Mit kleinen Zwillingen auf Tour – von Stress keine Spur

– Auto oder Zug bei der ersten Familienreise? Unser Autor fuhr Bahn.

Sie sind – natürlich – herzzerreißend süß, robuste 5 und 6 Kilo schwer, 4 Monate alt – und damit bereit für den ersten Ausflug: meine Zwillinge.. Da passt es gut, dass zwei Tage nach dem „Viermonatigen“ Oma Geburtstag hat. Also endlich mal raus aus Prenzlauer Berg, ab in die norddeutsche Provinz. Ab nach Delmenhorst. Schließlich will der Rest der Familie die Kleinen auch mal durchknuddeln – und Mama und Papa beim Füttern und Wickeln ablösen.

Vor der Reise steht die Frage aller Fragen: Auto oder Bahn? Stress allein, zu viert im Auto oder mit anderen im Zug? Lieber Stau auf der Autobahn oder Chaos beim Umsteigen? Meine Frau und ich fahren gerne Bahn, von daher war die Entscheidung recht schnell gefallen, auch wenn uns die Vorstellung, Gepäckmassen, Kinderwagen und nicht zuletzt die Kleinen selbst von Zug zu Zug, von Bahnsteig zu Bahnsteig zu schleppen, nicht gerade wohlig erschien. Schließlich kam die Direktverbindung für uns nicht in Frage (zu früh), sprich: Umsteigen in Hannover.

Wie soll der Doppelkinderwagen in den ICE passen? Wie schaffen wir es alle rechtzeitig auf die Plätze? Geht in dem üblichen Bahnsteig-Gewühl nichts verloren? Vor unserem geistigen Auge ein Bild von Chaos und Überforderung. Folge: Wir bestellen lieber kompetente Hilfe: den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn. Ohne Aufschlag hilft er Menschen, die Unterstützung beim Reisen benötigen: Ob Senioren, Menschen mit Handicaps – oder Eltern mit Zwillingen.

Wirklich? Berlin Hauptbahnhof. DB Information Nordeingang. Ob wir hier auf unseren Helfer warten wollen – oder lieber direkt am Gleis? Wir ziehen das Gleis vor. Kein Problem, meint die nette Dame vom Infopoint, der Kollege vom Mobilitätsservice treffe uns vor Ort.

Minuten später an Gleis 4. In einer Minute soll der ICE kommen. Bisher haben wir unseren Helfer noch nicht entdecken können. Und da fährt schon der Zug ein. Wir schieben den Kinderwagen etwas nervös Richtung Wagen 38, suchen zunehmend angespannt nach einem Mann in Uniform. Und prompt springt er herbei: Der entschlossene Helfer, der weiß, was er tut. Ein, zwei Handgriffe und alles ist drin im Wagen – und sogar am richtigen Platz. „Tschüss, gute Fahrt!“ So geht Service!

Reserviert hatten wir ein Kleinkindabteil, das wir mit einer anderen Familie teilten. Die Zwillinge waren hin und weg, schliefen, träumten, lächelten. Draußen fliegen Brandenburg und Sachsen-Anhalt vorbei, drinnen wird gefüttert und gewickelt.

Nach knapp anderthalb Stunden: Hannover. Am Gleis wartet schon das Bahn-Duo, das uns beim Umsteigen in den IC nach Delmenhorst hilft. Wir hatten im Wagen 4 reserviert, aber die Dame vom Mobilitätsservice weiß: „Da müssen Sie Stufen nehmen, besser nicht!“ Sie führt uns stattdessen zu Wagen 1. Keine Treppe, aber dafür jede Menge Platz. Eindeutig: Die beste Wahl, hier bleiben wir. Reservierung hin oder her.

Finden die Zwillinge offenbar auch. Kurzes Quieken, danach Tiefschlaf. Wir vergewissern uns lieber mal, ob sie noch atmen. Vater und Mutter trinken Kaffee und lesen bis zur Endstation der ersten Familienreise. Statt platt und erledigt von vier Stunden Autofahrt, entspannt und munter am Ziel nach dreieinhalb Stunden mit der Bahn. Fazit: Es hätte nicht besser laufen können. Wir können unsere nächste (Familien-)Reise mit den Kindern kaum erwarten.

Dirk Benninghoff ist enthusiastischer Vater von Lenny und Vince (5 Monate). Als deren erste Reise zu den Schwiegereltern anstand, hat der überzeugte Bahnfahrer nur kurz überlegt.