Sturmsicherer durch Vegetationsmanagement

– So bereiten wir uns auf künftige Unwetter vor.

Der Zug rauscht mit 200 km/h durch die Landschaft, links und rechts Bäume, Felder und Wiesen. Doch was durch das Fenster beeindruckend aussieht, kann bei einem Sturm zum Problem werden. Auswirkungen extremer Unwetter beeinträchtigen zunehmend auch den Bahnverkehr. So sorgten beispielsweise die Stürme Xavier oder Herwart mit umgestürzten Bäumen für Verspätungen, Ausfälle sowie Schäden an Gleisen und Anlagen. Für uns ein triftiger Grund, unser Vegetationsmanagement zu optimieren und auszuweiten, um sturmsicherer zu werden.

Was ist Vegetationsmanagement?

Das ganze Jahr über kümmern wir uns um die naturschutzgerechte Pflege der Gleise und ihrer Umgebung. Dafür gibt es das „Gesamtkonzept Vegetationsmanagement“, welches wir seit Jahren durchführen. Darin ist festgelegt, wie Bäume und Pflanzen entfernt oder zurückgeschnitten werden. Das ist wichtig, denn sie könnten den Zugverkehr stören, indem sie beispielsweise Signale verdecken, die Entwässerung des Gleisbereichs behindern und damit Schlammstellen erzeugen oder zu Strom-Überschlägen an den Oberleitungen führen.

Für die Vegetationspflege wird die Fläche entlang der Gleise in zwei Zonen eingeteilt: Die Rückschnitts- und die Stabilisierungszone.

  • Die Rückschnittszone: Dies ist der Bereich links und rechts der Gleise. Von der Gleismitte aus gesehen, geht dieser mindestens 6 Meter weit nach links und rechts. Hier schneiden wir Pflanzen und Bäume einmal im Jahr bodentief zurück. Der Rückschnitt in dieser Zone ist besonders wichtig und erfolgt im sogenannten U-Profil (Beispiel Grafik unten), dabei wird der Gleisbereich nach oben hin offen vegetationsfrei gehalten.
  • Die Stabilisierungszone: Diese Zone knüpft an die Rückschnittszone an und wird regelmäßig überprüft. Dabei schauen wir uns beispielsweise die Bäume genauer an und sehen dadurch, ob diese störanfällig oder krank sind. In diesen beiden Fällen werden die Bäume entfernt.

Beide Bereiche pflegen wir mit Hilfe von Kettensägen, Freischneidern oder maschinellen Mulchern und Mähern. Etwas außergewöhnlicher sind die fliegenden Sägen. Spezielle Helikopter werden mit meterlangen Sägen und Greifern bestückt und können so in kürzester Zeit Bäume und Sträucher zurückschneiden, wenn sie in den Gleisbereich hineinwachsen.

Ein Helikopter fliegt mit einer meterlangen Säge an einer Reihe Bäume vorbei, um diese zurück zu schneiden.

Mehr Sturmsicherheit durch den „Aktionsplan Vegetation“

Zusätzlich zu den bisherigen Maßnahmen existiert seit Anfang 2018 der sogenannte „Aktionsplan Vegetation“, um den teilweise massiven Einschränkungen durch Stürme und Unwetter noch stärker entgegenzuwirken. Ziel ist es, die Schienen und Gleisanlagen sturmsicherer zu machen. Dadurch werden Baumstürze bei Sturm oder Starkregen und damit verbundene Streckenausfälle reduziert. So sorgt unter anderem eine Durchforstungsinitiative dafür, dass auch Bäume außerhalb der 6-Meter-Rückschnittszone gesichert werden. Entfernt werden Bäume, die in instabilen Formen wachsen sowie nicht standortgerechte Baumarten. Im Gegensatz dazu werden Bäume mit stabiler Höhe, Sträucher und Feldgehölze gefördert. Die Initiative prüft, inwieweit Bäume dem Bahnbetrieb im Falle eines Unwetters schaden könnten.

Die vier Säulen des „Aktionsplans Vegetation“

Der „Aktionsplan Vegetation“ beinhaltet sowohl Maßnahmen aus dem „Gesamtkonzept“, die sich bereits in der Vergangenheit bewährt haben als auch neue Vorgehensweisen. Insgesamt besteht er aus vier Säulen:

  1. Vorbeugende Maßnahmen in der Rückschnittszone: Wie bereits in den vergangenen Jahren wird der Bereich von mindestens 6 m aus Gleismitte einmal jährlich bodentief frei geschnitten. Zusätzliche Schnitte erfolgen nach Bedarf.
  2. Intensivere Inspektionen: Ab 2018 prüfen speziell geschulte Förster und Fahrwegpfleger die Bäume in der Stabilisierungszone noch intensiver auf ihre Stand- oder Bruchsicherheit. Dabei werden die Bäume von allen Seiten begutachtet, die Vegetationsbestände werden digital katalogisiert. Bäume, die durch ihren Standort, Zustand oder ihre Form gefährlich werden können, werden markiert und entfernt.
  3. Stabiler Waldbestand dank Durchforstung: Nachdem bei den Inspektionen einzelne auffällige Bäume entfernt wurden, wird bei der Durchforstung der gesamte Bestand gepflegt. Durch regelmäßige Eingriffe (Förderung und Entnahme von Bäumen) werden sturmstabile Waldbestände „erzogen“.
  4. Erweiterte Pflege an anfälligen Strecken: Seit 2016 gibt es bereits ein erweitertes Vegetationsmanagement an besonders auffälligen Streckenabschnitten. Dort werden in der Stabilisierungszone alle Bäume entnommen, die auf Grund Ihrer Höhe und Entfernung zum Gleis eine theoretische Gefahr darstellen. Alle sonstige Vegetation wird belassen. Dadurch wird die Stabilisierungszone in diesen Bereichen langfristig zu einem so genannten V-Profil umgewandelt. Auch 2018 wird dieses Programm fortgeführt.

Unterschied zwischen der Beschneidung im U-Profil und der Beschneidung im V-Profil.
Wichtig für ein solches Vorgehen ist die enge Abstimmung mit Behörden, Ämtern sowie Waldbesitzern und die Beachtung des Arten- und Naturschutzes. So werden beispielsweise von März bis September keine Bäume gefällt. Grund dafür ist die Brut- und Setzzeit von Vögeln und Tieren. In dieser Zeit wird nur die Rückschnittszone gepflegt.