Der Ideenzug für den Regionalverkehr der Zukunft

Wie wir mit dem Kunden die Regionalzüge weiterentwickeln.

Das Mobilitätsverhalten in Deutschland hat sich schon vor der Corona-Pandemie stark verändert: noch nie gab es so viele Pendler, noch nie legten sie so lange Strecken zurück. Zugleich verändern sich deren Bedürfnisse: Fahrgäste erwarten Komfort und Individualität, sie wollen ihre Zeit sinnvoll nutzen. 

Zum einen müssen Züge heute für viele Fahrgäste ausgelegt und zuverlässig, zugleich aber auch komfortabel und individuell sein. Die Deutsche Bahn hat sich dieser Herausforderung gestellt und entwickelte 2017 einen Ideenzug – ganz im Sinne von Zukunft Bahn, dem Programm für mehr Qualität und Service. Der Ideenzug sollte als Nahverkehrszug der Zukunft den Lebensalltag der Fahrgäste einfacher machen und für eine Wohlfühlatmosphäre im Zug sorgen.

Von der Idee zu neuen Zügen

Der Fokus lag dabei darauf, den Pendlern während der Fahrt Raum zu geben für Dinge, die sie bisher im Zug nicht machen konnten. Seit 2016 hat die Südostbayernbahn (DB RegioNetze) gemeinsam mit dem Innovationslabor der Deutschen Bahn “d.lab”, der Münchener Designagentur “Neomind” und den Produktinnovations- und IT-Abteilungen der DB Regio Zentrale an dem Projekt gearbeitet. Dabei handelt es sich um ein maßstabsgetreues Modell eines Doppelstockwagens, wie man ihn aus dem Regionalverkehr kennt, in dem visionäre Innenraumkonzepte mit neuartigen digitalen Services verknüpft und mit Kunden getestet werden.
Dieser Zug der Zukunft wurde im Herbst 2017 fertiggestellt und erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Als Aufgabenträger begleitete die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) das Pionierprojekt. Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ war ebenfalls involviert. Für die Innenausstattung wurde mit bis zu 30 Industrie- und Technologieherstellern zusammengearbeitet. Von Beginn an hat das Projektteam eine Vielzahl an Kundenbefragungen durchgeführt, deren Ergebnisse in den Aufbau mit eingeflossen sind. Wir nehmen Sie mit auf eine Reise durch den Entstehungsprozess:

Das Logo vom Ideenzug DB Regio

Neue Denkweisen treffen auf eine alte Idee

Bereits zur Expo 2000 hatte DB Regio einen Ideenzug entwickelt und auf die Schiene gebracht, 2017 folgte die nächste Stufe. Da sich in den vorangegangenen Jahren insbesondere der digitale Sektor rasant entwickelt hatte, galt es, diese Entwicklungen sinnvoll im Regionalverkehr einzusetzen und umzusetzen.

Ähnliche Herangehensweisen gab es bereits beim Redesign der S-Bahn München und beim Redesign vom ICE 3. Es entstanden Fragen wie: Wie reist ein Pendler in Zukunft, wie kann seine Reisezeit in produktive Arbeits- oder erholsame Freizeit verwandelt werden? Wie können wir für eine Familie das Reisen im Regionalverkehr noch freundlicher gestalten?

Mitarbeiter arbeiten im Innovationslabor der Deutschen Bahn am Regionalzug der Zukunft

Die Grundlage bilden Kundenbedürfnisse

Durch Brainstorming und Kreativ-Workshops wurden alle denkbaren Nutzungsmöglichkeiten, Funktionen und Produkte für Zuginnenräume zusammengetragen, konkreten Kundengruppen (z. B. Pendlern) zugeordnet, und mit deren Bedürfnissen abgeglichen. Dabei arbeiteten Kunden, aber auch Bahn-Mitarbeiter losgelöst von Richtlinien und entwickelten mit Hilfe von innovativen Methoden Ideen ohne jegliche Denkverbote.

Trend-Recherche als Startpunkt

Gestartet ist das Team aus dem Ideenzug-Projekt mit Recherchen zu aktuellen Trends und Befragungen der Kunden. Die Ergebnisse wurden zusammengetragen und ausgewertet. In regelmäßigen Abständen fanden Workshops des DB-Projektteams gemeinsam mit Kunden statt, in denen die große Menge an unterschiedlichen Ideen verfeinert und weitergedacht wurden. Auch die Zielgruppen wurden gemeinsam definiert. Der Fokus bei der Ausgestaltung der Produkt- und Servicewelten des Ideenzugs liegt auf Personengruppen wie Pendlern, Familien, Studenten und Senioren. Natürlich wurde der Kundenbeirat, der die Sichtweisender Kunden vertritt, ebenfalls mit ins Boot geholt.

Erste Design-Konzepte für den Ideenzug

Im nächsten Schritt wurden die gesammelten Ideen aus den Workshops und Kundeninterviews vom Designbüro Neomind in Skizzen und später in digitale 3D-Modelle verwandelt, sodass sichtbar wurde, wie zum Beispiel ein Abteil für einen Pendler in Zukunft aussehen würde oder ein abgeschirmter Arbeitsbereich gestaltet werden könnte. Anhand dieser Produktskizzen wurden im Anschluss die Prioritäten der Umsetzung erstmalig festgelegt. Daraufhin stand die Auswahl von hochwertigen Materialien und geeigneten Industrie-Partnern für die skizzierten Bereiche auf dem Programm. So entstanden allmählich Entwürfe zu den unterschiedlichsten Produktwelten, untergebracht im Schema eines einzigen Zugmodells – dem Ideenzug.

Aus Konzepten werden Zug-Abteile

Insgesamt 22 einzelne Module wurden 2017 für den Ideenzug entworfen, die in dem 1:1 Modell-Zug nachgebaut wurden. Der Nachbau entspricht mit einer Länge von 27 Meter, einer Breite von 3 Meter und 5 Meter Höhe, exakt den Maßen eines Doppelstockwagens.

Neben einem großen Angebot an unterschiedlichen modernen Sitzmöglichkeiten sind die digitale Kundeninformation und Unterhaltung weitere wichtige Aspekte. Dies wird durch eine Vielzahl an Screens, vernetzt mit einer komplexen IT-Infrastruktur, Lautsprechern und Kameras möglich gemacht. Selbst für die Böden und die Innenraumbeleuchtung wurden von den Design-Experten Konzepte kreiert.

Video: So wurde das Ideenzug-Modell gebaut

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2021 wurde der Ideenzug in IdeenzugRegio umbenannt und um zwei Module erweitert.

(Update 22.07.2021: Wir haben den Beitrag aktualisiert.)