VDE 8 – eine neue Strecke für Deutschland

– Was die neue Schnellfahrstrecke mit der Deutschen Einheit zu tun hat.

Bald ist es so weit: Reisende können in Rekordzeit von Berlin nach München und zurück reisen. Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8), die Strecke zwischen Nürnberg und Berlin, wird im kommenden Jahr fertiggestellt. Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015 wurde bereits das Teilprojekt VDE 8.2, die 123 Kilometer lange Schnellfahrstrecke zwischen Erfurt und Halle/Leipzig, eröffnet und damit das Tempo im Ost-West-Verkehr deutlich erhöht.

Ein Prestigeprojekt für die Deutsche Einheit

Das Zehn-Milliarden-Projekt wurde 1991 von der Bundesregierung mit dem Ziel beschlossen, die Verkehrsverbindung zwischen Ost und West, zwischen Nord und Süd auf Schiene, Straße und Wasserwegen auszubauen. Neun Schienenprojekte gibt es dabei für die Deutsche Bahn zu bewältigen, wovon die meisten bereits abgeschlossen sind. Das Projekt Nr. 8 ist dabei das letzte Projekt, das in Teilprojekten realisiert wird.

Im folgenden Video erläutert Prof. Wolfgang Watzlaw, Projektleiter VDE 8.2 von 1991 bis 2003, die Anfänge des VDE 8 Projekts:

Prof. Wolfgang Watzlaw spricht über die Anfänge des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 8 und erläutert, wie das Projekt aufgesetzt wurde.

VDE 8: Technische Raffinesse und europäische Standards

Wo der Name und Umfang des Projekts dem Ganzen ein etwas angestaubtes Image verpassen mag, setzt die technische Umsetzung der neuen Strecke innovative Maßstäbe im Schienenbau und erfüllt europäische Standards.

Das Zugleitsystem, das ohne Signale an der Strecke funktioniert, einheitliche Höhen der Bahnsteigkanten und die behindertengerechte Ausstattung der Bahnsteige sind europäische Anforderungen, die erfüllt wurden. Somit schließt die neue Strecke eine Lücke im Transeuropäischen Schnellbahnnetz und ermöglicht es, dass Züge ohne Lokwechsel, Zughalt oder dem Wechsel des Zugleitsystems von Sizilien bis nach Stockholm verkehren können.

Schienen, die auf einer sogenannten „Festen Fahrbahn“ eingesetzt wurden, sind ein weiteres Schmankerl der neuen Schnellfahrstrecke. So wurden Betonplatten millimetergenau verlegt und auf den bisher gängigen Schotter verzichtet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Neben weniger Erschütterung im Zug ist die „Feste Fahrbahn“ weniger wartungsintensiv als ein herkömmliches Schotterbett.

Weitere technische Finessen und Einblicke finden Sie auf der offiziellen Webseite des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 8.

Und was passiert als Nächstes?

Wer schon einmal von Berlin nach München gefahren ist, wird müde schmunzeln über das utopische Ziel, dass man die 610 Kilometer lange Strecke in gut vier Stunden mit dem Zug bereisen könnte. Doch genau das wird der nächste Meilenstein sein, den das VDE 8 Projekt bis zum Jahr 2017 anstrebt. Mit der Fertigstellung der letzten Etappe zwischen Erfurt und Nürnberg verkürzt sich die Fahrtzeit zwischen der Hauptstadt und der Bayern-Metropole um bis zu zwei Stunden. Damit wird der Zug auf der Schnellfahrstrecke zwischen München und Berlin zu einer echten Alternative zum Flugzeug oder dem Auto.

Dann heißt es: geschafft! Das umfangreiche VDE 8 Projekt kommt nach rund 26 Jahren zum Abschluss und bringt Reisende in Deutschland dichter zusammen.

Die Fakten zum VDE 8

5        Knotenpunkte: Nürnberg, Erfurt, Leipzig, Halle, Berlin
300    km/h Spitzengeschwindigkeit
10      Milliarden Euro Investitionskosten
4.500 Mitarbeiter beim Trassenbau
500    km Strecke, 230 km Neubaustrecke
134    km neue Bahnstromtrasse