Wohnen in alten Bahnwaggons

– Lassen Sie sich von einem ungewöhnlichen Lebensstil inspirieren.

Die einen bauen ein altes Futtersilo zum Wohnhaus um, die anderen schlagen ihre Zelte in einer Höhle auf. Wir stellen das Leben in ausrangierten Bahnwaggons vor.

Zuhause im Bahnwaggon – was steckt dahinter? Die Sehnsucht nach einem unkonventionellen Leben? Die Illusion unterwegs zu sein, obwohl man es nicht ist oder schlicht die Liebe zu Zügen? Oder alles zusammen?

Wohnnen in alten Bahnwaggons

Das außergewöhnliche Zuhause von Marco Stepniak und Frau Vanessa in Marl-Sinsen.

 

Einen alten Bahnwaggon kaufen

Wer sich diesen ungewöhnlichen Wunsch erfüllen möchte, braucht Pioniergeist, Mut, Geduld und natürlich den passenden Platz. Einen alten Bahnwaggon zu kaufen, stellt keine allzu große Hürde dar. Im Internet herrscht ein reger Handel und auch die Deutsche Bahn bietet ausgemusterte Bahnfahrzeuge an – allerdings in erster Linie für Geschäftskunden. Das Repertoire reicht von Personenwagen, Güterwagen und Lokomotiven bis hin zu Maschinen.

DB Resale verkauft außerdem ausrangierte Sitze, Gepäckablagen oder Tische – interessant für Bahn-Fans, die nicht gleich in einen Waggon umziehen wollen, ihr Heim dennoch mit Bahn-Accessoires ausstatten möchten.

Was ist beim Kauf zu beachten?

Neben dem Alter des Objekts sind die Maße wichtig. In der Regel misst die Länge eines Waggons ca. 25 Meter und die Breite zwischen zwei und drei Meter. Weiterhin entscheidend: die Anzahl der Achsen. Meist sind es zwei oder vier. Ein nicht unerheblicher Aspekt ist außerdem der Preis. Sind die Waggons auf den ersten Blick vielleicht auch günstig zu haben, da ihr Wert quasi dem Schrottpreis entspricht, erfordern Umbau oder Transport mit Tieflader oder Kran beträchtliche Kosten. Nähere Informationen dazu stellt auch das Eisenbahnmuseum bereit.

Wohnen in alten Bahnwaggons Küche

Anfertigung nach Maß: in der Küche von Marco und Vanessa passt alles wie angegossen.

Ausbau eines Bahnwaggons

Der Ausbau stellt eine der größten Herausforderungen dar. Plötzlich tauchen Fragen auf, deren Antworten nicht einmal Fachspezialisten aus dem Ärmel schütteln: Wie beispielsweise funktioniert das Verlegen einer Fußbodenheizung? Was ist mit der Dämmung? Welcher Lack ist der richtige und welche Dichtung passt zu den alten Fenstern? Kreativität ist mindestens ebenso gefragt wie ein langer Atem und im Idealfall handwerkliches Fingerspitzengefühl. Küchenzeile, Badewanne, Sofa – alles braucht seinen Platz und eine spezielle Behandlung. Denn schiefe Winkel und unebene Flächen sind die Norm.

Woran sonst noch denken?

Ein entscheidender Faktor ist das passende Grundstück. Sind die amtlichen Auflagen schon beim Bau eines konventionellen Hauses beachtlich, steigen diese noch einmal, will man es sich in einem alten Eisenbahnwaggon gemütlich machen.

Wohngebiete sind beispielsweise ausgeschlossen, im Gewerbegebiet hingegen steht einer Genehmigung weniger im Weg. Dort allerdings darf man in der Regel nicht wohnen. Die mögliche Lösung: ein Gewerbe-Mischgebiet.

Welche verrückte Idee auch immer in uns Menschen schlummert, manche treibt uns voran, bis sie Realität geworden ist. Dann bedeuten Hindernisse eher einen Ansporn als das Ende.

Gegen alle Vernunft

Schon als Kind träumte Marco Stepniak davon, in einem Eisenbahnwaggon zu leben. Mit seiner Frau Vanessa erfüllte er sich diesen Wunsch. 8 Jahre dauerte das Projekt – vom Kauf bis zum Einzug. Heute lebt die Familie glücklich auf einem Grundstück in Marl-Sinsen. An die neugierigen Besucher vor dem seltenen Eigenheim sind Marco und Vanessa inzwischen gewöhnt.

Wohnen in alten Bahnwaggons, Marco Stepniak mit seiner Frau Vanessa

Marco Stepniak mit seiner Frau Vanessa