Mit der Bahn durch Europa

– Das ist nötig, damit Züge auch über Landesgrenzen hinweg fahren können.

Von Frankfurt nach Mailand, von Frankfurt nach Brüssel oder von Berlin nach Warschau – international stehen Bahnreisenden viele Möglichkeiten offen. Grenzüberschreitender Verkehr ist aber auch für die Bahn in Sachen Technik und Organisation immer etwas Besonderes und stellt sie vor teils große Herausforderungen.

Gewachsenes Europa – auch im Schienennetz

Bahnreisende in grenzüberschreitenden Zügen sollen durchgängig und sicher unterwegs sein: Dazu müssen die Bahnsysteme verschiedener Länder in der Lage sein zusammenzuarbeiten – ihre Interoperabilität soll möglichst groß sein. Historisch bedingt gibt es in Europa aber viele verschiedene, nationale Bahnsysteme, die über Jahrzehnte gewachsen sind.

Kompatibilität ist dementsprechend nicht automatisch gegeben, denn die technischen Standards variieren. Das bedeutet in der Realität, dass ein ICE vielleicht nicht immer „einfach so“ über eine Landesgrenze fahren kann: Variieren können z.B. Stromsystem, Spurbreite oder Lichtraumprofil (d.h. der „lichte Raum“, der rechts und links der Gleise mindestens frei gehalten werden muss), ganz zu schweigen vom Signalsystem oder unterschiedlichen rechtlichen Bestimmungen.

Anforderungen für grenzüberschreitende Fahrten

Technische Herausforderungen

In der Praxis wird seit Jahrzehnten daran gearbeitet, den Schienenverkehr innereuropäisch zu harmonisieren und möglichst durchgängig zu machen.

Die Spurbreite beträgt zwar in den meisten Ländern 1435 mm, insgesamt gibt es aber europaweit vier verschiedene Breiten, z.B. 1520 mm in Estland, Lettland und Litauen und 1668 mm in Spanien.

Spannend wird es auch bei der Stromversorgung. Ein ICE kann etwa nicht einfach von Deutschland in die Niederlande fahren, weil die Spannungssysteme nicht einheitlich sind. Das bedeutet in der Praxis, dass ein ICE an der Grenze eine Systemumschaltung vornehmen muss, um auf dem niederländischen Netz zu fahren. Alternativ kann an der Grenze die Lok getauscht werden. Eine andere Möglichkeit ist die Verbindung zu unterbrechen – dann müssen die Fahrgäste an Grenzbahnhöfen umsteigen.

Um Warte- und Umsteigezeiten für die Fahrgäste möglichst gering zu halten, wird permanent an der Infrastruktur gebaut. So fahren beispielsweise französische Züge in den Niederlanden teilweise mit französischem Strom.

Im Hintergrund: Sicherheit und Rechtliches

Damit ein Zug überhaupt eine Grenze überschreiten darf, müssen rechtliche Standards erfüllt werden: Jedes Land verlangt, dass Züge auf der Durchreise national zugelassen sind – ein sehr aufwändiger Vorgang.

Auch vom Personal im Zug verlangt internationaler Verkehr mehr: In jedem Land gibt es andere Betriebsordnungen und unterschiedliche Zugleit- und Signalsysteme. Insgesamt sind es mehr als 20 verschiedene Systeme. Lokführer, die international agieren, brauchen Zusatzausbildungen, um Züge grenzüberschreitend fahren zu dürfen.

Mit der Bahn ins Ausland

Technisch und organisatorisch ist der grenzüberschreitende Zugverkehr also kein leichtes Unterfangen. Die Deutsche Bahn bietet dennoch in viele europäische Länder Verbindungen an, z.B. in 3 Stunden und 40 Minuten von Frankfurt nach Paris. Schnelle Fernverkehrszüge bringen Reisende angenehm ans Ziel.

Grenzüberschreitender Verkehr in der Zukunft

Um den Zugverkehr fit für die Zukunft und grenzüberschreitenden Verkehr einfacher und harmonischer zu machen, fördert die Europäische Union unter dem European Rail Traffic Management System (ERTMS) einheitliche Standards und Normen. Die Interoperabilität der Systeme soll noch größer werden – darin liegt der Schlüssel für reibungslosen Bahnverkehr über alle Grenzen hinweg.