Die Glykol-Sprühanlage gegen Väterchen Frost

– So verhindert die Deutsche Bahn Eis an Zügen.

Regelmäßig bringt der Winter Schnee und Eis mit sich, von denen Züge aufwändig befreit werden müssen. Es stellt sich die Frage: Was tun, damit gar nicht erst Eis entsteht? Die Deutsche Bahn fand die Antwort und investierte 800.000 Euro in die bundesweit einzigartige Glykol-Sprühanlage. In Frankfurt am Main wurde sie 2014 in Betrieb genommen.

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Wie funktioniert Glykol als Frostschutz?

„Die Wirkungsweise von Glykol, auch Monopropylenglykol genannt, ist sehr einfach“, so Matthias Hautkappe, Projektleiter Infrastruktur beim Fernverkehr. „Das bereits eisfreie Fahrzeug wird in den Bereichen, wo sich möglichst kein Eis aufbauen soll, mit einem dünnen Film Glykol besprüht. Die Flüssigkeit geht erst bei besonders niedrigen Temperaturen in den festen Zustand über.“

Durch die Behandlung mit Glykol finden Schneeflocken an den Drehgestellen keinen Halt mehr und der Eisaufbau ist verhindert. „Wir sprechen dabei von einer Verbrauchsschicht, denn mit jeder Schneeflocke, jedem Sonnenstrahl und Fahrtwind geht auch etwas Glykol verloren, beziehungsweise trocknet aus“, erklärt Hautkappe.
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Die Anlage in Frankfurt besteht aus einem 3.000 Liter fassenden Glykoltank neben dem Gleis. Dieser ist verbunden mit im Gleis verbauten Sprühdüsen, welche die Drehgestelle von Zügen mit einem auf 40 Grad Celsius erwärmten Glykol-Wassergemisch besprühen. Dabei verteilt sich das Glykol auf dem Laufwerk sowie den Achsen, Federn und Halterungen.

Das während der Behandlung abtropfende Glykol wird durch eine 27 Meter lange und 3,8 Meter breite Gleiswanne aus Edelstahl aufgefangen, gefiltert und bei der nächsten Behandlung wiederverwendet.

Die Glykol-Sprühanlage in der Praxis

„Seit dem Bau der Pilot-Anlage in Frankfurt hatten wir glücklicherweise noch keinen schlimmen Winter“, so der Projektleiter, „es gibt aber Berichte aus unseren Nachbarländern, die bereits gute Erfahrungen gemacht haben.“ Wie lange die Wirkung des Glykols anhält, kommt auf Geschwindigkeit und Wetterverhältnisse an. Die Deutsche Bahn sammelt weiterhin Erkenntnisse und schaut, inwiefern weitere Glykol-Sprühanlagen in Deutschland empfehlenswert sind. unnamed-7

Auf das Gesamtkonzept kommt es an

Das Besprühen mit Glykol ist dabei nur eine von vielen Komponenten, um Züge im Winter fahrtüchtig zu halten. Ab der ersten Kältephase werden große Fahrtgeschwindigkeiten vermieden. Schon vereiste Fahrzeuge besprüht man mit warmem Wasser, damit sie auftauen. Dieser Prozess nimmt viel Zeit in Anspruch. Durch das Besprühen kritischer Bereiche mit Glykol kann einer Vereisung vorgebeugt und Zeit gespart werden. Jede dieser Maßnahmen ist ein Beitrag dazu, dass Väterchen Frost die Fahrpläne der Deutschen Bahn möglichst nicht durcheinander bringt.

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