Schweißen, Stopfen, Brennen: Gleisarbeiten bei der Deutschen Bahn

Warum können Schienen brechen? Wie werden sie repariert? – All das erfahren Sie in diesem Artikel.

Extreme Temperaturen, Unwetter oder Abnutzung – Die unterschiedlichsten Einflüsse wirken sich täglich auf unsere Gleise aus. Deshalb sind regelmäßige Inspektionen und schnelle Reparaturen notwendig, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. In diesem Artikel erhalten Sie spannende Hintergrundinformationen.

Hauptursachen für Schäden an Schienen

Die häufigste Ursache für einen Schienenbruch ist die Abnutzung durch Züge selbst. Dabei gilt: Je mehr Züge auf einer Strecke fahren, desto höher ist die Abnutzung der Schienen. Natürlich spielt hierbei auch die Schnelligkeit der Züge eine Rolle. Bei einer Schnellfahrstrecke ist die Belastung der Schienen also höher, als z.B. bei einem S-Bahn-Gleis.

Was ist eine Schnellfahrstrecke?

Schnellfahrstrecken sind Strecken, auf denen hauptsächlich ICE Züge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h fahren. Um dieser Belastung stand zu halten, wird häufig eine sogenannte feste Fahrbahn verbaut. Man nutzt die Feste Fahrbahn, weil sie wie schon beschrieben, den dynamischen Belastungen aus dem Eisenbahnverkehr besser standhält und auf lange Sicht gesehen, verschleißärmer ist und weniger Instandhaltungsarbeiten erfordert (was man sonst bei normalen Schotteroberbau hätte). Ausgenommen sind natürlich die Schienen. Diese müssen auch hier regelmäßig gewechselt werden.

Schnee, Kälte, Hitze und Sonneneinstrahlung: Weitere Ursachen für Schäden an Schienen sind Temperatur- und Witterungsextreme. Im Sommer dehnen sich die Schienen durch die heißen Temperaturen aus, wodurch sie sich verbiegen können. Im kalten Winter ziehen sie sich hingegen zusammen, was wiederum zu einem Bruch führen kann.

Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf die Gleise. Diese können im Sommer Schäden an den Gleisen anrichten.

Neben extremen Temperaturen wirkt sich auch alltägliche Witterungen auf die Schienen aus: So kann es beispielsweise durch Regenfälle passieren, dass der Schotter quasi durchgespült wird und sich absenkt. Der Schotter ist wichtig, da er dafür zuständig ist, die Schwellen und die darauf befestigten Schienen zu fixieren. Sinkt er ab, könnten somit auch die Schienen absinken.

Der Job hinter den Arbeiten

Als Gleisbauer*in erwartet dich ein abwechslungsreicher Beruf, so wirst du Gleise und ganze Schienennetze errichten oder reparieren und auf Schäden prüfen. Jetzt informieren und bewerben!

Schäden frühzeitig erkennen und dokumentieren

Um Schäden an Schienen früh zu erkennen und zu verhindern, führen so genannte Anlagenverantwortliche regelmäßige Inspektionen durch. Unter den Begriff Anlage fallen alle Gleise und Weichen in einem bestimmten Bereich, welche bei den Inspektionen sehr genau betrachtet werden. Sehr beeindruckend dabei: Jedes Stück Gleis und jede Weiche sind im System hinterlegt und hier werden auch die Unregelmäßigkeiten an den Schienen aufgenommen und kategorisiert.

Anhand der Kategorie entscheiden die Verantwortlichen im Nachgang, welche Maßnahmen wann umgesetzt werden müssen. Dabei prüfen sie auch, ob mehrere Maßnahmen gebündelt werden können. Nach Möglichkeit finden die Bauarbeiten an Feiertagen, Wochenenden oder nachts statt.

In welchen Abständen die Inspektionen erfolgen, hängt davon ab, wie stark die Abnutzung der Gleise ist. Da wie erwähnt Schnellfahrstrecken einer höheren Belastung ausgesetzt sind, werden diese in kürzeren Abständen begutachtet. Zusätzlich können Unregelmäßigkeiten oder Schäden auch bei Begehungen für Bauprojekte erkannt werden.

Die einzelnen Schritte werden nicht nur bei Schienen durchgeführt, sondern bei allen Gewerken der Deutschen Bahn. Also z.B. auch bei der Oberleitung oder der Leit- und Sicherungstechnik. Für jedes Gewerk gibt es eigene Anlagenverantwortliche.

Mensch und Maschine: Die Arbeit an den Schienen

Eine Arbeit, die regelmäßig anfällt, ist das Stopfen – also das Korrigieren und Wiederauffüllen des Schotterbetts. Dies ist notwendig, wenn z.B. Schotter-Fläche von starken Regenfällen unterspült, Steine verrutschen und die Fläche dadurch absinkt. Der Schotter muss dann wieder an Ort und Stelle gebracht – oder eben „gestopft“ und aufgefüllt werden.

Erledigt werden solche Arbeiten von einer Gleisstopfmaschine. Dabei fährt ein Wagen voraus und misst verschiedene Parameter, z.B. die Krümmung, Windung und Hebung der Gleise. Die Werte müssen in einem festgelegten Bereich liegen, damit die Schienen und Weichen befahren werden dürfen.

Im Anschluss kommt die Stopfmaschine und erledigt mehrere Aufgaben gleichzeitig: Sie hebt die Gleise leicht an, stopft den Schotter und entfernt das übrig gebliebene Gestein. Dieses kann von manchen Maschinen an anderer Stelle wiederverwendet werden. Neben der Gleisstopfmaschine gibt es eine Bettungs- und Reinigungsmaschine. Diese ist in der Lage den Schotter zu Reinigen. Abhängig von Wettereinflüssen werden z.B. verschlammte Stellen und kleine Stücke aussortiert. Der Rest kommt zurück ins Schotterbett. Bei einem Meter Gleis kann meist bis zu 60% des Schotters wiederverwendet werden.

Nun zum Schienenbruch: Ein Schienenbruch, z.B. entstanden während der kalten Wintermonate, wird durch Schweißen behoben. Dafür gibt es zwei Methoden:

  • Aluminiumthermisches Schweißen: Bei diesem Verfahren sind meist drei Gleisarbeiter*innen beteiligt, die die Schienen von Hand wieder zusammen schweißen. Zuerst bringen die Arbeiter*innen eine Gussform an und wärmen die Schienenenden mit Bunsenbrennern vor. Danach stellen sie auf die Gussform eine Art Eimer, der das Thermit – ein Gemisch aus Eisenoxid und Aluminium-Granulat – beinhaltet. Das Gemisch wird anschließend entzündet und erreicht dabei eine Temperatur von über 2 300 Grad. Dadurch entsteht eine Flüssigkeit, die vom Eimer in die Gussform läuft. Zum Schluss entfernen die Gleisarbeiter*innen das überschüssige Material und beginnen mit dem Feinschliff.
  • Das Abbrennstumpfschweißen: Diese Methode wird meist bei Schnellfahrstrecken eingesetzt. Eine Maschine führt die Schweißarbeiten vollautomatisch durch. Dabei erhitzt Sie die beiden Schienenenden bis zur Schmelztemperatur von 2 300 Grad mittels elektrischen Stroms. Sind die Enden der Schienen heiß genug und mögliche Unreinheiten beseitigt, presst die Maschine die beiden Enden mit hohem Druck gegeneinander. Die Schienen verschmelzen miteinander und es entsteht ein gleichmäßiger Übergang. Das überschüssige Material wird sofort entfernt.

So werden nicht nur Schienenbrüche behoben, sondern auch neue Schienen verschweißt, z. B. bei einer Gleis- oder Weichenerneuerung.

Zwei Gleisarbeiter*innen beim Aluminiumthermischen Schweißen.

Schon gewusst?

Der ausgebaute Schotter wird vollständig recycelt. Dafür wird er aufbereitet und im Anschluss entweder als Recycling Schotter wieder eingebaut oder alternativ als Rollsplitt im Straßenbau verwendet. Mehr Infos dazu finden Sie auf deutschebahn.com.