Zeitumstellung: Heute ungeliebt, früher unumgänglich

– Im 19. Jhd. gab es in deutschen Bahnhöfen 5 Eisenbahnzeiten.

Zweimal im Jahr heißt es: Zeitumstellung. Am Morgen des 26. März ist es wieder soweit und die Uhren werden um eine Stunde vorgestellt.*

Bei der Eisenbahn gab es schon lange vor der Einführung der Mitteleuropäischen Zeit solche Zeitumstellungen. Allerdings waren die nicht von der Jahreszeit abhängig, sondern vom jeweiligen Ort, den die Eisenbahn damals durchquerte. Die Uhren gingen überall anders, wenn die Uhr offiziell 12 Uhr schlug, war es nicht überall 12 Uhr. Es war 11.53 Uhr in Berlin und in Bonn 11.28 Uhr.

So war das früher, als in Deutschland noch die ortsgebundene Zeitmessung etabliert war. Daraus ergaben sich für die Eisenbahngesellschaften große Schwierigkeiten, sowohl bei der Erstellung als auch bei der Lesbarkeit von Fahrplänen.

Zeitumstellungen im Kilometertakt

Denn streng genommen bedeutete dann eine Distanz von 20 Kilometern in Ost-West-Richtung einen Zeitunterschied von etwa einer Minute. In Zügen, die auf ihrer Route mehrere Zeitzonen und Orte durchquerten, änderte sich also ständig die Zeitzone. Weil das sehr kompliziert war und für reichlich Verwirrung sorgte, führten die Eisenbahngesellschaften ihre eigenen fünf Eisenbahnzeiten ein. Die Bahn fuhr nun nach Berliner, Münchner, Stuttgarter, Karlsruher oder Ludwigshafener Zeit.

Das bedeutete für die Reisenden im 19. Jahrhundert zwei Uhrzeiten: Sie hatten einerseits ihre Ortszeit, so wie sie am Kirchturm abzulesen war und andererseits die Eisenbahnzeit am Bahnhof, auf die sie achten mussten, um ihren Zug rechtzeitig zu erreichen. Die Bahnhofsuhren zeigten entsprechend die Differenz von Orts- und Eisenbahnzeit an. Zum Beispiel „+19 Min. Berliner Zeit“ am Frankfurter Hauptbahnhof, wo der Zugverkehr nach Berliner Zeit getaktet war. Für heutige Zeiten ein undenkbarer Zustand, der sicher für große Verwirrung gesorgt hätte.

Einheitszeit beendet das Zeitchaos

Erleichterung kam zuerst in Schweden, als 1879 die Einheitszeit eingeführt wurde, danach 1880 in England. Am 1. April 1893 wurde schließlich die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) als ausschließlich gültige Zeit in Deutschland beschlossen.

Heute wird der Sinn der jahreszeitlichen Zeitumstellung immer wieder kontrovers diskutiert. Vielleicht wird diese Diskussion ja in 100 Jahren zu einem interessanten Rückblick auf das Zeitgeschehen genutzt: „2016 gab es noch staatlich verordnete Zeitumstellungen“. Wer weiß…

*[Aktualisiert am 24.03.2017. Anm. der Redaktion]