Diese Frau macht Bahnreisen zum Kinderspiel

– Ein Gespräch mit der Familien-Expertin der Bahn.

Ruhig sitzen, bloß nicht zu laut lachen – und das für mehrere Stunden Zugfahrt? Für Kinder eine Horrorvorstellung, für Cornelia Gaumann glücklicherweise auch. Die Kinder- und Familien-Expertin der Deutschen Bahn sorgt dafür, dass mit der Abfahrt ein unvergessliches Familienerlebnis beginnt.

Als sie vor vier Jahren das Produktmanagement bei der Bahn übernahm, beschränkte sich das Unterhaltungsprogramm für Kinder im Zug auf das Kindermagazin LeseLok. Heute gibt es Kleinkindabteile mit bunt beklebten Wänden, ausgewiesene Familienbereiche, den kleinen ICE und seine Freunde, Kritzelbücher, Kinder-Menüs und Kinderbetreuung an Bord. Das Verdienst von Cornelia Gaumann. Die ehemalige Spielzeugentwicklerin ist Produkt-Managerin bei der Bahn. Sie ist quasi die Familienbeauftragte im Unternehmen und kümmert sich damit auch um das Wohl der kleinen Passagiere.

Gerade für Kids ist die Reise auf Gleisen pure Faszination. Gaumann gerät ins Schwärmen, wenn sie über ihre Mission spricht: „Durch jedes Kinderzimmer fahren Spielzeug-Züge, in zig Märchen und Geschichten haben die Loks ihren festen Platz. Genau dieses emotionale Thema wollen wir aufgreifen – und die eigene Bahnreise in ein unvergessliches Erlebnis verwandeln“, sagt Gaumann. Doch was braucht es dafür? Was macht Kinder glücklich? Natürlich. Zeit mit der Familie!

Der Familienbereich: Spaß unter Gleichgesinnten

Wie sich die gemeinsame Quality Time im Zug am besten genießen lässt, hat die Familienspezialistin mithilfe von Test-Bahnfahrten und Fahrgast-Gesprächen herausgefunden. „Menschen mit gleichen Bedürfnissen fühlen sich neben Ihresgleichen am wohlsten. Setzt man Familien etwa gemeinsam in ein Abteil, statt gestreut unter andere Fahrgäste, entsteht eine ganz neue Atmosphäre,“ sagt Gaumann. „Da findet es niemand schlimm, wenn mal laut gelacht wird. Im Gegenteil. Andere Kinder lachen mit und kommen ins Gespräch.“ Geben Fahrgäste bei der Buchung an, dass sie mit Familie an Bord gehen, schlägt das System deshalb automatisch Sitzplätze im Familienbereich vor – gemeinsamer Abenteuerspaß inklusive.

Cornelia Gaumann spricht über Kinderbetreuer und den Kleinen ICE

Neueste Spieltrends: Augmented Reality bald auch im ICE?

Was das Aufspüren toller Trends für Kinder betrifft, hat die Produkt-Managerin einen klaren Vorteil. Sie versteht sich selbst als Teil ihrer Zielgruppe: „Die Kinderwelt fasziniert mich. Pixar-Animationsfilme kann ich auswendig“. Neben dem eigenen inneren Kind liefern ihr Studien und Spielwarenmessen neue Impulse für das Unterhaltungsangebot an Bord. Und danach gibt im Spielzeuguniversum aktuell das Internet der Dinge den Ton an. Etwa Hunde, die auf Kommando Sitz machen. Der kleine ICE, der als Spielfigur längst zum Liebling im Kinderzimmer gehört, kann bisher nur auf seiner Homepage sprechen. Dafür können sich Kids demnächst auf eine andere brandheiße Technologie freuen. Gaumann: „Wir möchten das Erlebnis an Bord für Kinder noch spannender machen. Dazu setzen wir auf Augmented Reality.“ Mehr kann sie noch nicht verraten, das Projekt steht noch in der Entwicklungsphase.

Der kleine ICE. Kind spielt mit Spielzeug.

Gesellschaftsspiele im Zug: Der Klassiker bringt Familien zusammen

Doch auch wenn die digitalen Tüftler der Bahn neueste Spiele-Technologie entwickeln, sind Karten, Würfel und Malbücher noch lange nicht Geschichte. Erst Recht nicht, wenn die Kinderbetreuer an Bord sind. Seit 2012 steigen sie am Wochenende dazu, um mit den kleinen Gästen zu spielen, zu basteln und sie einander näherzubringen. Dann haben Smartphone, Tablet und Co. ihre Auszeit. Gaumann: „Wenn Mama und Papa mal keine Zeit haben, unterhält die ‚Kleine ICE’-Spiele-App oder –Homepage den Einzelnen prima mit Spielen, Filmen oder Hörbüchern. Doch wo auch immer die Trends hingehen, klassische Spiele sind und bleiben wertvoll für Familien. Durch neu interpretierte Spielklassiker wie „Stadt-Land-Zug“ oder „Bahn-Bingo“ kommen Eltern und Kinder zusammen. Und darum geht es uns bei der Bahnreise.“ Es ist also nicht nur das richtige Spielzeug, das junge Passagiere glücklich macht. Der nächste Halt heißt „gemeinsames Abenteuer“.

Kinderbetreuer der Bahn spielt mit Kindern