Sieben Songs, auf die Sie beim Bahnfahren nicht verzichten können

– Songs über Fernweh, Freiheit und Fantasie – die Musikgeschichte ist voll mit Zügen.

Wer schon mal in der Bahn aufmerksam Musik gehört hat, weiß, wie einzigartig das ist. Plötzlich steigt Johnny Cash in den Zug ein und singt das Lied, in dem er alles hinter sich lässt. Wir hoffen mit ihm, dass die Fahrt endlich beginnt: Let the train blow the whistle.

Der Gott des Country sitzt neben uns im Abteil. Die Pfeife tönt tatsächlich lang, und stark und fröhlich, genau wie er es singt. Die Stimmung der Songs springt auf uns über, ganz schnell werden wir zu einem Teil der Erzählungen. Das Abteil und die Passagiere darin färben sich in der Farbe der Musik. Als wären sie, ohne es zu wollen, Schauspieler eines zufällig entstandenen Videoclips. Nur wir wissen, welche Rolle sie darin spielen.

Songtexte, in denen Züge vorkommen, erklären so vieles auf einmal. Es geht immer um Aufbruch und Befreiung, aber auch um Veränderungen und die großen Fragen der Zukunft. Und das innerhalb eines geschützten Raums. Denn der Zug rollt von allein. Die eigentliche Arbeit macht jemand anderes.

Was jedoch so bewegend ist am Zugfahren: Die Entscheidung zum Einsteigen musste gefällt werden. Ob aus Liebe oder mit gebrochenem Herzen. Ob bei Regen oder Sonne. Ob mit einer kleinen Angst im Nacken oder voller Zuversicht. Eine Zugfahrt ist fast immer von einem Gefühl besetzt. Sich dessen klar zu werden funktioniert am besten während der Fahrt. Wer etwas auf sich hält, besingt das auch gleich.

Die Weichen sind gestellt

Die Weichen sind gestellt, die Kopfhörer drin, die Fahrt beginnt. Egal, was für einen Tag wir hinter uns lassen, wir fühlen uns wie die Pioniere. Wir reisen auf den eisernen Schienen der Sonne entgegen, die Kraft des Zugs rückt ins Bewusstsein, die Bedeutungslosigkeit des einzelnen Augenblicks wird immer klarer. Plötzlich steht nur noch das Wesentliche im Mittelpunkt. Und gerade der Zug selbst ist die perfekte Metapher für dieses Gefühl.

Nicht nur Johnny Cash bat inständig darum, endlich losfahren zu können. „Sind die Weichen gelegt wirst Du gleich bewegt. Die Masse treibt und geht den leichten Weg.“, so rappte es der Heidelberger Toni L. Und genau das ist es. Eine Bahnfahrt ermöglicht es, schnell an ein Ziel zu kommen, ohne dabei zu hetzen. Als Passagiere dürfen wir endlich durchatmen, es zählt nicht mehr jeder Schritt. Abschalten und auf das Wesentliche konzentrieren.

Wir springen an Bord

Rollt der Zug erst mal, gibt es kein Halten mehr. Über die Schnelltrasse ziehen wir vorbei an Staus, Tunneln, roten Ampeln und Schranken.. Auf ihre minimalistische Art verarbeiteten die Erfinder der elektronischen Musik dieses Gefühl. In „Trans Europa Express“ von Kraftwerk fährt ein beruhigend gleichmäßiger, und dennoch antreibender Beat durch Europa. Paris, Wien, Düsseldorf – wer mit der Bahn unterwegs ist, kennt keine Entfernungen mehr.

Am besten fährt es sich aber mit guten Freunden. In „Friendship Train“ singen Nancy Sinatra und Lee Hazlewood als zwei verletzte Herzen, die einander ewige Freundschaft schwören. Die Fahrt in die Zukunft beginnt für die beiden auf den Schienen. Gemeinsam lassen sich die Verletzungen der Vergangenheit besser aushalten. Wagemutig stürzen die Freunde sich in das Abenteuer nach einer Liebe. Voll Zuversicht und mit der Sicherheit, dass der Zug der Freundschaft sie dorthin bringen wird, wo die Welt wieder schöner ist. Mit einer zärtlichen Melodie sagen sie: Spring auf, wir fahren gemeinsam.

Etwas bleibt auf der Strecke

Doch manche Songs, die sich mit Zügen beschäftigen, haben auch eine melancholische Note. Klar, wenn es draußen regnet oder am Ziel etwas Schwieriges wartet, kommen auch Gedanken auf, die nicht nur von größtem Optimismus geleitet sind. Gerade dann ist die Zeit im Zug so kostbar.

Ob Fernbeziehung oder eine lange Reise, so viele kennen dieses starke Gefühl. Ein Herz von außen an die geschlossene Tür gemalt, in der Hoffnung, die Bedeutung dringt durch das Glas: Ich liebe dich, bitte komm wieder zurück. Selbst Elvis Presley hat sich wegen eines Zugs gefragt, ob er sein Mädchen jemals wiedersehen wird. Bis zum Schluss von „Mystery Train“ wird nicht klar, ob der Zug, der da um die Ecke fährt, die Liebe wieder zurückbringen wird. Er weiß nur, dass er sie nie wieder gehen lassen will.

Mick Jagger sitzt ganz eindeutig im Zug, statt auf ihn zu warten. Für den Sänger der Rolling Stones ist er ein Fluchtfahrzeug. Er hatte seine Freundin öfter gewarnt, aber sie schert sich nicht um ihn. Jetzt fährt er mit Wutschreien und ohne Rücksicht auf Verluste zurück gen Süden. In „I’m moving on“ bittet er den Schaffner flehend, dass der bitte endlich losfährt. Voller Inbrunst scheint er am Bahnsteig zu stehen und zu rufen: „Ich bin durch mit dir. Sorry, wenn es dir wehtut, aber ich muss weiter.“

Der Zug ist abgefahren

Christian Anders ist leider gezwungen, im Zug zu sitzen. Vor über vierzig Jahren veröffentlichte er einen seiner größten Hits. In Deutschland stand dreißig Wochen lang auf Platz eins der Hitlisten der „Zug nach nirgendwo“. Er reist er in eine ungewisse Zukunft. Maria hat ihm den Seitensprung nicht verziehen. Und doch macht Herr Anders es genau richtig. Denn er ist zwar ohne Maria unterwegs, dafür aber offenkundig mit einer Gitarre, etwas Zeit und viel Wehmut im Herzen.

Die Faszination des Zuges ist bis heute ungebrochen. Immer wieder taucht er in der Popmusik auf. Sei es als Symbol für den Aufbruch, den Wagemut, die Melancholie oder die verpasste Chance. Denn als Fortbewegungsmittel ist der Zug schnell und zuverlässig, er verbindet wichtige Zeitabschnitte miteinander. Er kann sowohl Fernweh, als auch Heimweh kurieren. Er ist Fortbewegung und Entwicklung.

Und gleichzeitig kann man nirgendwo so große Teile der täglichen Verantwortung abgeben, wie hier. Es kommt das gleiche Gefühl auf wie in der Kindheit, als man hinten im Auto einschlief. Dieses Vertrauen in die Sicherheit, obwohl man selbst den Weg nicht kennt. Die Zeit genießen, den Alltag ablegen – und trotzdem unfassbar schnell ankommen. Wo sollte das besser funktionieren, als zurückgelehnt im Sitz, mit Kopfhörern in den Ohren und der Gewissheit, dass der Weg das Ziel ist.