Exklusiver Einblick: Das erste grüne ICE-Werk

– Autonome Transportsysteme, Geo- und Solarthermie: So sieht ein umweltfreundliches und modernes ICE-Werk aus.

In zweieinhalbjähriger Bauzeit entstand auf dem Gelände des ehemaligen Güter- und Rangierbahnhofes im Kölner Norden das modernste Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn. Immer im Fokus: die Umwelt und die Mitarbeiter. Aber was macht das grüne ICE-Werk eigentlich so „grün“? Wir haben das Werk besucht:

Der Aufbau des ICE-Werks

Vier Gleise – jedes 410 Meter lang, Anzeigetafeln wie am Bahnhof, ein 23 Hektar großes Werksgelände, Wege, die auf und unter den Zug führen und Mitarbeiter, ausgerüstet mit Weste, Helm und Fahrrad: Beim Betreten der Halle wussten wir gar nicht, was wir uns zuerst anschauen sollten: Das Werk ist eines von zehn Fernverkehrs-Werken in Deutschland. Hinzu kommt das Werk in Basel. Auf dem Gelände in Köln-Nippes gibt es neben der Werkshalle für die Instandhaltung der Züge, eine 200 Meter lange Waschanlage, eine Enteisungsanlage sowie zwei Gleise für die Innenreinigung. Dazu gehören die Frischwasserversorgung und die Entwässerung der Toiletten.

Insgesamt können im ICE-Werk bis zu acht Triebzüge des ICE 1, 2 und 3 oder vier ICE 4 gleichzeitig instand gehalten, gewartet und repariert werden. Der ICE 4 wird hier durch die DB abgenommen und für den Betrieb hochgerüstet. Dabei werden u.a. WLAN-Router installiert und Piktogramme wie das Handy-Symbol angebracht.

Vor der Einfahrt in die Halle erfasst der ULM (Ultraschalllichtschnittmessbalken) automatisch wichtige Informationen und Messdaten aller Radsätze. Die Daten werden von Mitarbeitern kontrolliert. So können Defekte schneller erkannt und behoben werden.

Neben der Radsatzprüfung durchläuft ein ICE noch weitere Stationen von der Innenreinigung über die Frischwasser-Versorgung und Abwasser-Entsorgung bis zur Außenwäsche. Wenn erforderlich folgt noch die Instandhaltung, die neue Zusammenstellung des Zuges und das Catering für das Bordrestaurant.

Sind die Arbeiten abgeschlossen, bringt ein Bereitsteller den Zug zurück zum Bahnhof.

Was macht das ICE-Werk so „grün“?

Klimaschonend arbeiten, und zwar vollständig CO2-neutral, dafür sorgt das Wärmetauschverfahren Geothermie: Die Lüftungsanlage arbeitet mit Wärmerückgewinnung, sodass nur wenig Energie nach außen verloren geht. Doch nicht nur das! Die Photovoltaikanlage mit 1.440 Modulen auf dem Dach der Werkshalle liefert so viel Strom, dass es für 75 Haushalte reichen würde. Wird doch mal zusätzlicher Strom benötigt, wird selbstverständlich grüner Strom hinzugekauft. Eine Solarthermieanlage erzeugt das Warmwasser für das Werk.

„Grün“ – das ist auch das intelligente Belichtungssystem, das sich ans Tageslicht anpasst. Außerdem ist die Fassade der Halle aus lichtdurchlässigem Polycarbonat. Das spart nicht nur jede Menge Energie, sondern trägt maßgeblich zur optimierten Hallenbeleuchtung bei. Und auch das Wasser aus der Waschanlage wird wiederverwendet. All diese Punkte machen das Werk so umweltfreundlich.

Das grüne ICE-Werk in Köln von außen.

Das grüne ICE-Werk von außen.

Einfaches Arbeiten durch intelligente Lösungen

Um die weiten Laufwege in der Werkshalle zu verkürzen, gibt es für die Mitarbeiter Fahrräder und Roller. Eine weitere Unterstützung ist das fahrerlose Transportsystem. Das Gerät bewegt sich autonom durch die Halle und holt große Materialien aus dem Lager. In der Halle gibt es einzelne Werkstätten, z.B. für Klimaanlagen. Hier haben die Mitarbeiter ausreichend Platz und spezielle Werkzeuge stehen zur Reparatur und Prüfung zur Verfügung.

Mitarbeiter im Werk

Gut 400 neue Jobs werden in den nächsten Jahren im Werk Nippes entstehen. Vor der Eröffnung gab es eine intensive Personalauswahl, dabei wurde gezielt auf den eigenen Nachwuchs gesetzt. Alle neuen Mitarbeiter haben eine einjährige Spezialausbildung durchlaufen. Da jeder ICE eine andere Technik besitzt, gibt es für jeden Zug eine eigene Schulung.