Als Kunde die Zukunft der Bahn mitgestalten

– Im Interview mit Martin Böschen, dem Gewinner des Ideenschmiede-Wettbewerbs.

Nicht alleine im stillen Kämmerlein – sondern gemeinsam mit den Menschen, die tagtäglich im Zug sitzen, möchte die Deutsche Bahn in Zukunft an neuen, digitalen Produkten arbeiten. Deshalb gab es im letzten Jahr in der Ideenschmiede den Wettbewerb zu dem Thema „Reisebegleiter der Zukunft“. Aus den über 650 Vorschlägen wurden drei Gewinner gekürt. Martin Böschen aus Oldenburg ist einer der Glücklichen, der nicht nur eine Bahncard 100 bekam, sondern auch im d.lab zu den sogenannten Co-Creation Days eingeladen wurde, um mit einem Team seine Idee weiterzuentwickeln. 

Lieber Martin, mit welcher Idee bist du an den Start gegangen?

Ich hatte drei Vorschläge eingereicht. Während des Schreibens habe ich dann aber gemerkt, dass die Idee mit dem „Reiseführer“ schon die beste ist. Meine Frage war: Was sehe ich während der Zugfahrt, wenn ich aus dem Fenster schaue? Ich wünsche mir dafür eine Art digitalen Reiseführer, der mir besondere Orte oder Sehenswürdigkeiten erklärt.

Weil du jemand bist, der immer aus dem Fenster guckt? 

Ja, das interessiert mich. Ich bin auch jemand, der sich gerne Karten anschaut. Geo-Caching finde ich zum Beispiel auch spannend.

Und so kam es dann auch zu der Idee?

Die hatte ich bereits vor drei Jahren. Da ging es gerade los, dass man mit Smartphones seinen Standort bestimmen und navigieren konnte. Damals bin ich oft dieselbe Strecke mit dem Zug gefahren und kannte schon viele Dinge, die ich sehe. Aber eben nicht alle und begann deswegen, die Sehenswürdigkeiten, Gebäude oder Flüsse umständlich über Google zu suchen.

...wie flexibel, wie bunt das hier ist und wie wild Ideen eingestreut werden dürfen. Bahn-Kunde und Ideengeber Martin Böschen

Wie haben dir die Co-Creation Days im d.lab gefallen?

Das war sehr cool. Mir war nicht klar, dass da so viel dahinter steckt. Dass da jetzt wirklich 15 Leute mitarbeiten, diskutieren und testen, das hätte ich nie erwartet. Das hat mich wirklich positiv überrascht.

Was war die größte Überraschung?

Die Geschwindigkeit! Dass in einer Woche wirklich so viel entsteht, hätte ich mir nicht vorstellen können. Das hat mich sehr beeindruckt. Auch wie flexibel, wie bunt das hier ist und wie wild Ideen eingestreut werden dürfen.

Hat sich dein Bild der Bahn gewandelt?

Ja, schon. Ich habe die Bahn für verstaubter gehalten, hier scheint ja doch eine ganze Menge möglich zu sein. Im Lab wird wirklich sehr an der Zukunft gearbeitet. Ich weiß natürlich nicht, wie sich das auf das ganze Unternehmen auswirkt.

Aus deiner Idee wurden drei Vorschläge entwickelt.  Ein Kinderquiz, ein Erlebnispaket am Zielort und eine App, die die Sehenswürdigkeiten während der Fahrt beschreibt. Wie zufrieden bist du damit?

Schön finde ich, dass meine Ursprungs-Idee in allen dreien noch erkennbar ist. Ich bin ja selbst mit dem d.lab-Team an den Bahnhof gegangen, mit dem Zug gefahren und habe Kunden befragt. Und musste dann auch feststellen, dass nicht alle Reisenden so ticken wie ich. Wir haben im Team auch schnell verstanden, was beim Kunden geht und was eher nicht so gewünscht ist und haben darauf herumgedacht. Ich hoffe, dass jetzt Ergebnisse rausgekommen sind, die auch umgesetzt werden können.

 

Und wie geht´s dir mit deinem Gewinn, der Bahncard 100?

Super! Beim ersten Mal Vorzeigen habe ich mich sehr gefreut. Ein Jahr Freiheit! Ich überlege jetzt schon anders. Welche Freunde könnte ich mal abklappern und wenn der VFB Oldenburg in die 3. Liga aufsteigt, wird das für mich auch noch einmal interessant.