Wie eine Zugfahrt in Abu Dhabi endete

– Eine zufällige Bahnbekanntschaft führte Marcus auf eine spannende Reise durch die Vereinigten Arabischen Emirate.

Mit der Frage „Ist hier noch frei?“ fing alles an. Die Frau nickte, ich verstaute meine Tasche über dem Sitz, setzte mich und vertiefte mich umgehend in mein neues Buch. Ich heiße Marcus und pendelte damals am Wochenende zwischen Kassel und Frankfurt. Am liebsten nutzte ich die Zeit im Zug zum Lesen oder um entspannt Musik zu hören. Deswegen schenkte ich auch meiner Sitznachbarin zunächst keine größere Beachtung.

Das änderte sich, als der Zugbegleiter kam, um die Fahrscheine zu kontrollieren. Denn ich bemerkte, dass es Verständigungsschwierigkeiten gab und begann, für meine Sitznachbarin zu dolmetschen.

Kurzweilige Bahnfahrt dank netter Sitznachbarin

So kamen wir ins Gespräch. Und wir hörten erst wieder auf uns zu unterhalten, als der Zug im Frankfurter Hauptbahnhof stoppte. Denn wie sich herausstellte, kam Dil, so ihr Name, aus Sri Lanka, arbeitete aber gemeinsam mit ihrem Mann in einem Hotel in Abu Dhabi. Und wie es der Zufall so will, hatte ich kurz zuvor zusammen mit einem guten Freund einen Urlaub im benachbarten Emirat Dubai gebucht.

Wir hatten also jede Menge Gesprächsstoff und sie erzählte mir sehr viel über die Vereinigten Arabischen Emirate und ihr Leben dort. Dil gab mir viele nützliche Tipps, zum Beispiel, wie man richtig verhandelt und wie man am besten dem Dauerstau in der Wüstenmetropole entgeht. Und während am Fenster die Wiesen und Wälder Hessens vorbeizogen, spazierte ich dank Dil gedanklich schon längst über den Gold Zouk der Wüstenmetropole.

Es war eine der kurzweiligsten Zugfahrten, die ich je hatte, und eine sehr schöne Abwechslung zum gewöhnlichen Pendleralltag. Und weil wir uns auf Anhieb sympathisch waren, lud Dil mich und meinen Freund am Ende zu sich nach Abu Dhabi ein.

Wiedersehen in Abu Dhabi

Ein halbes Jahr später war es soweit und wir trafen uns tatsächlich in Abu Dhabi wieder. Dil und ihr Mann nahmen sich sehr viel Zeit für uns und gewährten uns Einblicke, die wir ohne die beiden nie bekommen hätten. Besonders nachhaltig blieb mir der gemeinsame Besuch in der Sheikh-Zayed-Moschee im Gedächtnis. Denn an diesem Ort kam die bunte Mischung unserer kleinen Reisegruppe besonders gut zum Tragen: Wir und unsere buddhistischen Gastgeber zusammen in einer der größten Moscheen der Welt. Dieses tolle Erlebnis werde ich nie vergessen.