Mit Dinos im ICE: Von Berlin nach Hannover im Familienbereich

– Spannende Familieneinblicke in der Bahn.

Uff, geschafft! Mit einem kleinen Seufzer lassen sich Sabrina (31) und Sebastian Lennarz (32) in die dunkelblauen Sessel fallen. Gerade haben sie ihre Kinder neben sich gesetzt, mit Spielzeug versorgt, die Rucksäcke verstaut, Jacken aufgehängt und Lunchboxen auf die Klapptische gestellt. Jetzt ist Zeit zum Entspannen: Arme auf die Lehnen, Beine ausstrecken, Kopf zurücklegen, das sanfte Schaukeln der Bahn genießen. Als sich der ICE in Bewegung setzt, sind die Kinder begeistert. Und nicht nur die eigenen. Im Familienbereich im ICE ist nämlich immer was los.

Es ist Sonntagmorgen, 9.49 Uhr, Berlin-Hauptbahnhof

Neben Sabrina kniet ihr Sohn Zane (4) am Fenster, Tochter Leah (20 Monate) sitzt neben ihrem Papa und schaut ebenfalls nach draußen. Plattenbauten, Villen, Schrebergärten, Autobahnen – auf dem Weg nach Spandau zieht die halbe Hauptstadt an den Reisenden vorbei.

Bahnreise Familie am Fenster im ICE

„Wir waren zu einer Hochzeit eingeladen und haben ein verlängertes Wochenende in Berlin verbracht“, erzählt Sabrina, während Zane sich einen Apfelschnitz greift und drauflos knabbert. „Jetzt fahren wir zurück nach Hause.“ Schon auf der Hinfahrt fuhren die Hannoveraner im Familienbereich. Papa Sebastian erklärt: „Es ist entspannter, so zu reisen. Man hat Zeit für die Kinder, niemand muss die ganze Zeit still sitzen – und mit dem Auto wären wir auch nicht schneller!“

„Rooaaarrr“, ruft eine Kinderstimme. Sie kommt von Derian (4), der mit seinen Eltern und Schwester Luisa (2) nebenan sitzt. Der Junge hat seine beiden Dinosaurier auf den Tisch vor sich gestellt. „Das ist ein Stegosaurus“, sagt er mit kleiner Atempause und zeigt mit dem Finger auf den einen. „Und das…“, der Finger wandert ein paar Zentimeter weiter zur nächsten Plastikfigur, „…das ist ein Triceratops.“ Triumphierender Blick. Die kleine Luisa, die von allen nur Mimi genannt wird, nascht ungerührt eine Dattel und kuschelt sich an Mama Monika (35). Papa Willington (40), gebürtiger Kolumbianer, lächelt zufrieden. „Seit Donnerstag waren wir in Berlin, haben dort Freunde besucht“, sagt er. „Wir reisen immer mit der Bahn, buchen unsere Tickets online. Das ist alles sehr stressfrei.“

Bahnreise Familie spielt am Tisch im ICE

In der Ablage über ihren Köpfen liegen Trekkingrucksäcke, daneben Mimis zusammengeklappter Kinderwagen. Sitznachbar Sebastian hat sich neben Leah und Zane gehockt. Beide wollten gucken, wo die Türen sind, und staunen, dass selbst die hier Fenster haben. Mit 192 Stundenkilometern ist der ICE jetzt auf dem Weg nach Wolfsburg unterwegs. Es beginnt zu regnen, dicke Tropfen prasseln herab, sind an den Fenstern aber nur als längliche Striche aus kleinen Tröpfchen zu sehen.

„Das tolle an Zugreisen im Familienbereich ist, dass man sein Gepäck besser verstauen kann“, findet Studentin Andrea Fetting (29), die mit Tochter Alina (8) und deren drei Barbies auf dem Heimweg nach Duisburg ist. „Wir haben Oma in Eberswalde besucht, waren im Filmpark Babelsberg und haben die Stuntshow gesehen“, erzählt das Mädchen fast atemlos und fügt strahlend hinzu: „Dann habe ich noch diese Tasche hier mit passenden Portemonnaie abgestaubt“, sagt sie und zieht eine quietschbunte Tasche unter ihrem Sitz hervor. Dort hat sie auch ihren geliebten Roller abgelegt.

11.31 Uhr Hannover Hauptbahnhof

Familie Lennarz steigt aus. Mama Sabrina zieht den Minions-Koffer, Papa Sebastian hat Leahs Plüsch-Schaf im Gepäck. Zurück bleiben Salzstangen-Krümel auf dem Boden und kleine Patschefinger an den Scheiben. Die Zeit verging wie im Flug.