Im Zug durch Deutschland – erst beruflich, dann als Pensionär

– Warum sich ein Pensionär auch noch im Vorruhestand einfach mal in einen Zug setzt.

Gerd Haufe sammelt Schienenkilometer, wie andere Briefmarken. Über 30 Jahre war er als Vertriebsmitarbeiter einer Bank tätig und legte tausende von Kilometern zurück, um seine Kunden zu besuchen. Dabei lernte er die vielfältigen Vorzüge des Bahnfahrens zunehmend zu schätzen. Auch an seinen freien Wochenenden stieg er gerne in den Zug – mal alleine, am liebsten aber mit seiner Familie. Jetzt, nach seinem Eintritt in den Vorruhestand, hatte der Pensionär endlich auch mal die Gelegenheit zu einer größeren Deutschland-Tour.

Im Interview erzählt er uns, wie er auf die Idee kam, zwei Wochen mit der Bahn durch Deutschland zu reisen, wohin ihn seine Reise überall geführt hat und was er am Bahnfahren so liebt.

Herr Haufe, seit wann sind Sie mit der Bahn unterwegs und was schätzen Sie am Zugfahren?

„Bereits 2002 habe ich meinen Dienstwagen gegen die Bahncard 100 eingetauscht. Denn oft war ich mit dem Zug einfach schneller am Ziel und konnte die Fahrzeit sehr gut zum Arbeiten nutzen, was im Auto nicht möglich war. Meistens bin ich auf der Fahrt zum Kunden gedanklich noch einmal alle Themen und Argumente durchgegangen und habe mir einen Fahrplan für das Treffen zurechtgelegt. So war ich immer bestens auf das bevorstehende Gespräch vorbereitet.

Und nicht zuletzt sammelte ich nicht, wie meine Auto fahrenden Kollegen, Punkte in Flensburg, sondern Bonus-Punkte bei der Bahn. Aber Spaß beiseite: Zugfahren war einfach auch sicherer und umweltschonender. Auch diese beiden Aspekte empfand ich als großen Vorteil.“

Waren Sie in dieser Zeit auch viel privat mit der Bahn unterwegs?

„Ja, klar. Ich mag Bahnfahren einfach sehr und bin ich auch am Wochenende gerne mit der Bahn unterwegs gewesen – manchmal alleine, oft aber auch mit meinem Sohn, der damals noch jünger war und kostenlos mitreisen durfte. Das waren tolle Fahrten, weil wir im Zug viele Dinge tun konnten, die unter der Woche zeitlich nicht drin waren. Einfach mal ratschen, Spiele spielen und eine ungestörte Vater-Sohn-Zeit verbringen, das war schon sehr schön. Und am Ende haben wir uns immer eine neue Stadt oder zum Beispiel auch das Porsche-Museum in Stuttgart oder die Oldtimer auf der Techno-Classica in Essen angeschaut.“

An welche Bahnfahrt erinnern Sie sich besonders gerne?

„Mein Sohn und ich sind auch gerne ins Blaue gefahren. So haben wir einmal verabredet, morgens um 8 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof zu sein und uns alle Züge rauszusuchen, die innerhalb der nächsten Stunde starten sollten. Diese Züge kamen in einen Lostopf und in den Gewinnerzug sind wir eingestiegen. Im Zug selbst haben wir dann unsere persönliche Endstation ausgewürfelt. Zwischen Kiel und Offenbach war an diesem Tag alles möglich. In unserem Falle landeten wir in Köln. Das war ein echt gelungener Ausflug.“

Sie sind im Februar zwei Wochen durch Deutschland gereist, natürlich wieder mit dem Zug. Wie kam es dazu und was haben Sie sich alles angeschaut?

„Nun, die Idee entstand einfach dadurch, dass ich im Januar in den Vorruhestand eingetreten bin, meine Bahncard 100 aber noch den gesamten Februar gültig war. Und diese Gelegenheit wollte ich natürlich gerne nutzen, um mir noch einige mir unbekannte Ziele anzuschauen. Beruflich war ich nämlich meistens in Bayern, Baden-Württemberg und der Pfalz unterwegs. Und da ich zukünftig zumindest beruflich deutlich weniger mit dem Zug reisen werde, war es für mich auch eine Art Abschiedstour.

Meine Tour führte mich nacheinander nach Freiburg, Aachen, Lübeck, den Timmendorfer Strand, Hamburg, Berlin, zu meiner Mutter an den Tegernsee, Duisburg, München, Dresden, Großröhrsdorf, das Dorf meiner Urahnen, nach Görlitz, Riesa und Bremen.

An manchen Stationen bin ich nur kurz am Bahnhof ausgestiegen und dann gleich weiter gefahren, oft bin ich aber auch gemütlich durch die Stadt geschlendert. Görlitz hat mir besonders gut gefallen, die Altstadt wurde im Krieg ja komplett verschont und die vielen Altbauten und Fachwerkhäuser sind – auch dank eines großzügigen anonymen Spenders – fast durchweg saniert und in einem super Zustand. Einfach fantastisch und unbedingt empfehlenswert für alle Architekturfans! Und Freiburg hat es mir auch sehr angetan. Ich mag die vielen kleinen Geschäfte und natürlich auch die unzähligen Fahrradfahrer.

Während meiner Tour habe ich aber nicht nur Sightseeing betrieben, sondern auch einige alte Bekannte wiedergetroffen. Im ICE von Hannover nach Frankfurt stieß ich zufällig auf einen alten Kollegen von mir und habe so noch einmal ein paar Neuigkeiten über meine ehemalige Arbeitsstelle bekommen. Und in München habe ich einen alten Schulfreund besucht, den ich 30 Jahre lang nicht gesehen, aber doch immer im Gedächtnis behalten hatte. Das war ein wunderschöner Tag. Wir saßen drei Stunden zusammen im Café und es war auf Anhieb wie früher. Einfach toll!

Alles in allem war es eine unvergessliche Reise, die ich sofort noch einmal unternehmen würde.“

Sammeln Sie auch wie Gerd Haufe Schienenkilometer? Dann erzählen Sie uns doch gerne, wohin Sie Ihre Reisen schon überall geführt haben.