Tschüß, bis Montag … sind in Frankfurt!

– Von wegen teuer: Low-Budget-Reisetipps für die Main-Metropole.

Fällt der Name Frankfurt am Main, denken viele zuerst an Banken und Geld, Hochhäuser und Flughafen, Schlips und Schampus. Das ist aber nur eine Seite der Stadt. Denn Frankfurt ist kontrastreich und wird belebt durch eine kreative Studenten-Szene, coole Gastrokonzepte und internationales Flair. Es ist also längst nicht alles chic und teuer, man kann auch mit kleinem Budget großen Spaß haben. Hier meine Tipps für einen günstigen Wochenendtrip nach Frankfurt:

Goethestrasse

Keine Angst, auch auf der exklusiven Goethestraße muss man für "nur gucken" nichts bezahlen

In die Federn!

In Frankfurt stehen Wochenendreisende vor der Herausforderung, aus 269 sogenannten Beherbergungsbetrieben die passende Unterkunft zu wählen. Am preiswertesten sind Betten in der Jugendherberge, in Hostels oder in privaten Unterkünften (z.B. via airbnb.de). Die Jugendherberge Frankfurt punktet mit Blick auf den Main und kostenlosem WiFi. Hier zahlt ein junges Paar (unter 27) für ein Zweibettzimmer mit eigenem Bad und Frühstück nur 66 Euro pro Nacht. Tipp: In der Jugendherberge bekommen Sie kostenlose Stadt- und Fahrpläne.

Auch einige coole Hostels sind in Frankfurt zu finden. Mir gefällt das 5 Elements im multikulturellen Bahnhofsviertel. Ein Doppelzimmer mit eigenem Bad kostet pro Nacht ca. 60 Euro. Wer Lust auf authentische Hostel-Atmosphäre hat, mietet sich im Schlafsaal ein und zahlt nur 18 Euro pro Nacht. Das Frühstück kostet extra, ist aber mit 4,50 Euro sehr günstig und auf jeden Fall zu empfehlen.

Wem Jugendherberge und Hostel zu karg sind, findet in Frankfurt auch schöne bezahlbare Hotels mit mehr Komfort. Mein Tipp ist das charmante Hotel Europa Style direkt am Hauptbahnhof. Die Zimmer sind angenehm groß, geschmackvoll eingerichtet und gut ausgestattet. Ein Zweibettzimmer gibt es inklusive Frühstück schon ab etwa 70 Euro pro Nacht.

Denjenigen, die viel Wert auf eine besondere Unterkunft legen und auf Reisen lieber an anderen Ecken sparen, empfehle ich Das Lindenberg. Bei TripAdvisor wird das Hotel als Mischung aus Edelhostel und WG beschrieben – das trifft den Nagel auf den Kopf! Den WG-Charakter erhält das wunderschön und detailverliebt eingerichtete Hotel durch einige Langzeitgäste (man kann die Suiten monatsweise mieten), die gemeinsame Küche (jeder Gast bekommt einen eigenen Kühlschrank), den Esssalon, den Garten und das Kaminzimmer. Wow! Eine Zweibettsuite kostet 149 Euro zuzüglich Frühstück.

Ab nach draußen!

Der erste Weg sollte bei schönem Wetter direkt an das Mainufer führen. Spaziert man auf der Sachsenhäuser Seite, hat man einen tollen Blick auf die Skyline und kommt früher oder später am Maincafe vorbei: der perfekte Sonnenplatz für eine kurze – oder auch längere – Pause. Mit etwas Glück wird gerade ein Platz am Tisch frei, dann kann man ganz entspannt einen Kaffee trinken und die Spaziergänger beobachten. Wer sein Budget schonen möchte, bringt sich einfach eine Picknickdecke und Proviant mit und setzt sich neben dem Café auf die Wiese. Das machen im Sommer hunderte Frankfurter so.

Wenn Sie ein sonniges Wochenende erwischt haben, lohnt sich auch der Besuch von Frankfurts Parks. Sehr schön ist zum Beispiel der Günthersburgpark (Nordend-Ost). Auf der als Spielpark ausgelegten Grünfläche haben nicht nur Kinder viel Spaß, sondern auch Erwachsene. Sie vertreiben sich hier ihre Zeit mit Boule, Spaziergängen oder Picknicks. Jeden Sommer findet im Günthersburgpark vier Wochen lang das Open-Air-Kulturfestival STOFFEL statt – ein absolutes Muss für Frankfurt-Besucher! Tolles Programm, gemütlich-lockere Atmosphäre und freiwilliger Eintritt. Mit 29 Hektar etwa vier Mal so groß ist der Grüneburgpark (Westend). Der Koreanische Garten ist ein echtes Highlight, aber auch die fünf Spielplätze, die einladenden Wiesen und mächtigen Bäume. Hinweis: Momentan wird der Park saniert, sodass mit Sperrungen und Baustellen gerechnet werden muss.

Bei schlechtem Wetter bietet sich ein Besuch von Frankfurts hervorragender Museumslandschaft an. Egal ob Sie sich für Architektur, moderne Kunst, Archäologie, Fußball oder Goethe interessieren – für jeden Geschmack gibt es in Frankfurt das passende Museum oder Ausstellungshaus. Ein Museumsbesuch in Frankfurt ist nicht ganz günstig, aber in vielen Einrichtungen wird am letzten Samstag im Monat kein Eintritt erhoben.

Besonders bekannt ist Frankfurt für seine Hochhäuser. Ein Spaziergang durch die Innenstadt gehört zu einem Wochenendtrip also definitiv dazu. Wer sich für die Architektur und Geschichte der Hochhäuser interessiert, sollte vor seiner Reise bei den Frankfurter Stadtevents eine passende Führung buchen. Die Tour Frankfurts Riesen mit der Kunsthistorikerin Silke Wustmann ist beispielsweise sehr empfehlenswert (13 Euro).

Schnäppchentipp: Für einen tollen Ausblick von oben auf die Stadt muss man nicht die 6,50 Euro Eintritt für den Maintower ausgeben, sondern kann für weniger als die Hälfte die Aussichtsplattform des Frankfurter Domturms erklimmen (328 Stufen) oder ganz umsonst von der Dachterrasse der Zeilgalerie herunterschauen.

An den Tisch!

Wer gern Falafel ist, sollte das Aroma auf dem Oeder Weg aufsuchen. Eine ehemaliges Büdchen wurde zu einem fabelhaften Imbiss umfunktioniert, vor dem eine Handvoll Stehtische nie lange auf hungrige Kundschaft warten müssen. Für etwa 5 Euro wird man hier satt und glücklich.

Die leckersten Pommes Frites in Frankfurt habe ich bei Bully’s Burger auf dem Markt im Hof (Sachsenhausen) gegessen. Auf Frankfurts erstem Streetfood-Markt kommen jeden Samstag zahlreiche Foodtrucks und Essensstände zusammen und verkaufen allerhand bezahlbare Köstlichkeiten für das leibliche Wohl: Neben Burgern und Süßkartoffelpommes bei Bully’s sind auch Flammkuchen von Madame Flamme, Törtchen von Krümelrausch und Limos von Madame Herrlich absolut… na, wie sag ich’s am besten… herrlich!

Ebenfalls auf der Sachsenhäuser Seite befindet sich die Museumsmeile, in deren Nähe einige kleine Cafés und Bistros zum Pausieren einladen. Ein echter Geheimtipp ist das Bistro im Museum für angewandte Kunst. Hier können es sich Wochenendreisende bei hausgemachtem Kuchen und frisch gebrühtem Kaffee gutgehen lassen, den Blick über den Emma Metzler Park schweifen lassen und natürlich die sehenswerten Ausstellungen des Museums besuchen.

Wer in der Innenstadt nach einem günstigen Mittagessen sucht, wird im Souper fündig (Weißadlergasse 3). Das freundliche Personal in Frankfurts ältester Suppenbar verkaufen herzhafte Suppen und Eintöpfe für maximal 5 Euro. Mit ein bisschen Glück bekommt man auch draußen einen freien Platz, wo Sessel und eine alte Hollywoodschaukel vom bunten Nachbarlokal The Place to be stehen. Da beide Lokale von der gleichen Betreiberin geführt werden, mischt sich das Publikum munter. Sonntags haben beide Lokale geschlossen.

Leckeres italienisches Essen gibt es in Bahnhofsnähe, nämlich im 7 Bello. Das kleine Stehrestaurant in der Niddastraße ist wahrlich kein Geheimtipp mehr und ist fast rund um die Uhr rappelvoll. Für wenig Geld bekommt man hier Frankfurts beste Pizza und Pasta.

In die Tüte!

Wer nach Frankfurt zum Shopping kommt, hat in der Innenstadt die Auswahl zwischen großen Flagship-Stores bekannter Marken, einiger Billigmode-Ketten und Luxus-Boutiquen. Schon wegen seiner außergewöhnlichen Architektur ist das Einkaufszentrum MyZeil einen Besuch wert. Wer gezielt nach Mode-Schnäppchen sucht, wird am ehesten in Bockenheim auf der Leipziger Straße fündig. Dort hat nämlich 2014 ein großer Zalando Outlet Shop eröffnet.

Der Frankfurter Flohmarkt, der am Samstagvormittag immer im wöchentlichen Wechsel am südlichen Mainufer (Schaumainkai) sowie am Osthafenplatz, entlang der Lindleystraße, stattfindet, ist leider nur bedingt zu empfehlen. Hier braucht man ein sehr gutes Auge und viel Geduld, um zwischen dem angebotenen Ramsch ein paar Schätze zu finden.

Auf die Piste!

(Nicht nur) am Wochenende gehen Frankfurter gerne feiern. Wer dabei aufs Geld achten möchte, meidet besser die bekannten Clubs und geht stattdessen bodenständiger aus.

Typisch für Frankfurt sind rustikale Apfelweinkneipen, zum Beispiel der Kanonesteppel (Sachsenhausen) oder Apfelwein Solzer (Bornheim) mit einem wunderschönen Garten. Hier bestellt man einen Bembel Apfelwein für den Tisch, dazu Mineralwasser zum „sauer Spritzen“ und eine deftige Mahlzeit als Grundlage für weiteres Nightlife.

Mit viel Liebe und freundlichem Personal überzeugt die Musikkneipe Feinstaub im Frankfurter Nordend. Hier gibt es kein Schickimicki, dafür aber tolle Atmosphäre und Bier zu moderaten Preisen. Die Kneipe hat von 19 bis 2 Uhr nachts geöffnet. Wenn man Freitags dort ist, kann man auch schauen ob 500 Meter weiter auf dem Friedberger Markt (Nordend) noch was los ist. Freitags nach Feierabend treffen sich hier hunderte Frankfurter und läuten entspannt das Wochenende ein, kaufen sich Wein an den Marktständen oder bringen sich selbst etwas zu trinken mit. Wenn hier nichts mehr los ist, geht die Party oft an einem der Kiosks oder Wasserhäuschen weiter.

Nostalgisch und stilvoll geht es in der Old Fashioned Bar zu. Jeden 4. Freitag im Monat wird in der schönen Bar zu Swing und Musik der 20er bis 50er Jahre das Tanzbein geschwungen. In angemessener Kleidung, versteht sich. Der Eintritt ist frei und die Getränkepreise sind mehr als vernünftig.

Cineasten werden an der tollen Filmauswahl des Filmmuseums Frankfurt Gefallen finden. Gezeigt werden internationale Filme in Originalversion, thematische Filmreihen und spannende Dokumentationen. Der Eintrittspreis beträgt 7 Euro – ein echtes Schnäppchen verglichen mit Frankfurts üblichen Wochenend-Kinopreisen.

Weitere Favoriten für einen tollen Samstagabend in Frankfurt sind die familiäre Bar Pracht im Bahnhofsviertel mit ausgefallener Event-Programm und die stylische Bar ohne Namen (am Eschenheimer Tor), die zu den besten Cocktailbars der Stadt zählt. Das Preisniveau ist nicht ganz niedrig, aber für Frankfurter Verhältnisse fair.

In die Kamera!

Mein Tipp für ein Frankfurt-Selfie: In der Abenddämmerung am Mainufer spazieren gehen und einen Abstecher auf die Flößerbrücke machen. Von dort hat man den besten Blick auf die Frankfurter Skyline und somit den schönsten Hintergrund für ein Selfie.

Für daheim!

Was auch bei einer kurzen Wochenendreise nicht fehlen darf ist ein schönes Frankfurt-Souvenir – entweder für sich selbst oder die Daheimgebliebenen. Einen eigenen Apfelwein-Bembel – auch individualisiert – bekommt man im kultigen Frankfurter Dippemarkt (Innenstadt). Ebenfalls typisch Frankfurt ist eine Dose mit Gref-Völsing Rindswürsten, die in vielen Geschäften erhältlich ist. Zum Beispiel im Hessen-Shop (u.a. in Bockenheim), in dem es so viele tolle Frankfurt-Souvenirs gibt, dass Ihr Low-Budget-Vorhaben für das Wochenende ganz schnell in Vergessenheit gerät…

Viel Spaß in Frankfurt wünscht Ihnen

Karen