Frühstück bei den Nachbarn: Von Appelstroop bis Zopf

– Tipps für ein landestypisches Frühstück in unseren neun Nachbarländern.

Jede Reise kann ein kleines, aufregendes Abenteuer sein. Auch wenn das Reiseziel bloß ein paar Stunden entfernt liegt. Doch was haben wir vom kleinen Hobbit gelernt? Kein Abenteurer sollte je ohne ein gutes Frühstück aufbrechen.

Hier die besten Tipps für ein leckeres, landestypisches Frühstück in den neun Nachbarländern Deutschlands.

Morgenmad in Dänemark

Die Dänen frühstücken gerne Haferflocken oder Frühstückscerealien. Auch rugbrød (Roggenbrot) oder Weißbrot mit Butter, Käse, Marmelade und pålægchokolade (hauchdünne Schokotäfelchen) sind in unserem nördlichsten Nachbarland morgens sehr beliebt. Wer auf seiner Rückreise nach Deutschland ein kleines Frühstück im Zug zu sich nehmen möchte, besorgt sich vor der Abfahrt am besten eine Auswahl wienerbrød (Dänischer Plunder) beim Bäcker.

Ontbijt in den Niederlanden

Die bei uns wohl bekannteste Besonderheit des niederländischen Frühstücks ist hagelslag, also Streusel oder Flocken aus Schokolade, die auf eine gebutterte Brotscheibe gestreut werden. Zum „Ontbijt“ essen Niederländer außerdem gern pindakaas (Erdnussbutter), appelstroop (Apfelkraut), pannenkoek (Pfannkuchen) und natürlich holländischen Käse. Getrunken wird Kaffee oder Tee mit Zucker und Milch.

Ontbijt in Belgien

Um es vorweg zu nehmen: Belgier essen niemals gaufres de bruxelles (Brüsseler Waffeln) zum Frühstück. Das sollte aber wirklich niemanden davon abhalten, es trotzdem zu tun (lecker!). Das typische belgische Frühstück ist dem deutschen sehr ähnlich: Kaffee, Orangensaft, Brot oder Brötchen mit Käse, Marmelade, oder auch mal ein Croissant. Üppiger frühstücken die Belgier am Wochenende, dann wird Blutwurst gebraten, Rührei mit Speck aufgetischt und duftendes krentenbrood (Rosinenbrot) aufgeschnitten, das mit Butter bestrichen einfach himmlisch schmeckt. Und je nachdem wie fröhlich der Abend vorher so war, ist manchmal ein Frühstück an einer baraque à frites (Frittenbude) die beste Idee.

Petit déjeuner in Frankreich

Ich erinnere mich noch gut an das Frühstück meiner ersten Frankreichreise: Am Anreisetag gab es ofenfrisches Baguette zu einer Schüssel chocolat chaud (heiße Schokolade), am zweiten Tag das altbackene Baguette vom Vortag, am dritten Tag das aufgetoastete, trockene Baguette, das überhaupt nur essbar war, wenn man es in den Kakao stippte. Am vierten Tag war das Baguette aus, da gab es einen Keks. Kurz: der Franzose legt nicht so viel Wert auf ein gutes Frühstück, ihm sind andere Mahlzeiten wichtiger. Also bestellt man landestypisch „Un café et un croissant, s’il vous plaît!“ und freut sich danach umso mehr auf das Mittagessen.

Übrigens: Wer mit Intercité Zug ab Paris weiterfährt, kann sich vor der Fahrt online eine Essensbox bestellen – natürlich auch zum Frühstück – die dann direkt an den Sitzplatz gebracht wird. Bon appetit und auf ins nächste Abenteuer.

Kaffi in Luxemburg

So klein unser Nachbarland Luxemburg auch ist, eine Kurzreise dorthin lohnt sich auf jeden Fall. Das Frühstück hier ist französisch geprägt. Man nimmt also typischerweise nur ein croissant und einen Kaffee zu sich. Auch madeleines oder ein pain au chocolat eignen sich hervorragend als Begleiter zum café au lait. Wer keinen Kaffee mag, kann auch ungeniert un chocolat chaud (heiße Schokolade) bestellen. Ein Tipp für Luxemburg-Stadt: Im Zentrum der Oberstadt ist Mittwoch- und Samstagvormittag Markt. Er findet auf dem Wilhelmplatz statt, der von Luxemburgern auch „Knuedler“ genannt wird. Hier werden Obst, Brot, Käse, Marmeladen und vieles mehr angeboten – die perfekte Grundlage für ein gutes Frühstück oder den Reiseproviant für die Rückreise.

Zmorge in der Schweiz

In der Schweiz können Reisende sehr gut und ausgiebig frühstücken. Zum Skifahren und Bergsteigen brauchen echte Abenteurer schließlich Energie. Wirklich lecker schmeckt ein frisch gebackener Zopf (geflochtenes Hefegebäck) mit Butter, Schweizer Käse, Konfitüre oder Honig. Dazu Milchkaffee oder lieber heiße Ovomaltine? Auch ein gut durchgezogenes Birchermüesli mit frischem Obst gehört zum „Morgen“ dazu. Wer übrigens ein „Müsli“ bestellt, muss damit rechnen, dass das Servicepersonal im Hinterhof die nächste frühstückstaugliche Maus (Mäuschen = Müsli) einfängt. Nur ein gut gemeinter Tipp.

Wer auf der Rückreise im Zug frühstücken möchte, besorgt sich beim Bäcker ein paar köstliche Gipfeli (Croissants). Den passenden Kaffee dazu gibt es im weltweit ersten Starbucks Coffee House auf Schienen. S’fegt, oder?

Frühstück in Österreich

Österreicher nehmen ein Frühstück zu sich, das dem deutschen sehr ähnlich ist: Kaisersemmerl oder Korngebäck, Butter, Marmelade und dazu reichlich Kaffee. Gerne gegessen wird auch Wurst, Käse und Eierspeis (Rührei) oder ein weiches Ei. Reisende nach Wien können in der BahnhofCity Wien Hauptbahnhof in einer der zahlreichen Bäckereien und Konditoreien frühstücken. Empfehlenswert ist zum Beispiel die Bäckerei Ströck, die einen sehr guten Kaffee ausschenkt und Köstlichkeiten wie Topfenknödel, Briochekipferl oder Krapfen serviert.

Snídaně in Tschechien

Wer auf seiner Tschechien-Reise das Frühstück verschläft, hat nicht viel verpasst. Ein typisches „snídaně“ fällt hier nämlich etwas karg aus: Es gibt Brot und rohlík (Brötchen), die leider viel zu oft nach Kümmel schmecken. Dazu wird Butter, Käse, Salami und Marmelade oder povidla (Zwetschgenmus) serviert. Die Suche nach einem handlichen Frühstück für den Rückreise-Proviant endet in der nächsten Bäckerei, in der es Kaffee und koláce (Kolatschen sind runde, gefüllte Hefeteilchen) gibt. Mit verschiedenen Füllungen wie Quark, Mohn oder Zwetschgenmus sind Kolatschen vermutlich das Beste, was das tschechische Frühstück zu bieten hat.

Śniadanie in Polen

Ein klassisches Frühstück in Polen ist deftig: Rührei, Würstchen, eine große Auswahl Brot oder Brötchen, Käse, Wurst oder Schinken, biały ser (Quark), dazu Tomaten und Gurken. Eine süße Alternative ist ein Stück drożdżówka (Hefekuchen). Traditionell – aber jetzt nicht unbedingt empfehlenswert – ist eine Milchsuppe, die polnische Kinder groß und stark machen soll. Die Polen trinken zum Frühstück gern schwarzen Tee mit Zitrone und Zucker. Kaffee wird in Polen natürlich auch getrunken, mal mit und mal ohne Filter zubereitet. Das Kaffeepulver wird dafür etwas grober gemahlen, in die Tasse gelöffelt und mit heißem Wasser aufgegossen. Also dann, smacznego, also guten Appetit. Und auf ins nächste Reise-Abenteuer!