Wandern wie ein Kaiser und Reisen wie ein König

– Den Wilden Kaiser entlang des Adlerwegs drei Tage entdecken.

Weitwandern und Zug fahren gesellen sich gern: Die Anreise mit der Bahn ist staufrei und entspannt, wie das Wandern selbst. Am Ausgangspunkt müssen wir kein Auto mehr abholen. Sabine und ich sind diesmal für sechs Tage in Tirol am Adlerweg des Wilden Kaisers – beide erstaunt, wie schön Entschleunigung sein kann.

Eine schöne Anreise in die Region Wilder Kaiser

Stuttgart, 12:53 Uhr: „Jetzt noch ein wenig über den Adlerweg lesen“, meint Sabine, als wir in den ICE nach München einsteigen. „Ja“, huste ich. In Stuttgart ist wieder mal Feinstaubalarm. Der Großstadttrubel interessiert uns im Zug nicht mehr, der Büroalltag noch weniger. Ehe wir die drei Etappen unserer Weitwanderung am Wilden Kaiser besprochen haben, sind wir in München und steigen in den EC nach Kufstein. Von dort geht es mit dem Bahnhofs-Shuttle nach Going, ein kleines romantisches Dorf am Fuße der Berge. „So angenehm hätten wir das mit dem Auto nicht geschafft“, gesteht Sabine. Sie wollte zuerst lieber mit dem Auto fahren. „Die Österreichische Vignette haben wir uns auch gespart“, sage ich und freue mich gleichzeitig im Stillen darüber, dem Genuss von Sabines Fahrstil entkommen zu sein.

Nach der kurzen Fahrt mit dem Shuttle nehmen wir unseren Rucksack und steigen am Bauernhof aus. Die Sonne scheint und ich genieße den ersten Atemzug der klaren Tiroler Bergluft. „So beginnt ein schöner Urlaub!“, sage ich. Sabine lächelt. „Willkommen am Wilden Kaiser“, begrüßt uns Bäuerin Maria in ihrer blauen Schürze, gefolgt von einer kleinen Katze.

Rund um den Wanderurlaub im Kaisergebirge

Tag 1: Nach der entspannten Anreise mit der Bahn entspannen wir gleich weiter: Bevor wir loswandern, lernen wir Land und Leute kennen und genießen die ersten zwei Tage. In Ellmau, Going, Scheffau und Söll ist die Gästekarte des Wilden Kaisers auch unsere kostenlose Fahrkarte für den Wander- und Bäderbus Kaiserjet, der im 30-Minutentakt fährt. Wir fahren nach Söll und schweben mit der Gondel hinauf auf die Hohe Salve; der Mund steht uns weit offen, als wir ein Brautpaar sehen. „So ein schönes Kleid“, sage ich und Sabine schmunzelt: „Er würde mir auch gut gefallen.“ Auf der Hohen Salve thront nämlich die höchstgelegene Wallfahrtskirche Österreichs, in der über 20 Mal im Jahr geheiratet wird.

Im Berg-Restaurant gibt es endlich Kaspressknödel, eine der bekanntesten Tiroler Spezialitäten, auch am Wilden Kaiser. Die Sonne wärmt uns, wir genießen das Panorama der 70 Dreitausender. „Schön ist es hier“, flüstere ich. So geht der erste Tag unseres Urlaubs am Berg gemütlich zu Ende, bevor wir die letzte Gondel nach unten nehmen.

Tag 2: Wir fahren mit dem Kaiserjet nach Ellmau und kaufen für unsere Wanderung am Adlerweg Sonnencreme, Blasenpflaster und Wanderstöcke. Später gehen wir im Ort in die Schnapsbrennerei, in der die edelsten Früchte ins Glas destilliert werden. „Einen Gipfelschnaps braucht man bei einer Weitwanderung aber schon, oder?“ frage ich die Verkäuferin, die wohlwollend nickt. Auf der Terrasse eines urigen Gasthauses in Ellmau gehen wir gemütlich Abendessen: Sabine und ich können dem Kaiserschmarrn nicht widerstehen. „Wer viel wandert, darf auch essen“, grinst sie und nimmt noch einen großen Bissen. Den Tag lassen wir bei romantischer Abendröte über dem Kaisergebirge ausklingen, der Nachtbus fährt uns zu unserem Hof und wir gehen zeitig schlafen.

Wandern auf dem Adlerweg und der Kaiserkrone

Tag 3: Der frühe Vogel ist unsympathisch – aber nicht im Wanderurlaub: Nach einem kleinen Frühstück brechen wir zu den ersten der 3 Etappen des Adlerwegs auf. „Insgesamt hätte der Adlerweg in Tirol ja 33 Etappen, 31.000 Hm und 413 km“, mahnt Sabine. „Nächste Mal“, lache ich. Wir gehen nicht direkt am Start des Adlerwegs in St. Johann in Tirol los, sondern von unserem Bauernhof vorbei am Badesee und Richtung Kaiser. In knapp eineinhalb Stunden erreichen wir den Schleierwasserfall, bei dem wir kurz durchatmen und etwas trinken.

Weiter geht es durch einen Wald, vorbei an einer Höhle, hindurch zwischen Wasserfall und Felswand. „Kalt!“, schreie ich. „Fein kühl!“, sagt Sabine. Nach einer steilen Passage geht es über freies Gelände und Wiesen hinunter zur Gaudeamushütte. „Mensch, bin ich kaputt!“, schnauft Sabine. „Aber schön war’s“. 13 km, ca. 1.000 Hm und 5 Stunden wandern – die erste Etappe am Adlerweg haben wir geschafft, wir kehren verschwitzt und zufrieden in der Hütte ein.

„Prost!“, hebe ich mein Glas. „Das haben wir uns verdient.“ Der Zirbenschnaps kann etwas. Noch mehr können Speckteller und Kasspatzln. Am allermeisten kann die Aussicht auf den Wilden Kaiser. Meine Beine reibe ich mit der Latschenkiefersalbe gerade noch ein, bevor mir meine Augen im Bett der Hütte zufallen.

Etappen-Höhepunkte des Adlerweges

Tag 4: Highlight der zweiten Etappe des Adlerweges ist eine enge Stelle
zwischen zwei Felswänden nahe der Gruttenhütte. Sabine geht besonders vorsichtig, die Metallgriffe geben uns sicheren Halt. Fantastisch ist die Aussicht auf den Kaiserkopf, welcher der Überlieferung nach das Profil von Karl des Großen ist. „Den Wilden Kaiser kann man übrigens entlang der Kaiserkrone in 5 Tagen umwandern“, ist Sabine wieder enthusiastisch. „Nächstes Mal!“, entgegne ich erschöpft. Gut, dass der Hintersteiner See im Naturschutzgebiet Wilder Kaiser vor uns liegt, smaragdgrün und etwas frisch: „Saukalt!“, lache ich, als wir am Strandbad ins Wasser springen – dafür wohltuend.

Tag 5: Die dritte Etappe des Adlerweges gehen wir gemütlich an, machen lange Halt auf der Walleralm und genießen ein paar Stunden die Mittagssonne mitten im Kaisergebirge. Über blühende Wiesen geht es zur Kaindlhütte im alten Almendorf Steinbergalm auf ein Glas frische Buttermilch. Entlang der Forstwege und durch ein Almgebiet schlendern wir Richtung Kufstein. „Ich fahre runter“, sagt meine Wanderkollegin kleinlaut. Vom Brentenjoch geht es nämlich knieschonend mit dem Einer-Sessellift in die Stadt. Ich als Bergfex gehe zu Fuß zur Perle Tirols, wie Kufstein in einem Lied genannt wird. Die Aussicht auf die Festung Kufstein kann ich länger genießen, dafür bereitet sich Sabine eher aufs dezente Nachtleben vor, das wir noch ausgiebig kennen lernen, bevor es am nächsten Tag ein wenig verschlafen im Zug wieder nach Hause geht. Schön war das Wandern am Wilden Kaiser und es hat gut getan. Wir Büromenschen brauchen öfters eine Auszeit vom Arbeitsleben. Im Kaisergebirge gibt es sie.

 

Facts über das Weitwandern am Adlerweg in der Region Wilder Kaiser

  • Anreise nach Österreich: Mit der Deutschen Bahn in 4 Stunden z.B. von Stuttgart bis Kufstein, von dort mit dem Bahnhofs-Shuttle (14 € pro Person) in 20 Minuten weiter nach Going am Wilden Kaiser – einsteigen und staufrei genießen. Jetzt gleich über die Anreise zum Wilden Kaiser informieren und Sparpreis sichern!
  • BahnCard Inhaber profitieren u.a. von Rabatten auf dem deutschen Streckenabschnitt und der höheren Flexibilität. Mit der BC 50 startet die Reise z.B. von Stuttgart nach Kufstein ab 35 € in der 2. Klasse.
  • Neu: Bahnticket jetzt schon sechs Monate im Voraus online buchen!
  • Mobilität vor Ort: Wanderbus (mit Gästekarte gratis), Bergtaxi, Regiobusse, REX-Zug, E-Bike
  • Drei Etappen Adlerweg: rd. 37 km, rd. 14 h Gehzeit, rd. 2.500 Hm (bergauf)
  • Region Wilder Kaiser: Cool-Down-Region für Wanderer und Eskapisten
  • Unterkünfte: Hotels, Pensionen, Bauernhöfe, Ferienwohnungen, Almhütten, Schutzhütten (am Adlerweg). Hier geht's zur Unterkunftssuche – gleich informieren und online buchen!
  • Der Name Wilde Kaiser: Es gibt verschiedene Theorien zur Namensherkunft. Die plausibelste lautet: Ein Bauernhof in der Region gehörte zum Besitz des Kaisers, von dessen Hof ausgehend das ganze Gebirgsmassiv als Kaiser bezeichnet wurde.

Wandern über den Adlerweg