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Mobilitätsservice: Wie Ralf mit Gipsbein zum 90. Geburtstag kommt

– Wie einfach Bahnfahren normalerweise ist, merkt man unter erschwerten Bedingungen.

wintersport

Das musste auch unser Pechvogel Ralf erfahren, der mit einem Gipsbein aus dem Skiurlaub gekommen ist. Schwierig heißt für Ralf aber keinesfalls unmöglich: Der Mobilitätsservice der Bahn kann zwar sein Bein nicht heilen, aber ihm einen Teil seiner eingeschränkten Mobilität zurückgeben.

Der 90. Geburtstag – ohne den Lieblingsneffen Ralf?

Ralfs Lieblingstante Anna aus Hamburg wird 90 Jahre alt und hat zu einer großen Geburtstagsfeier eingeladen. Doch leider ist etwas dazwischen gekommen. Ralf ist begeisterter Skifahrer und wartet schon immer sehnsüchtig auf die erste Gelegenheit die Skisaison zu eröffnen. Er hat über die Skizüge gelesen, die umsteigefreundlich in Skiregionen fahren und auch gleich die erste Gelegenheit zur Saisoneröffnung genutzt.

Und dann ist es passiert, in einer unachtsamen Sekunde hat es ihm den Ski weggerissen, er ist gestürzt und hat sich schwer verletzt. Nach der Rettung von der Piste und dem folgenden Besuch im Krankenhaus bekam er für acht Wochen einen Gips verpasst. Zu blöd.

gipsbein

Bahnfahren mit Gipsbein – ob das eine gute Idee ist?

Nun ist Ralf in seiner Bewegungsfreiheit mit einem Gipsbein und Gehhilfen merklich eingeschränkt. Was soll er nun tun? Soll er den Besuch absagen und nicht bei der großen Familienfeier dabei sein? Das wäre doch schade und kommt für Ralf auch nicht in Frage.
Mit dem Auto kann Ralf natürlich nicht fahren und so bleibt für ihn noch der Zug. Da er schon des Öfteren mit der Bahn gefahren ist und er in der Regel online seine Züge bucht, schaut er auch in diesem Fall, wie er am besten von Freiburg nach Hamburg kommt, um den Geburtstag nicht zu verpassen. Die Ticketbuchung ist für ihn keine Herausforderung. Doch es gibt einige Hürden zu nehmen:

–    sein Weg von der Wohnung zum Bahnhof
–    ein guter Sitzplatz mit „Beinfreiheit“ im Zug
–    das Ein- und Umsteigen in Kassel-Wilhelmshöhe
–    der Geschenktransport
–    der Weg vom Bahnhof in Hamburg zum Restaurant
–    wie kommt er wieder zurück nach Hamburg

Ralf ist von Beruf Grafikdesigner und hat für seine Lieblingstante ein ganz besonderes Geschenk vorbereitet. Er hat Fotos von allen Familienmitgliedern gesammelt und eine Collage erstellt und diese auf Leinwand gezogen. Er konnte ja nicht damit rechnen, dass er dieses große Paket mit Krücken transportieren muss. Verschicken möchte er das Geschenk auch nicht, er hat zu viel Angst, dass es beschädigt bei Tante Anna ankommt. Also hat er die Leinwand gut verpackt und fängt an zu überlegen….

Ralf hat eine sehr nette Nachbarin, Marie, die ihn gerne zum Bahnhof in Freiburg bringt. Sie hilft ihm gerne, denn er hilft ihr auch bei allem, was sie nicht so gut kann. Meistens fragt Marie Ralf bei handwerklichen Dingen um Hilfe.
Um im Zug nicht so weit laufen zu müssen, hat er sich einen Sitzplatz in der Nähe der Tür gebucht. Marie hilft ihm bis zur Tür des ICEs. Ab da kommt Ralf alleine zurecht. Er verstaut seinen Rucksack und legt das zusammengerollte Geschenk und den Strauß mit den Lieblingsblumen von Tante Anna – Osterglocken – vorsichtig in die Gepäckablage. Nun kann seine Reise beginnen. [Änderung der Redaktion, 29. Januar 2015]

Umsteigen leicht gemacht

Als Ralf seinen Zug gebucht hat, ist ihm aufgefallen, dass er in Kassel-Wilhelmshöhe umsteigen muss. Er erinnert sich, dass er neulich an einem Bahnhof beobachtet hat, wie eine Mitarbeiterin der Bahnhofsmission einer älteren Dame beim Einsteigen in einen Zug geholfen hat. Das wäre doch genau das, was er bräuchte. Ralf setzt sich erneut an seinen Laptop und öffnet bahn.de. In der Rubrik Services findet er einen Link zum Mobilitätsservice. Vielleicht ist das ja, was er sucht?

Neugierig klickt er auf den Link und stellt mit Freude fest, dass das genau das ist, was er gesucht hat. Der Service bietet kostenlos Hilfe beim Ein-, Um- und Aussteigen und der Service kann sogar online gebucht werden. Den Service gibt es nicht an allen Bahnhöfen, aber in Kassel-Wilhelmshöhe wird er angeboten. Ralf füllt das Online-Formular mit seinen Reisedaten aus. So wissen die Mitarbeiter, wo genau sie Ralf finden und er sendet es per Mail an die Mobilitätsservice-Zentrale. Er bekommt später noch eine Mail, in der die von ihm angefragte Hilfe bestätigt wird.

Wenn man diesen Service lieber mit einem persönlichen Gespräch buchen möchte, kann man über die kostenpflichtige Hotline mit einem Mitarbeiter der Mobilitätsservice-Zentrale sprechen und die Hilfe anmelden.

Umsteigen in Kassel-Wilhelmshöhe und weiter geht die Fahrt

Die Mitarbeiter haben einen freundlichen Service-Mitarbeiter organisiert, der ihn in Kassel-Wilhelmshöhe an der Tür seines Wagens trifft. Der Mitarbeiter hilft ihm beim Aussteigen und trägt Geschenk, Rucksack und Blumen für Ralf zum Anschlusszug nach Hamburg. Beide warten, bis der Zug einfährt und Ralf kann wieder mitsamt Gepäck einsteigen und seine Reise fortsetzten.

 

kassel-wilhelmshöhe

Der zweite Teil der Reise von Kassel-Wilhelmshöhe nach Hamburg ist sehr angenehm, Ralf entspannt sich wunderbar mit einem Kaffee und seinem neuen Buch und freut sich auf die Familienfeier.

Endlich: Blumen für Tante Anna

Aber wie kommt Ralf dann in Hamburg aus dem Zug und zum Restaurant, wo die Feier stattfindet? Ralfs Schwester Tine studiert in Hamburg und hat sich angeboten, ihn abzuholen. Er hat eine Stunde vor der Ankunft in Hamburg noch mit ihr telefoniert, um zu sagen, dass der Zug pünktlich in Hamburg an Gleis 17 ankommen wird. Tine weiß in welchem Wagen er sitzt und hat sich über den Wagenstandsanzeiger am Gleis informiert, in welchem Abschnitt Ralf ankommt. Sie wartet an der Tür und bittet die Menschen, die aussteigen möchten, sie kurz einsteigen zu lassen, um ihrem Bruder zu helfen. Sie schnappt sich das Geburtstagsgeschenk und den Rucksack und beinahe hätten beide die Blumen vergessen, die noch in im Gepäckfach lagen.
Anschließend fahren beide zur Geburtstagsfeier und die ganze Familie erlebt einen wunderschönen Abend mit der Jubilarin, die sich sehr darüber freut, dass ihr Lieblingsneffe zu ihrer Feier kommen konnte.

Blumenstrauss

 

Mobilitätsservice-Zentrale

Die Mobilitätsservice-Zentrale ist über folgende Kontaktdaten täglich von 6:00 bis 22:00 Uhr für Sie erreichbar:

Telefonnummer: 0180 6 512 512*
Faxnummer: 0180 5 159 357**
E-Mail: msz@deutschebahn.com

* 20 ct/Anruf aus dem Festnetz, Tarif bei Mobilfunk max. 60 ct/Anruf
** 14ct/Min. aus dem Festnetz, Tarife bei Mobilfunk ggf. abweichend, max. 42 ct/Min

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3 Antworten
  1. says:
    Falsche Versprechungen

    Hallo inside.bahn-Team, ist ja nett, dass der Service hier so anschaulich beschrieben wird, aber es weckt doch arg falsche Erwartungen: Leute zu ermutigen in den Zug zu steigen um die Bekannten/Verwandten zum Sitzplatz zu bringen … No way. Kann gut gehen, muss es aber nicht. Häufig genug bleiben die Leute im Zug, weil die Türen schneller schlossen als gedacht und fahren dann bestenfalls bis zum nächsten Halt mit. Da mag der reservierte Sitzplatz noch so nah an der Tür sein. Dann dürfen sie natürlich erstmal einen Fahrschein zahlen oder auf sehr kulantes Personal hoffen. Im schlimmsten Fall stürmen sie zur schließenden Tür und halten sie mit Gewalt auf. Türstörung mit Verspätung. Oder noch schlimmeres, wenn der Kunde aus dem anfahrenden IC stürmt. Der Service muss mindestens bis zum Vortag 20 Uhr angemeldet werden, sonst kann die Bearbeitung durch die MSZ nicht garantiert werden (bei einigen innerdeutschen und allen internationalen Verbindungen 48 Std. vorher). Im Zug online anmelden und noch eine Bestätigungsmeldung binnen 4 Std. Zugfahrt bekommen? Ausgeschlossen. So kurzfristig klappt das bei Verfügbarkeit des Personals nur bei Anmeldung über den Zugchef bzw. direkt über die zuständige 3-S-Zentrale. Um die zuständige 3-S-Z zu finden sei bahnhof.de ans Herz gelegt. Der Mobilitätsservice ist kein Gepäckträgerservice. Einen Rucksack und Blumen gerne. Aber ein übergroßes Geschenk? Da muss der gute Wille des Service-Mitarbeiters schon übergroß sein. Hier richtet sich alles nach den Beförderungsbedingungen. Mitnahme nur so viel, wie man selbst tragen kann. Bei Anmeldungen über die MSZ werden Anfragen mit mehr als 2 Gepäckstücken übrigens gleich abgelehnt, sofern der Reisende nicht mind. einen Teil des Gepäcks selbst trägt.

    Also bitte für die Zukunft eines merken: Die vorhandenen Services der Bahn gerne anpreisen, denn Serviceleistungen sind eine große Stärke der Bahn. Aber doch bitte, bitte – um der Kundenerwartung gerecht zu werden – bei der Wahrheit bleiben. Denn zufriedene Kunden haben wir nur dann, wenn versprochene Leistungen auch tatsächlich geleistet werden.

    Grüße von einem Mitarbeiter DB Info, Service, örtliche Aufsicht Mannheim

    Melden
    • says:

      Hallo MKleinau, zuerst einmal vielen Dank, dass Sie sich mit diesem Thema umfassend auseinandergesetzt und uns Anregung mit auf den Weg gegeben haben.

      Mit inside.bahn.de möchten wir unseren interessierten Lesern Reisegeschichten durch Anreize näherbringen, wie sich die Fahrt gestalten kann. Zum Beispiel, wenn unser Ralf nicht gut zu Fuß ist. Dabei soll der Artikel nicht zu 100 Prozent die Beförderungsbedingungen widerspiegeln. Unsere Autoren versuchen jedoch, im Rahmen ihrer künstlerischen Freiheit die fachlichen Details zu berücksichtigen bzw. diese aufzugreifen. Im Beispiel kann unser Ralf seinen Rucksack z. B. auch selbst tragen und weil es eine Geschichte ist, übernehmen unsere Kollegen neben der Collage auch den Strauß Blumen. Ralf möchte ja trotz seines Gipsbeines seine Lieblingstante besuchen und macht sich auf den für ihn umständlichen Weg, um an diesem hohen Jubiläum teilzunehmen. 🙂

      Grüße nach Mannheim! /ch

      Melden