Bahn-Geschichten: Von Bielefeld nach Köln im Familienbereich

– Erleben Sie Familienmomente in der Bahn.

„Tschühüüüüß, Opa Dietaaaaa“, rufen die Kinder im Chor, werfen Luftküsse und winken mit aller Kraft. Als die Tür sich leise schließt, legen alle drei die Köpfe schräg, um den Großvater bis zuletzt sehen zu können. Abfahrt.

12.22 Uhr, Bielefeld

„Wir waren eine Woche bei meinen Eltern“, sagt Carsten vor dem Brocke (45), während er seinen Rucksack in die Gepäckablage hievt. Er sitzt mit Anton (8), der schon das Uno-Kartenspiel aus seiner Tasche gekramt hat, sowie den Zwillingen Ella und Frida (5) am Vierertisch im Familienbereich. „Oma hatte gestern, also am Samstag, Geburtstag und Opa am Mittwoch“, erklärt Anton den Grund der Reise. „Wir haben schön gefeiert und waren auch im Tierpark.“ Papa Carsten fährt immer Bahn – aus Umweltschutzgründen, aber auch, „weil es entspannter ist“. Was Sohn Anton nur bestätigen kann: „Genau. Endlich mal wieder ausruhen!“ Mit 164 Stundenkilometern rauscht der ICE durchs Land. Es ziehen Windräder, grüne Wiesen, kleine Dörfer, riesige Getreidefelder vorbei.

Bahnreise Familie zusammen im ICE

13:23 Uhr, Hagen

Ein Baby, das auf dem Sitz neben seiner Mama liegt, brabbelt munter vor sich hin, weint aber plötzlich herzerweichend. Schnell nimmt die junge Frau ihr Kleines auf den Arm und stillt es. Gegenüber sitzt Hannah (10) mit Mama Christina Mühlig (36). Beide werten den gestrigen Abend aus, so dass sie das Babygeschrei gar nicht mitbekommen.

„Wir waren am Donnerstag in Hamm, wo ich bei meinem ersten Poetry Slam mitgemacht habe und ins Finale gekommen bin“, schwärmt das Mädchen. Jetzt geht’s zurück nach Hause, nach Bergisch-Gladbach. „Dass Kinder unter 14 Jahren umsonst reisen, ist ein unschlagbarer Vorteil“, sagt Mutter Christina, die nicht zuletzt deshalb gern regelmäßig mit ihrer Tochter übers Wochenende verreist. Und: „Ich habe es geschafft, alle 24 Deutsch-Klausuren während der Fahrten zu korrigieren“, sagt die Lehrerin.

13.38 Uhr, kurz vor Wuppertal

Iman (10), grauer Hoodie, Jeans mit Stickerei, schwarze Pailetten-Turnschuhe, Henna-Tattoo auf der Hand, hat ihr Handy auf Selfie-Modus gestellt: Sie sieht sich selbst in der Kamera, richtet ihre Haare. Gleich steigt sie mit ihrer Familie aus. „Wir haben Verwandte in Bielefeld besucht“, sagt sie. Mama Mariam (39), Schwester Joumana (12) und Cousine Youmna (14) sitzen ihr gegenüber. Die beiden Mädchen haben Kopfhörer in den Ohren, ihre Smartphones liegen auf dem Tisch vor ihnen. Sie sehen sich Tutorials auf Youtube an. Vorher haben sie einen coolen Film bei maxdome onboard im ICE-Portal geschaut.

Bahnreise Familie Unterhaltung im ICE

Stop am Bahnhof in Wuppertal

Sachen packen, aussteigen, einsteigen, Plätze suchen, hinsetzen. Irgendwie schon erstaunlich, was in zwei Minuten alles passieren kann, wie viele Menschen sich aneinander vorbei schlängeln.

Einsteigen wollen auch Nora (5) und ihre Mutter. „Wir waren bei der Kommunion meiner neunjährigen Nichte“, erzählt Sophie Schulte (46), deren Tochter schnell ergänzt: „Und ich hatte ein ganz schickes Kleid an. Das war hellblau mit weißen Rosen und meine Schuhe waren golden.“ Eigentlich haben Mutter und Tochter Fensterplätze reserviert, Nummer 95 und 96, aber Nora möchte neben Mama sitzen, weshalb eine ältere Dame Platz macht und Sophie auf die 93 rücken lässt. „Viele Mitreisende haben Verständnis für Kinder, das entlastet einen schon sehr“, sagt die Mutter. Die Ärztin findet es auch gut, dass Nora mit anderen Kindern spielen kann. „Im Auto hätte sie ja sonst niemanden.“

Um 14.31 Uhr Kölner Hauptbahnhof

Die Passagiere steigen aus und es wird ruhig im Familienbereich. Die Zeit verging wie im Flug.

Bahnreise Familie steht am Gleis