„Du musst nicht daran glauben, du musst sie aber tragen.“

Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe Mark Benecke sprach mit uns über Masken-Verweigernde und Bahnreisen in Zeiten der Corona-Pandemie.

Dr. Mark Benecke studierte Biologie, Zoologie und Psychologie, promovierte als Biologe in der Rechtsmedizin und absolvierte eine Ausbildung beim FBI. Neben seiner Arbeit als Kriminalbiologe ist er unter anderem Insektenkundler, Dozent, regelmäßiger Gast in Radio- und Fernsehsendungen, Autor diverser Sachbücher und immer unterwegs – am liebsten mit der Bahn. Im Interview verriet er uns, wie sich das Bahnreisen aus seiner Sicht im vergangenen Jahr verändert hat, was er immer im Gepäck hat und warum er Züge liebt.

Ein schwarzweißes Porträtfoto von Kriminalbiologe Mark Benecke.

Redaktion: Warum sind Sie so oft mit dem Zug unterwegs?

M. Benecke: Autos stinken, sind eng und ich kann darin nicht arbeiten, weil es wackelt. Außerdem liebe ich Züge! Wer meine Social-Media-Kanäle kennt, weiß das – zu den „singenden Lokomotiven“ habe ich schon mehrere Videos gemacht sowie eine Anleitung zum Nachtzugfahren und mit den Zugbegleiter*innen mache ich tausende von Selfies. Ich liebe auch die rumpelnden Geräusche von Zügen, deshalb bin ich gerne im Nachtzug, wo sie noch zu hören sind. Außerdem bringen mich die Durchsagen immer wieder zum Lachen, erst heute wieder im ICE: eine ellenlange Ansage auf Deutsch, dann ein Satz auf Englisch als Übersetzung. Ich schlafe sehr oft in Hotels, die mir dann ein Zimmer zu den Gleisen geben müssen, weil ich Zug-Geräusche liebe und mich die Durchsagen auf den Gleisen beruhigen. 

Redaktion: Grob geschätzt – wie viele Stunden haben Sie im vergangenen Jahr im Zug verbracht und wie oft sind Sie gefahren?

M. Benecke: 2019 um die 1.500 bis 2.000 Stunden. Wegen Corona im Jahr 2020 viel weniger – sogar meine geliebte BahnCard 100 musste ich bedauerlicherweise aufgeben. 

Redaktion: Wie hat sich das Reisen mit der Bahn durch die Corona-Pandemie aus Ihrer Sicht verändert?

M. Benecke: Die Toiletten sind viel sauberer, die Züge pünktlicher und es gibt weniger Passagiere, die ihre Kopfhörer zu laut einstellen. Die Bordrestaurants waren meist nicht in Betrieb – schade, weil es dort neuerdings pflanzliche* Speisen gibt. In Regionalzügen hatten wir über ein paar Monate hinweg geduldig lange, manchmal auch zu Nichts führende Gespräche wegen Corona-Masken. Teilweise haben wir uns sehr über die völlige Masken-Verweigerung geärgert. Die Zugbegleiter*innen wissen, was ich meine: die Wasserflasche als Begründung, stundenlang keine Maske zu tragen und dergleichen.

Redaktion: Sie waren schon vor Einführung der Maskenpflicht vorbildlich mit Mund-Nase-Bedeckung unterwegs. Was würden Sie Menschen sagen, die deren Nutzen immer noch anzweifeln oder sich sogar weigern, diese zu tragen?

M. Benecke: „Du musst nicht daran glauben, du musst sie aber tragen.“ 

Redaktion: Unterhaltung, Proviant, Arbeitsutensilien – was begleitet Sie auf Ihren Bahnreisen und was sollte jede*r mit im Gepäck haben?

M. Benecke:

  • Camping-Besteck sowie Salz und Pfeffer in einem unzerstörbaren Spezialteil, das es nur in der Schweiz gibt.
  • Schalldichte und damit nicht die Nachbarinnen nervende Kopfhörer, wenn ich auf dem Weg zum WGT, einem Festival in Leipzig, nochmal schnell die neuesten Lieder für mein Eröffnungs-DJ-Set durchhören muss, weil ich es jedes Jahr vorher nicht rechtzeitig schaffe.
  • Desinfektionsspray, das hatte ich aber schon immer dabei.
  • Batterie bzw. Powerbank, falls der Strom im Zug nicht vorhanden ist oder ausfällt. Ich habe übrigens noch nie begriffen, wann eine Steckdose im Zug ist oder nicht, das schwankt sehr stark je nach Region in der DB Regio und bei den anderen Anbieterinnen.
  • Sehr warme Jacke, falls wir im Nichts auf einem Umsteigebahnhof stranden.
  • Extra-Socken und Unterhose, falls der Sturm Bäume auf die Gleise geworfen hat und die Übernachtung im Zug oder (falls vorhanden) einem unerwarteten Hotel stattfindet.
  • Guter Thermosbecher mit Tee oder Kaffee.
  • 4711, falls mal wieder jemand müffelt. Das ist aber eine Notfallmaßnahme.
  • Zehn Servietten, weil ich vasomotorischen „Schnupfen“ (Naselaufen) habe. Wenn die Klimaanlage im ICE auch nur ein bisschen verstellt wird (egal, in welche Richtung), läuft meine Nase.

Redaktion: Ihre persönlichen Tipps, um die Pandemie-Zeit weiterhin gut zu überstehen?

M. Benecke: Geduld und Supersparpreise.

*Anmerkung der Redaktion: pflanzlich bedeutet vegan, also ohne Inhaltsstoffe, die von Tieren stammen und bei deren Produktion auf diese verzichtet wurde.