Der Stromabnehmer – wo die Energie fließt

– Lernen Sie Funktionsweise und Herausforderungen eines Stromabnehmers kennen. Wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengestellt.

Wie selbstverständlich fahren Züge täglich von Norden nach Süden, von Osten nach Westen. Früher mit Dampf betrieben, heute mit elektrischem Strom, der aus der Oberleitung kommt und von einem Stromabnehmer übertragen wird. Erfahren Sie, wie ein Stromabnehmer funktioniert.

Was ist ein Stromabnehmer?

Ein Stromabnehmer überträgt elektrische Energie aus der Oberleitung, hin zu einem Fahrzeug. Der Strom treibt primär die Maschine an, darüber hinaus auch die Heizungen, Klimaanlagen oder das Licht. Es gibt verschiedene Arten von Stromabnehmern: den Lyrabügel (häufig bei der Straßenbahn), den Scherenstromabnehmer und den Einholmstromabnehmer.

Sie bestehen aus Oberarm, Unterarm, einem Hebantrieb (zum Aufstellen oder Absenken), aus Paletten (Trägern) und Schleifleisten. Die Schleifleisten bilden die direkte Kontaktstelle zur Oberleitung. Während der Fahrt verlaufen sie im Zickzack entlang der Drähte.

Stromabnehmer auf dem ICE 1

Den Strom selbst liefern die Umspannwerke – sie verwandeln Starkstrom in Einphasenwechselstrom. Da die elektrische Leitung nur als Kreislauf funktioniert, wird der Strom aus dem Fahrzeug über die Schienen zurück zu den Stromwerken geleitet. Unser Stromnetz ist ca. 7.700 Kilometer lang und funktioniert auf einer Frequenz von 16,7 Hertz. Täglich versorgt es etwa 20.000 Züge mit Strom.

Herausforderungen mit der Oberleitung

Die Oberleitung ist ein komplexes System – besonders das Wetter macht den empfindlichen Fahrdrähten zu schaffen. Im Winter behindern Schnee und Eis den reibungslosen Zugverkehr. Im Herbst oder Frühling reißen starke Winde die Leitungen kaputt. Aber auch Tiere oder Diebstahl von Buntmetallen gefährden die Funktionalität.

Sobald der Kontakt zwischen Stromabnehmer und Oberleitung unterbrochen wird, steht der Zug – eine technische und logistische Herausforderung, die schnelles Handeln erfordert, da sich die Effekte sofort auf andere Teile des Verkehrs auswirken: Anschlusszüge werden nicht erreicht, nachfolgende Züge auf der gleichen Strecke verspäten sich und auch der Gegenverkehr muss unter Umständen warten.

Im Winter befreien wir mit Putzlocks den Fahrdraht auf besonders anfälligen Strecken kontinuierlich vom Eis. Alternativ fahren die Lokomotiven mit einem zweiten Stromabnehmer. Außerdem verfügen moderne Triebfahrzeuge über sogenannte Schutzschaltungen. Sie unterbrechen den Stromfluss für den Zug und senken den Stromabnehmer.