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Weltverbesserer fahren gerne Bahn

– Ein junger Mann mit Schnauzer – aus der Zeit gefallen? Im Gegenteil. Michael Wunsch gehört zu den ersten Sozialunternehmern Deutschlands.

Zunächst mag der Begriff „Sozialunternehmer“ kurios klingen. Doch es handelt sich um ein durchaus ökonomisch funktionierendes Geschäftsmodell: Die Welt verbessern, sich ökologischer oder gesellschaftlicher Probleme annehmen und dabei wirtschaftliche  Ziele hinter den Sozialgedanken stellen – das ist Sozialunternehmertum. Michael Wunsch arbeitet ebenfalls in diesem Bereich. Mitgebracht hat er die Idee  aus Schweden. Aufmerksam geworden sind wir auf ihn durch sein Video, das er auf Diese Zeit gehört Dir hochgeladen hat.

Ein junger Mann mit Schnauzer – aus der Zeit gefallen? Im Gegenteil. Michael Wunsch gehört zu den ersten Sozialunternehmern Deutschlands.

Michael, Sie sind Sozialunternehmer. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Mit einer Kollegin habe ich noch während des Studiums in Schweden meine ersten Schritte in Richtung Sozialunternehmertum gemacht. Begeistert hat mich daran, dass man mit Hilfe eines unternehmerischen Ansatzes auch positiv auf die Gesellschaft wirken kann. Wir schufen das Projekt Kärleksbarn, dessen Ziel es ist, ein integratives Hotel in Südschweden aufzubauen. Durch diese praktische Auseinandersetzung mit dem Thema habe ich einiges verstanden: Sozialunternehmen verkaufen grundsätzlich Waren und Dienstleistungen wie jedes andere Unternehmen am Markt auch. Ihre Gewinne reinvestieren sie auf unterschiedliche Weise in die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Das war einleuchtend für mich – und so bin ich weiter in dieses Thema eingestiegen.

Immer mehr Unternehmen integrieren die soziale Komponente in ihr Leitbild. Sie engagieren sich für das Wohl ihrer Mitarbeiter und in Projekten, die sozial und nachhaltig wirken. Möchte man so den Nachwuchs für sich gewinnen?

Ja, das hat auch damit zu tun. Ich habe täglich mit vielen konventionellen Unternehmen zu tun, die sich Gedanken machen, wie sie den Arbeitsbedürfnissen jetziger und zukünftiger Mitarbeitergenerationen gerecht  werden können. Doch meiner Meinung nach geht die Diskussion noch allzu oft in die falsche Richtung: Es werden ausschließlich Fragen zur sogenannten Generation Y aufgeworfen. Dabei ist sinnstiftende Arbeit doch ein universales Bedürfnis des Menschen. Er findet dann mehr Sinn in seinem Leben, wenn er gemeinsam mit anderen eine Arbeit verrichtet, die nachhaltig wirkt und den eigenen Vorstellungen der Welt entspricht. Diese Aussage wird auch durch die Forschung unterstützt (siehe www.sinnforschung.org).

Was braucht Deutschland aus Ihrer Sicht, um sozialer und innovativer zu werden?

Das Forscherherz in mir würde gerne eine Studie zu dieser Frage erstellen. Viele der Startups und konventionellen Firmen, zu denen ich in Kontakt stehe, erzählen mir, dass sie sich hin zu einer nachhaltigeren Zukunft bewegen wollen. Doch meist erschweren „verkrustete“ Strukturen innerhalb der Unternehmen und eine fehlende oder zu geringe Unterstützung durch Politik und Verbände die Ausrichtung auf soziale und innovative Ziele. Ob diese Erzählungen tatsächlich zutreffen, gilt es zu erforschen.

Haben Sie Projekte, die Ihnen besonders am Herz liegen?

Ja, momentan entwickle ich unter anderem in Mainz ein Projekt mit richtig wundervollen Kollegen. Unsere Mission ist es, den Einstieg in das Sozialunternehmertum für Interessierte noch einfacher zu gestalten. In unserer Organisation werden sich Teams von Gründern zusammenfinden, die gemeinsam sozialunternehmerische Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen generieren. Dabei stehen für uns die Rentabilität, Nachhaltigkeit und Sinnstiftung als wichtige Erfolgskriterien im Mittelpunkt. Mir liegt das Projekt besonders am Herzen, da ich damit gerne beweisen möchte, dass Sozialunternehmen nicht nur Tagträume einer verhätschelten Generation sind, sondern sehr wohl auf dem Markt konkurrieren können.

Was sind Ihre Tipps für andere, um gut im Zug arbeiten zu können?

Ich fahre viele Langstrecken und bin daher meistens mit dem ICE unterwegs. Ich kann nur empfehlen, sich eine Sitzplatzreservierung zu besorgen – vor allem auf den Strecken zwischen den Großstädten ist das ein absolutes Muss. Ansonsten finde ich es immer sehr angenehm in Ruheabteilen zu sitzen, da man sich dort am besten auf seine Arbeit konzentrieren kann.

Vielen Dank, Michael, für das Interview.

Gesellschaft in Bewegung: Nicht nur Jobs mit einem gesellschaftlich-sozialen oder ökologischen Fokus finden zusehends Anhänger, auch der Trend, unabhängig vom Firmenschreibtisch aus zu arbeiten. Was digitale Nomaden sind, erfahren Sie im Artikel „Digitale Nomaden: Arbeiten von unterwegs. Coworking Spaces sind ebenfalls eine Alternative, um nicht an einen Ort gebunden zu sein. Ob dieses Arbeiten etwas für Sie ist, können Sie in unserem Artikel „Coworking-Space – für wen und warum? herausfinden. Und wenn Sie gerne so wie Michael Wunsch auf Ihren Reisen arbeiten, haben wir hier noch einige Tipps für Sie.

Über Michael Wunsch

Michael Wunsch - WelverbessererMichael Wunsch (30) arbeitet bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen e.V. Als Mitgründer des Rhein-Main-Chapters von Cool Ideas Society e.V. und Vereinsvorstand macht er eine von Kollaboration und Kokreation geprägte Arbeitswelt in verschiedenen Veranstaltungsformaten für die Öffentlichkeit erfahrbar. Darüber hinaus ist er Berater für Wirkungsorientierung. Michael schreibt über seine Erfahrungen und Projekte auf www.schnuw.com.

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