Projekt Tunnelbau

– Sprengsätze, Bagger, Dumper: So entstehen neue Tunnel

Ein lauter Knall, Rauch steigt auf – dann wird es hektisch. Keine Sorge, wir befinden uns nicht in einem Steinbruch, sondern im Tunnel Falkenberg: einem von vier neuen Tunnelbauwerken, die innerhalb des Projekts ABS Hanau-Nantenbach entstehen. Auf kleinstem Raum fahren Bohrmaschinen und spezielle Tunnelfahrzeuge, die Erde abtransportieren oder Beton anliefern, umher. Tunnelarbeiten sind ein logistisches Meisterwerk und erfordern präzise Abstimmung.

Nicht immer werden Tunnelarbeiten von Rauch und Sprengungen begleitet. Wir zeigen Ihnen die verschiedenen Bauweisen im Überblick:

Die „Offene Bauweise“

Die offene Bauweise kennt vermutlich jeder, der schon mal ein Haus oder eine Garage gebaut hat. Beim Tunnelbau wenden wir diese Form ebenfalls an, wenn die Überdeckung des künftigen Tunnels durch Erde oder Gestein relativ gering ist.

Als erster Schritt wird die Baugrube seitlich gegen das Erdreich abgesichert. Dies geschieht beispielsweise mittels sogenannter Bohrpfähle, die in die Erde getrieben werden und die Baugrube vor Grund- und Sickerwasser schützen. Anschließend wird die Baugrube von oben ausgehoben und der eigentliche Tunnel als rechteckiges Rahmenbauwerk darin errichtet. Dabei kommt das Fundament, die sogenannte Sohle, als erstes dran. Danach folgen die Seitenwände, welche mit Hilfe von Bewehrungsstahl und wasserundurchlässigem Beton hergestellt werden. Sind Sohle und Seitenwände eines Abschnitts fertig, wird der Deckel eingebaut und das Bauwerk somit geschlossen.

Im Gegensatz zur bergmännischen Herangehensweise bleibt das Tunnelbauwerk während der gesamten Bauphase offen und wird nach und nach, sobald ein Abschnitt fertig ist, bis zur Geländeoberfläche überschüttet.

Die „Bergmännische Bauweise“

Die Form der Bauweise hängt sowohl von der geologischen Beschaffenheit des Gesteins, als auch von der Höhe der Überdeckung bzw. des Berges oder Hügels ab. Bei der bergmännischen Bauweise werden die Tunnelröhren Schritt für Schritt aus dem Gebirge gelöst. Dies passiert entweder mittels Sprengung oder mit Hilfe einer speziellen Bohrmaschine oder mit dem Bagger.

  1. Der Sprengvortrieb

Zuerst sprengen die sogenannten Mineure einen runden Teilquerschnitt des Tunnels aus dem Gestein. Dafür bohrt ein 27 Tonnen schwerer Bohrwagen die Löcher für den Sprengstoff. Dabei ist Präzisionsarbeit angesagt, damit der gewünschte Teil sicher herausgebrochen werden kann. Während der Sprengmeister alles für die Sprengung vorbereitet, machen sich die Mineure bereits in den riesigen LKWs, den Dumpern, für den Abtransport bereit. Von einem sicheren Platz im Tunnel aus ist es dann soweit: ein Knopfdruck, ein lauter Knall, Rauch steigt auf. Danach läuft alles wie von selbst: Die Dumper transportieren das herausgebrochene Material nach draußen, anschließend wird der Bereich mit schnelltrocknendem Spritzbeton abgesichert und schon beginnt der Ablauf von vorne. Alle Schritte sind perfekt aufeinander abgestimmt.

Sobald die Mineure auf der anderen Seite des Tunnels angekommen sind und der Tunnel-Durchschlag erfolgt ist, wird die Innenschale des Tunnels erstellt. Dabei bringen die Arbeiter eine Folie an, die das Bauwerk vor einsickerndem Wasser schützt. Anschließend erstellen sie eine Konstruktion aus Stahlgitter, die bereits die Form der späteren Tunnelröhre vorgibt. Ist ein Abschnitt fertig, fährt ein spezieller Schalwagen Stück für Stück durch das Bauwerk und kleidet die Innenschale aus, indem er Stahlbeton in die Gitter-Konstruktion presst. Dann kann der Innenausbau beginnen und die Fahrbahnen, Oberleitungen sowie die Leit- und Sicherungstechnik werden installiert.

 

  1. Maschineller Vortrieb

Während beim Sprengvortrieb manuell Sprengsätze gesetzt und gezündet werden, bohrt sich bei dieser Art eine große Maschine mit einer speziellen Bohrscheibe unter Druck durch den Tunnel. Gleich danach werden Betonsegmente zu einem Ring zusammengesetzt und schon steht der Rohbau des Tunnels. Das Ausbruchsmaterial wird über Pumpen und Förderbänder aus dem Tunnel transportiert.

Eine Tunnelvortriebsmaschine kommt beispielsweise beim Bau des Tunnels Rastatt zum Einsatz, der innerhalb des Projekts Ausbau- und Neubaustrecke Karlsruhe-Basel entsteht. Ein Modell können Sie im Infocenter des Projekts besichtigen.

Tunnelvortriebsmaschine im Einsatz

Sie möchten sich die Baustelle eines Projekts gerne mal aus der Nähe anschauen? Informieren Sie sich am Besten im jeweiligen Infocenter des Projekts. Alle Bauprojekte und deren Webseiten finden Sie in unserem BauInfoPortal.

 

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