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Das neue Zuglabor von DB Regio: Kunden testen mit

– Wer was und wozu testet lesen Sie im Interview.

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isher richtete die Bahn für bestimmte Anlässe temporäre Zuglabore ein, das ist jetzt anders. Da die Anforderungen an Mobilität stetig steigen, die Besteller von Nahverkehren selbst unterschiedliche Vorstellungen vom Innenleben und von Funktionalitäten der Züge haben, hat die DB sich entschlossen, ein dauerhaftes Zuglabor an einem festen Standort zu errichten. Wo? In Miltenberg bei Aschaffenburg. Von Sandra Khan, Fahrgast- und Produktmarketing der DB Regio wollten wir nun genauer wissen, was es mit dieser neuen Einrichtung auf sich hat.

Frau Khan, ein Labor kennt man als einen Ort, wo Versuchsreihen stattfinden und neue Erkenntnisse gewonnen werden. Welche Experimente finden denn in einem Zuglabor statt?

Bei uns geht es ähnlich zu, daher auch der Begriff. Gemeinsam mit der Westfrankenbahn und der Südostbayernbahn entwickeln und testen wir von DB Regio neue Produkte und Serviceangebote. Und zwar im direkten Dialog mit unseren Fahrgästen. Bisher fanden dazu temporäre Versuchsreihen an verschiedenen Bahnhöfen statt. Wir haben beispielsweise Fahrgäste eingeladen, das Design und die Ausstattung von Waggons zu beurteilen, die Lautsprecheransagen oder die Sauberkeit im Zug. Das Ganze wird von einem unabhängigen Marktforschungsinstitut durchgeführt, damit wir repräsentative Ergebnisse erhalten.

Seit Juli hat das Zuglabor eine feste Adresse am Bahnhof Miltenberg in Bayern. Was ist sonst noch neu?

Zum einen gibt es natürlich das physische Gebäude, das wir Multifunktionshaus nennen. Es hat unterschiedliche Räume und Bereiche, die sich für die jeweils anstehenden Tests gestalten lassen. Zweitens haben wir ein Workshop-Format entwickelt, bei dem Gruppen gezielt an neuen Ideen arbeiten. Also eine Art Prozess-Konzept, das wir jetzt ortsunabhängig einsetzen können. Drittens haben wir einen direkten Gleisanschluss, so dass wir den sogenannten Ideenzug unserer Tochtergesellschaft Südostbayernbahn (SOB) einbinden können. In diesem Versuchszug können wir neue Angebote unter Realbedingungen testen. Das gab es so bisher bei der DB Regio noch nicht.

Also das Zuglabor ist Workshop, Ideenwerkstatt und Marktforschungsinstitut in einem?

Genau. Wir haben alles unter einem Dach.

An was wird denn in Miltenberg getüftelt?

Die großen Themen sind natürlich immer die Sauberkeit und Pünktlichkeit, auch das Wohlfühlen im Zug. Daher arbeiten wir aktuell mit unseren Partnern daran, mittels Licht und Klangumgebung den Wohlfühlfaktor unserer Fahrgäste noch zu steigern. Andere Arbeitsgruppen haben sich den Themen Digitalisierung und Gamification verschrieben, und tüfteln in diese Richtung weiter.

Wie lange wird es denn dauern, bis die Innovationenen aus dem Zuglabor marktreif sind?

Das hängt davon ab, wie tief wir in das Produktdesign eingreifen müssen. Alle Veränderungen am Fahrzeug erfordern eine Zulassung des Eisenbahnbundesamts. Erst dann können wir die Innovation auf die Schiene bringen.

Das Zuglabor ist ein Projekt des Schienennahverkehrs der Deutschen Bahn. Arbeiten Sie denn auch mit anderen Unternehmensbereichen zusammen?

Ja, wir sind eng vernetzt mit dem d.lab, dem Zukunftslabor der Bahn. Darüber hinaus möchten wir aber mit allen Gruppen entlang der Reisekette Gespräche anschieben und so neue Ideen entwickeln. Das sind neben den Fahrgästen auch unsere eigenen Mitarbeiter und Partner aus der Industrie oder den Hochschulen, und natürlich unsere Auftraggeber, also die Länder und regionalen Verkehrsverbünde.

Wie sieht denn das Zuglabor von innen aus?

Schlicht und funktionell. Es gibt eine Lounge für die Workshops, ein Büro, ein Besprechungszimmer. Ein Teil des Zuglabors ist einem Marktforschungsstudio nachempfunden, also mit einem Versuchsraum ausgestattet, in dem Kunden ungestört Produkte testen und ihre Meinung ‚frei von der Leber weg‘ äußern können. Kritik ist hier ausdrücklich erwünscht! Die Diskussion der Kunden wird von nebenan mitverfolgt, aufgezeichnet und ausgewertet. Wir arbeiten dazu mit einem unabhängigen Marktforschungsinstitut zusammen.

Züge, die bereits in Betrieb sind, werden nicht mehr auf Verbesserungen getestet?

Doch, bei Bedarf können wir einen Zug auf den Gleisanschluss neben das Labor stellen, dort eine Situation simulieren und anschließend darüber diskutieren. Außerdem können wir auch einzelne Komponenten – etwa neue Sitze – im Labor aufstellen und testen.

Was waren denn die Ergebnisse der bisherigen Zuglabore?

Fahrgäste fanden zum Beispiel die Abstellplätze für Fahrräder unpraktisch, die Sitze zu schmal und die Toiletten in den Nahverkehrszügen zu dunkel. Aber das sind nur einzelne Beispiele, es gab eine ganze Reihe an Themen und Verbesserungsvorschlägen.

Wurden diese Vorschläge denn umgesetzt?

Ja, wo es machbar ist, greifen wir die Änderungswünsche der Fahrgäste natürlich auf. So haben wir im Rahmen von Modernisierungsmaßnahmen die Fahrradabstellplätze etwa auf die andere Seite des Waggons verlegt, damit das Aussteigen besser geht. Außerdem gibt es klappbare Gang- und Mittelarmlehnen und auch die Sitzanordnung und Polsterhärten haben wir verändert.

Berufspendler haben andere Wünsche als Gelegenheitsreisende, große Menschen andere Ansprüche an den Raumkomfort als kleine – kann die Bahn allen Bedürfnissen gerecht werden?

Wir versuchen es. Nicht immer können wir es allen recht machen. Schwierig wird es etwa bei der Temperierung der Heizung im Großraumwagen. Anders ist es mit dem Entertainment-Angebot in den Nahverkehrszügen, an dem wir gerade auf Wunsch unserer Fahrgäste und Besteller tüfteln. Das ist so ein Beispiel, wie man künftig gut verschiedene Zielgruppen ansprechen kann – also Geschäftsreisende, Familien oder Sportinteressierte.

Was wird als nächstes getestet?

Wir wollen ein neues Klang- und Lichtkonzept erproben, das an bestimmten Stellen im Zug zum Einsatz kommen soll. Im Moment sind wir dabei, die Testumgebung zu planen. Teilnehmen werden etwa 45 Reisende. Aber dazu und zu den Ergebnissen berichten wir im Oktober mehr.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Khan. Wir wünschen viel Erfolg mit dem Zuglabor und werden die weiteren Entwicklungen gespannt mitverfolgen!

Sehr gerne, danke.

Sandra Khna DB Regio Zuglabor

Sandra Khan arbeitet im  Fahrgast- und Produktmarketing von DB Regio und betreut hier unter anderem das Thema Zuglabor.

 

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