meine Liste der Vor- und Nachteile beim IC Bus:

Vorteile:
+ der Preis: Ich habe drei Tage im Voraus gebucht und 29 Euro bezahlt
+ die Preise an Bord: 1 Euro für einen Kaffee oder Snack ist wirklich fair
+ WLAN: Das gibt es kostenlos und lief durchgehend stabil
+ Beinfreiheit: Auch für Menschen über 1,90 Meter völlig ausreichend

Nachteile:
- Lange Fahrtzeit und wenige Gelegenheiten, sich die Beine zu vertreten
- Komfort: Besonders beim Stop-and-Go in der Stadt nervt das Geruckel
- Arbeiten unterwegs: Dafür ist leider zu wenig Platz

 

Mein persönliches Fazit:

Alles in allem stimmt beim IC Bus, meiner Meinung nach, das Preis-Leistungsverhältnis. Wer günstig von A nach B kommen will, wird hier sicher zufrieden sein. Als mobiles Büro für Geschäftsreisende kann ich den IC Bus allerdings nicht empfehlen. Letztlich muss man hier für sich selbst entscheiden, was einem beim Reisen wichtig ist. Will ich schnell ans Ziel kommen, will ich möglichst günstig reisen und wie viel Budget habe ich dafür zur Verfügung. Für mich persönlich schließe ich nicht aus, den IC Bus wieder einmal zu nutzen. Wenn es so weit ist, werden Sie aber bestimmt hier davon lesen!