Verspätung oder Zugausfall? So klappt es mit Ihrer Erstattung

– Alles Wichtige rund um Ihre Fahrkarten-Erstattung.

Fast jeder kennt die Situation: Züge kommen aufgrund von Störungen verspätet an, schwere Unwetter verhindern die Weiterfahrt. Die Gründe für Verspätungen oder Zugausfälle sind vielfältig und fordern oft eine gewisse Flexibilität der Reisenden. In vielen Fällen haben Sie die Möglichkeit, eine Entschädigung oder eine vollständige Erstattung des Fahrpreises zu erhalten. In der Regel: wenn Sie innerhalb eines Jahres die notwendigen Unterlagen einreichen. Anhand der folgenden Beispiele erfahren Sie, wann Ihnen eine Entschädigung oder eine Erstattung zusteht und wo Sie diese anfordern.

Alle Angaben in diesem Artikel entsprechen dem Stand von März 2017.

1. Entschädigung bei Verspätung (nach Fahrtantritt)

Der Zug hat Verspätung. Dadurch kommen Sie um einiges später am Zielbahnhof an, was zur Folge hat, dass Sie wichtige Termine verpassen oder sich die Fahrt für Sie gar nicht mehr lohnt. Was können Sie jetzt tun?

Lösung: Generell erhalten Sie ab einer Verspätung von 60 Minuten am Zielbahnhof eine Entschädigung von 25 Prozent des gezahlten Fahrpreises, ab 120 Minuten Verspätung sind es 50 Prozent für die einfache Fahrt. Bei einer Fahrkarte für Hin- und Rückfahrt wird die Entschädigung individuell berechnet. Grundlage ist in der Regel die Hälfte des bezahlten Fahrpreises.

Erforderliche Unterlagen: Falls möglich sollten Sie sich die Verspätung bestätigen lassen. Dies ist beim Servicepersonal im Zug sowie bei den Mitarbeitern an der DB Information oder im DB Reisezentrum möglich und erfolgt meist auf dem sogenannten Fahrgastrechte-Formular. Dieses reichen Sie anschließend zusammen mit der Originalfahrkarte oder einer Kopie ein.

Die richtige Adresse: Das ausgefüllte und unterschriebene Formular sowie alle erforderlichen Belege können Sie entweder in einem DB Reisezentrum abgeben oder es per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main schicken. Bei der Einsendung per Post, geben Sie bitte eine Bankverbindung, eine Adresse sowie eine Telefonnummer für Rückfragen an.

Detaillierte Infos zum Thema Fahrgastrechte finden Sie auch auf bahn.de.

2. Entschädigung für Zeitkarten und regionale Angebote bei Verspätung

Sie machen mit Ihren Freunden einen Städtetrip und nutzen dafür das Schönes-Wochenende-Ticket oder Sie sind Pendler und haben dafür eine Wochenkarte. Bei einer Ihrer Fahrten kommt es allerdings zu Verspätungen. Von einem Mitreisenden schnappen Sie die Info auf, dass Sie auch in diesem Fall eine Entschädigung erhalten können. Stimmt das?

Lösung: Nutzen Sie für Ihre Fahrt eine Zeitkarte (Wochen-, Monatskarten etc.) für den Nah- und Fernverkehr oder eines der regionalen Angebote, werden diese pauschal je Verspätung ab 60 Minuten entschädigt:

  • Zeitkarten des Nahverkehrs und regionale Angebote (Länder-Tickets, Schönes-Wochenende-Ticket, Quer-durchs-Land-Ticket): 1,50 Euro (2. Klasse), 2,25 Euro (1. Klasse).
  • Zeitkarten des Fernverkehrs: 5 Euro (2. Klasse), 7,50 Euro (1. Klasse).
  • BahnCard 100: 10 Euro (2. Klasse), 15 Euro (1. Klasse).

Insgesamt werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Zeitkartenwertes entschädigt. Da Beträge unter 4 Euro nicht ausgezahlt werden, lohnt es sich, die Verspätungsfälle zu sammeln und gemeinsam einzureichen.

Erforderliche Unterlagen: Das Original oder eine Kopie Ihrer Fahrkarte oder der BahnCard 100, das ausgefüllte Fahrgastrechte-Formular sowie eine Bestätigung der Verspätung. Die Bestätigung erfolgt meist direkt auf dem Fahrgastrechte-Formular und ist beim Servicepersonal im Zug sowie bei den Mitarbeitern an der DB Information oder dem DB Reisezentrum erhältlich.

Die richtige Adresse: Das ausgefüllte und unterschriebene Formular sowie alle erforderlichen Belege können Sie entweder in einem DB Reisezentrum abgeben oder es per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main schicken. Bei der Einsendung per Post, geben Sie bitte eine Bankverbindung, eine Adresse sowie eine Telefonnummer für Rückfragen an.

Detaillierte Infos zum Thema Fahrgastrechte finden Sie auch auf bahn.de.

3. Erstattung von Jahreskarten bei Krankheit

Sie haben eine Jahreskarte (oder Bahncard 100) mit der Sie jeden Tag zur Arbeit fahren. Jedoch hat Sie die Grippe erwischt, sodass Sie drei Wochen krankgeschrieben sind. Da Sie Ihre Jahreskarte in diesem Zeitraum nicht nutzen können, möchten Sie wissen, ob Sie trotzdem den vollen Preis bezahlen müssen.

Lösung: Bei Jahreskarten und Schülermonatskarten im Abo sowie der BahnCard 100 ist eine Erstattung möglich, wenn Sie an mehr als 21 aufeinanderfolgenden Tagen krank und damit reiseunfähig sind. Pro Geltungsjahr werden bis zu 60 Krankheitstage, die mit einer Reiseunfähigkeit verbunden sind, berücksichtigt.

Hinweis: Die Erstattung ist nur bei Zeitkarten im Abo möglich. Wenn Sie beispielsweise einmalig ein Monatsticket kaufen, erhalten Sie keine Erstattung.

Erforderliche Unterlagen: Sie benötigen ein Attest, welches Ihre Krankheit und die damit verbundene Reiseunfähigkeit, bestätigt. Dieses muss spätestens 14 Tage, nachdem Sie ihre Fahrkarte wieder nutzen, beim zuständigen Abo-Center eingereicht werden.

Die richtige Adresse: Das DB Abo-Center erreichen Sie telefonisch unter der Nummer 0180 6 011 066 oder per Post: Postfach 10 10 64, 70009 Stuttgart.

4. Erstattung bei Nichtantritt oder Abbruch der Reise aufgrund von Verspätungen, Zugausfall oder Anschlussverlust

Ihr Zug fällt bereits früh morgens aus, sodass Sie trotz Puffer Ihren Termin verpassen würden und diesen besser gleich verschieben. Nun haben Sie keinen Grund mehr, die Reise anzutreten oder brechen diese unterwegs ab. Was können Sie jetzt tun?

Lösung: In diesem Fall ist eine gebührenfreie Erstattung möglich. Voraussetzung: Die Verspätung am Zielbahnhof beträgt voraussichtlich mehr als 60 Minuten, auch wenn Sie mit einer alternativen Verbindung fahren würden. Ist dies der Fall, haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Sie können von Ihrer Reise zurücktreten und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen.
  • Sind Sie bereits einen Teil der Strecke gefahren, können Sie vor Ort bleiben und sich den nicht genutzten Anteil erstatten lassen.
  • Ist die Weiterreise für Sie nicht mehr sinnvoll, können Sie zum Ausgangsbahnhof zurückkehren und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen.

Erforderliche Unterlagen: Sie benötigen eine Bestätigung über Ihre Verspätung. Diese ist beim Servicepersonal im Zug sowie bei den Mitarbeitern an der DB Information oder im DB Reisezentrum erhältlich. Die Bestätigung erfolgt meist direkt auf dem Fahrgastrechte-Formular, welches Sie anschließend vollständig ausfüllen und einreichen müssen. Zusätzlich benötigen Sie in jedem Fall die Originalfahrkarten.

Die richtige Adresse: Das ausgefüllte und unterschriebene Fahrgastrechte-Formular sowie alle erforderlichen Belege können Sie entweder in einem Reisezentrum abgeben oder es per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main schicken. Bei der Einsendung per Post, geben Sie bitte eine Bankverbindung, eine Adresse sowie eine Telefonnummer für Rückfragen an.

Detaillierte Infos zum Thema Fahrgastrechte finden Sie auch auf bahn.de.

5. Erstattung von Kosten für ein anderes Verkehrsmittel (z. B. Bus oder Taxi) oder Hotelübernachtungen

Eventuell fällt Ihr Zug nicht früh morgens, sondern spät abends bei Ihrer Heimreise aus, sodass es keine Verbindungen mehr gibt und Sie alternative Verkehrsmittel nutzen oder vor Ort übernachten müssen. Wer übernimmt hier die Kosten?

Lösung: Sind Sie gezwungen auf ein anderes Verkehrsmittel umzusteigen, werden Ihnen die Kosten bis max. 80 Euro ersetzt. Hierfür gelten folgende Voraussetzungen:

  • Eine planmäßige Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr und eine zu erwartende Verspätung von mindestens 60 Minuten am Zielbahnhof oder
  • der Ausfall eines Zuges, wenn es sich dabei um die letzte fahrplanmäßige Verbindung des Tages handelt und der Zielbahnhof ohne Nutzung eines anderen Verkehrsmittels nicht mehr bis 24 Uhr erreicht werden kann.

Ist eine Weiterreise, beispielsweise aufgrund der späten Uhrzeit, nicht mehr möglich, werden Ihnen die Kosten für eine Übernachtung ebenfalls erstattet.

In beiden Fällen gilt: Eine Erstattung der Kosten ist nur möglich, wenn Ihnen die Deutsche Bahn kein anderes Verkehrsmittel oder eine Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung stellen kann. Versuchen Sie deshalb immer vorab mit dem Servicepersonal im Zug oder den Mitarbeitern im DB Reisezentrum zu sprechen.

Erforderliche Unterlagen: Sie benötigen eine Bestätigung über Ihre Verspätung, die Sie vom Servicepersonal im Zug, den Mitarbeitern an der DB Information oder DB Reisezentrum sowie über den Kundendialog erhalten. Die Bestätigung erfolgt meist direkt auf einem Fahrgastrechte-Formular, welches Sie anschließend vollständig ausfüllen und einreichen müssen. Zusätzlich benötigen Sie in jedem Fall die Originalfahrkarten sowie Originalquittungen für die Nutzung eines alternativen Verkehrsmittels oder die Übernachtung in einem Hotel.

Die richtige Adresse: Das ausgefüllte und unterschriebene Formular sowie alle erforderlichen Belege können Sie entweder in einem Reisezentrum abgeben oder es per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main schicken. Bei der Einsendung per Post, geben Sie bitte eine Bankverbindung, eine Adresse sowie eine Telefonnummer für Rückfragen an.

Detaillierte Infos zum Thema Fahrgastrechte finden Sie auch auf bahn.de.

6. Erstattung der Sitzplatzreservierung aufgrund eines fehlenden Wagens

Sie haben eine Fahrt am Freitagnachmittag gebucht. Um nicht stehen zu müssen, haben Sie sich extra einen Sitzplatz reserviert. Der Zug fährt ein, doch was fehlt? Der Wagen mit Ihrem reservierten Platz.

Lösung: Hin und wieder kommt es vor, dass Wagen der 1. oder 2. Klasse nicht eingesetzt oder Sitzplatzreservierungen aufgrund von Verspätungen nicht genutzt werden können. In diesem Fall haben Sie Anspruch auf die Rückzahlung der Reservierungskosten. Dies gilt auch bei einer integrierten Sitzplatzreservierung: Hierbei erhalten Sie eine Rückzahlung von 4,50 Euro.

Erforderliche Unterlagen: Das ausgefüllte Fahrgastrechte-Formular sowie das Original Ihres Tickets und der Reservierung.

Die richtige Adresse: Wenden Sie sich hierfür einfach an die nächste Verkaufsstelle der Deutschen Bahn, z. B. dem DB Reisezentrum oder einer DB Agentur.