Lektüre mit Labradoodle

– Im Eventzug „Lesen“ trug Judith Holofernes ihre Tiergedichte vor. Kläff – und Knurreinlagen inklusive. Fans und Reisende waren begeistert.

Endlich Zeit zum Lesen – das war das Motto des vierten Eventzuges der Bahn. Einen ganzen Tag lang stand der Wagon 1 im ICE von Freiburg nach Hamburg im Zeichen der Literatur. Stargast war die Wir-sind-Helden-Frontfrau Judith Holofernes, die seit einigen Jahren auf Solopfaden unterwegs ist und soeben ihren ersten Gedichtband veröffentlicht hat.

„Du bellst vor dem falschen Baum“ heißt ihr Buch. Mit demselben feinen Wortwitz und der Lust an der Lautmalerei, die man auch aus ihren Songtexten kennt, sinniert Holofernes darin über Tiere – über wieselnde Wiesel, Quallen auf Malle, über Lemuren und Labradoodle. „Tiere haben mich schon immer fasziniert, viele meiner Songtexte handeln von ihnen“, erzählt die Sängerin. „Irgendwann hab ich gedacht, ich mach ein Buch daraus.“ Bebildert ist es mit wunderbaren Zeichnungen und Collagen der befreundeten Künstlerin Vanessa Karré.

Impressionen aus dem Eventzug mit Judith Holofernes
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Kuschelige Atmosphäre

Das Leseabteil kommt aber schon vor der Lesung der Sängerin gut an. Der nüchterne ICE-Wagon hat sich in ein rollendes Bibliothekszimmer verwandelt. In der Gepäckablage stapeln sich Bücher, auf den Tischen liegen Magazine. Leselampen und Etageren mit Süßkram sorgen für kuschelige Atmosphäre. „Das ist voll cool“, findet Victoria, die zusammen mit ihrer Schwester und ihrem Papa von Basel nach Kassel unterwegs ist. Die zehnjährige liebt es zu lesen, aber im Auto wird ihr immer schlecht. „Deswegen fahre ich viel lieber mit dem Zug.“ Mit an Bord ist auch der professionelle Märchenerzähler Werner Jendrich, der Kindern auf Wunsch Geschichten vorliest – gerade ist Janosch an der Reihe. „Sehr gemütlich“, sagt eine Mutter, die es bedauert, schon aussteigen zu müssen.

Judith Holofernes: Von Starallüren keine Spur

Auch Ilze und Natascha aus Heidelberg finden die die Atmosphäre toll. „Das ist eine supernette Idee“, sagt Ilze. Sie ist eine der drei Gewinner des Meet & Greet mit Judith Holofernes und überglücklich. Gerade hat sie mit ihrem Star zu Mittag gegessen und geplaudert. Eine tolle Erfahrung – auch weil Judith Holofernes in ihrer natürlichen und unprätentiösen Art sofort jeden für sich einnimmt. Von Starallüren keine Spur, nur um eine halbe Stunde Ruhe vor ihrem Auftritt hat sie gebeten – und ein Mikrofon.

..und dann holt sie die Ukulele raus

Ich bekomme immer wieder mal Zuschriften von Biologen, die mir den Marabu erklären wollen. Judith Holofernes

Denn Judith Holofernes liest nicht einfach vor, sie performt im Stehen, jault, bellt, knurrt und kläfft, dass es eine wahre Freude ist. Lautes Lachen, begeistertes Klatschen, die Zuhörer drängen in dem Abteil, machen Fotos. Ganz am Schluss, kurz bevor der Zug in Hamburg einfährt, setzt sich die Künstlerin an den Vierertisch des ICE-Wagons, holt ihre Ukulele raus, und singt eine Hommage an den Countrysänger Lyle Lovett. Und plötzlich ist der ICE von Freiburg nach Hamburg nicht nur eine rollende Bibliothek, sondern ein intimes Clubkonzert.

 

Über Judith

Judith Holofernes ist Sängerin, Gitarristin, Songwriterin und Autorin. In den vergangenen zehn Jahren wurde sie hauptsächlich als Frontfrau der Band »Wir sind Helden« bekannt. 2013 veröffentlichte sie ihr erstes Soloalbum »Ein leichtes Schwert«. Dass sie auch Tierlyrik verfasst, wissen Fans aus ihrem Blog. Jetzt sind die Gedichte und zahlreiche neue Texte in dem Buch „Du bellst vor dem falschen Baum“ im Verlag Klett-Cotta erschienen, mit Illustrationen von der Zeichnerin und Künstlerin Vanessa Karré (1. Aufl. 2015, 104 Seiten, 2 Ausklapptafeln, 17,95 Euro).