Im ICE unterwegs (Teil 3): Warum die Durchsage des Lokführers einen ganzen Zug rührte

– Zum 25. Geburtstag des ICE erzählen wir Ihre besten Bahn-Geschichten.

Das Ziel Berliner Hauptbahnhof war zum Greifen nah, als der Lokführer plötzlich höchstpersönlich das Wort an seine Fahrgäste richtete – „und das war eine Durchsage, nach der nicht alle genervt die Augen verdrehten“, erinnert sich Bahnkunde Alexander Slotty lächelnd. Anlässlich des 25. Jubiläums des ICEs erzählt er uns seine schönste Bahn-Geschichte.

Zusammen mit den ICE-Fahrgästen in den Ruhestand

Es war an einem Mittwoch Ende April, im ICE von Frankfurt am Main nach Berlin über Halle und Erfurt:  „Sehr geehrte Damen und Herren. Hier spricht der Lokführer. Wenn dieser ICE heute in den Hauptbahnhof einfährt, endet ein Lebensabschnitt für mich – ich war dann 43 Jahre Lokführer und gehe in den Ruhestand. Ich wünsche Ihnen alles Gute und dass Sie weiterhin gut zur Arbeit, in den Urlaub oder nach Hause kommen“, sagte Lokführer Heinz Reichardt mit fester Stimme und plötzlich brannte spontaner Applaus unter den Fahrgästen im ICE auf.

„Davon habe ich vorn natürlich nichts mitbekommen, aber einige Fahrgäste haben gegen die Scheibe des Führerstandes geklopft“, erinnert sich der ehemalige Deutsche Bahn-Mitarbeiter im Gespräch mit inside.bahn.de.

ICE Fahrgäste

Eine Durchsage vom Lokführer: Für die Fahrgäste eine gelungene Abwechslung während der Reise.

Lokführer: Sein Traumberuf seit der ersten Stunde

Seit 1967 arbeitete Heinz Reichardt bei der Deutschen Bahn, zunächst als Elektriker später als Lokführer. Er gehörte auch zu den 30 ersten Mitarbeitern in Berlin, die vor 25 Jahren einen ICE steuern durften. „Seitdem habe ich im Zug viel von der Welt gesehen, wunderschöne Landschaften und unzählige Sonnenaufgänge.“ Natürlich waren es auch harte, anstrengende Jahre – aber Heinz Reichardt war Lokführer aus Leidenschaft. „Mein absoluter Traumberuf!“

Herzlicher Empfang am Bahnsteig

Auch deshalb waren die letzten Meter im Zug im April für den gebürtigen Leipziger sehr emotional – vor allem als er am Bahnsteig seine Kinder, Enkel, Freunde und Kollegen erblickte. Mit selbstgebastelten Plakaten und Jubelrufen wurde Heinz Reichardt empfangen. Eine Überraschung, die für Freudentränen sorgte!

Lokführer letzter Dienst Hauptbahnhof Berlin

Rührend: Mit Plakaten und Jubelrufen wurde Heinz Reichardt (hier mit Ex-Kollege Helmut Prill) auf dem Berliner Hauptbahnhof empfangen.

Neugier auf den Lokführer

Doch nicht nur seine Familie und Bekannten, auch viele Reisende wollten sich nach der rührenden Durchsage von dem Lokführer verabschieden. „Viele sind nach vorn gelaufen, um ihm die Hand zu schütteln“, erinnert sich auch Alexander Slotty, der ebenfalls neugierig auf den Lokführer war. „Auch für mich als Fahrgast war das definitiv ein außergewöhnliches Ereignis“, erzählt er.

In den Ruhestand hineingefeiert

Und für Heinz Reichardt? Er feierte nach seiner letzten Fahrt noch mit seinen Lieben weiter. Die große Sause mit allen Deutsche Bahn-Kollegen wird bald folgen: ein toller Start in den wohlverdienten Ruhestand.

Bahn-Kunde Alexander SlottyBahn-Kunde Alexander Slotty (l.) war begeistert von der Durchsage des Lokführers Heinz Reichardt und erzählte dessen Geschichte inside.bahn.de.


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