Mit dem Fahrrad in der Bahn: Eine Vielfahrerin berichtet

– Stephanie Krone vom ADFC gibt Tipps zu Radreisen mit dem Zug und erinnert sich an persönliche Highlights.

Im Gespräch erzählt Stephanie Krone vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) von privaten Fahrradausflügen, Pannen und Sehnsüchten. Und sie verrät, wie die Bahnreise mit dem Fahrrad zum Kinderspiel wird.

Liebe Frau Krone, gleich zu Beginn die große Frage: An welche private Radtour denken Sie am liebsten zurück und warum?

Da fällt mir spontan die erste Radreise mit meinem damals fünfjährigen Sohn ein. Es ging von Berlin bis an die Müritz. Keiner hat‘s geglaubt, aber wir haben das geschafft. Ich als Radreisefrischling mit dem ganzen Gepäck für zwei Wochen – und er mit Angel, Badehose und Schnuffeltier an Bord seines Tigerentenrads. Unvergesslich: Eine Nacht in einem 120 Jahre alten Schnapsfass.

Und bei welcher Tour lief es nicht so gut?

Einmal im Oktober: Es ging es von Rostock nach Kopenhagen. Die Fähre auf die Insel Møn fuhr im Herbst nicht mehr (ich hätte das Kleingedruckte im Tourenbuch lesen sollen), also mussten wir einen anderen Weg nehmen. Die Alternativroute verlief entlang endloser Schnellstraßen und führte uns durch öde Landschaften. Aber Rødvig und Kopenhagen entschädigten für alle Strapazen.

Welches Ziel steht ganz oben auf Ihrer Sehnsuchtsliste?

Ich möchte bald einmal den über 100 Kilometer langen Radschnellweg 1 (RS.1) quer durch das Ruhrgebiet fahren! Wenn dieses Vorzeigeprojekt hoffentlich 2020 fertig ist, wird das ganz großes Kino für Fahrrad-Deutschland!

Wer soll Sie begleiten?

Meine Eltern. Ich will sie überzeugen, dass Radfahren in Großstädten komfortabel und entspannt sein kann, wenn es tolle Radwege gibt!

Was raten Sie allen Fahrradfahrern, die die Bahn nehmen?

Antizyklisch fahren – also nicht grad am Freitagnachmittag oder Sonntagabend, da gibt es oft Gedränge. Im Nahverkehr an den Werktagen lieber erst am späteren Vormittag los, dann sind auch die Berufstätigen raus und man kann entspannter fahren. Und: Unbedingt Puffer einplanen, denn manchmal ist das Fahrradabteil schon voll, dann muss man unter Umständen den nächsten Zug nehmen. Viele Urlaubsregionen bieten übrigens mittlerweile Leihräder an.

Sie haben selbst Kinder. Was empfehlen Sie Familien?

Mit drei Kindern, mehreren Rädern, Fahrrad-Anhänger und viel Gepäck in den Zug zu steigen – das fordert schon starke Nerven und sehr gute Organisation. Ich persönlich ziehe es vor, entweder mit dem Rad von zu Hause loszufahren – oder ohne Räder in den Zug zu steigen und am Urlaubsort auf Mieträder zu setzen.

Und wie buchen Sie Ihre Fahrradtouren?

Bei der Ticketbuchung auf bahn.de das Häkchen bei „Schnelle Verbindungen bevorzugen“ rausnehmen und unter „Weitere Suchoptionen“ die Fahrradmitnahme anklicken. In Verbindung mit einer Fahrkarte kann man die Fahrradkarte jetzt auch online kaufen. Das ist natürlich die komfortabelste Lösung.

Welche Wünsche haben Sie an die Bahn?

Mehr Radmitnahmemöglichkeiten im Fernverkehr, fahrradfreundliche Bahnhöfe mit funktionierenden Aufzügen, hilfsbereites Zugpersonal und Markierungen für die Haltepunkte der Radabteile. In Dänemark kann man an den Infotafeln nicht nur sehen, wo das Zugrestaurant und die 1. Klasse sind, sondern auch, wo sich das Radabteil befindet.

stephanie-krone-adfc-fahrradmitnahmeStephanie Krone ist Pressesprecherin vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. (ADFC), dem größten Radfahrerclub weltweit. Das Rad ist Teil ihres Alltags, seit sie denken kann. Dass man damit auch Abenteuer-Urlaub machen kann, hat sie erst beim ADFC gelernt.