Kleiner Bär ganz groß

– Jessica Riccò dreht Kurzfilme mit einem Teddybären als Hauptdarsteller. Uns hat sie erzählt, was dahinter steckt.

Ein kleiner Bär mit Knopf im Ohr, der im Zug neue Freundschaften knüpft – das klingt nach einer perfekten Geschichte für ein Kinderbuch. Und diese Geschichte erreichte uns per Video. Sie hat uns so begeistert, dass wir mehr über Jessica und Falentin Bär – so heißt der kleine Hauptdarsteller – erfahren wollten.

Jessica, woher hat Falentin seinen Namen?

München ist ja unter anderem die Geburtsstadt des Komikers Karl Valentin, der seinerzeit erklärte, dass er eben Falentin und nicht Walentin ausgesprochen würde – man sagt ja schließlich auch Vogel und nicht Wogel. Und weil ich Karl Valentins dialektischen Humor sehr mag und Falentin mit F in der Google-Suche ziemlich einzigartig ist, heißt der Bär nun ebenso.

Der Film ist bereits Falentin Bärs 14. Kurzfilm. Wie kam es dazu?

Falentin Bär begann seine Karriere vor vier Jahren als kleiner Spaß mit einigen Freunden, und hat sich mittlerweile zu einem größeren Social-Media-Projekt mit eigenem Kalender voller Termine wachsender Fangemeinde entwickelt. Die meiste Zeit des Jahres verbringt er mit mehr oder weniger Fremden, die ihn auf Reisen mitnehmen und dabei fotografieren.

Über so eine Figur – die natürlich obendrein auch einfach sehr niedlich aussieht – lässt sich viel projizieren und sie lädt gleichzeitig zu einem Perspektivwechsel ein. Züge sind perspektivenreiche und hochdialogische Orte. Ich wollte zeigen, dass man mit etwas Fantasie auf der Reise eben nicht immer dasselbe tun muss wie zu Hause – am Laptop arbeiten, Musik hören, lesen – sondern gerade ein beschränkter Raum Möglichkeiten für Kreativität öffnet. Falentin Bär erfüllt auch noch einen ganz praktischen Zweck. Einmal im Jahr veranstaltet er eine große Spendenaktion für „Ärzte ohne Grenzen“ und dabei kommt deutlich mehr Geld zusammen, als ich als Einzelperson wohl sammeln könnte.

Freundschaft ist der rote Faden, der sich durch das Video zieht. Welche Rolle spielt Freundschaft für Sie?

Ich habe einen kleinen, feinen, engen Freundeskreis, der mir sehr wichtig ist. Darüber hinaus heißt es zwar, soziale Medien seien nicht der geeignete Ort, um neue Freundschaften zu schließen, aber das kann ich gerade durch meine Erfahrungen mit dem Falentin-Projekt nicht bestätigen. Ich habe einige tolle Menschen kennengelernt, denen ich sonst mit Sicherheit nie begegnet wäre: Zum Beispiel eine Autorin aus Ratingen, einen Gymnasiallehrer aus Berlin oder einen Astronom aus Bad Homburg.

Das Video macht wirklich Lust darauf, sich auch mal selbst an so etwas zu versuchen. Haben Sie Tipps für andere, die sich vielleicht noch nicht an Videos getraut haben?

Oh, schwierige Frage. Mit Sicherheit ist die Idee am wichtigsten, aber ich glaube, die Zeiten in denen man auf YouTube alleine durch ein witziges Handyvideo begeistern konnte, sind vorbei. Bevor irgendwas gedreht wird, sollte ein Konzept stehen, inklusive Einführung der Hauptfiguren, Spannungsbogen und einer Auflösung am Finale. Für eine gute Qualität ist die technische Ausrüstung aber natürlich auch wichtig. Das Video wurde mit einer Lumix DMC-GH3 gedreht und geschnitten wurde der Film mit Final Cut Pro X.