Augen auf und hingehört – Wie Licht und Sound den Zug verändern

– Interview mit Zuglabor LichtKlang Experte Herrn Nölke

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s piepst, zischt und pufft – Wer kennt sie nicht, die Geräusche, die so typisch sind für eine Bahnfahrt. Sie sind so normal, dass wir sie fast gar nicht mehr als solche wahrnehmen. Auch den Lichtverhältnissen im Zug schenken wir keine große Beachtung. Doch gerade diese beiden Bereiche haben großen Einfluss darauf, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen und ob wir uns wohlfühlen. Deswegen untersucht die DB Regio ihre Wirkung im Rahmen des Zuglabors LichtKlang in Miltenberg vom 11. bis zum 12. Oktober 2015.

 

Gemeinsam mit den Partnern comevis und SBF werden verschiedene Sound- und Lichtszenarien unter die Lupe genommen, um herauszufinden, was für die Fahrgäste am angenehmsten ist. Wir haben bei Stephan V. Nölke, Gründer und Geschäftsführer von comevis, nachgefragt, wie die Kooperation zustande kam und was er vom Zuglabor erwartet.

  1. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn?

Das erste Aufeinandertreffen erfolgte im Rahmen eines Marktforschungs-Symposiums, bei dem die Ergebnisse und Erkenntnisse bereits erfolgter Zuglabore der Deutschen Bahn vorgestellt wurden. Die Tatsache, dass im Bereich Klang, der in öffentlichen Mobilitätsräumen eine wichtige Rolle spielt, bisher noch wenig nachgedacht wurde, führte zur Bildung eines Projektteams aus Experten von DB Regio und Musikwissenschaftlern von comevis. Das Team von comevis wird geleitet von Herrn Alexander Thesing (Senior Consultant Acoustic Science & Design).

Ziel war es, sich dem Klang an sich stärker zu verpflichten, um mögliche akustische Leistungspotentiale erforschen und nutzen zu können. Hierfür bietet das Zuglabor die optimale Plattform.

 

  1. Warum ist das Thema „Sound und Licht“ gerade in Zügen so wichtig und wo liegen die Unterschiede zu anderen Mobilitätsanbietern, etwa aus der Automobilbranche?

Wir wissen, dass das Zusammenspiel von Klang und Licht große Auswirkungen auf das persönliche Selbstempfinden und die Stimmung der Reisenden hat. Zudem beeinflusst es auch die multisensorische Wahrnehmung und die Bewertung des Mobilitätsraums inklusive seiner Ausstattung.

Im Unterschied zum „privaten“ Raum, wie beispielsweise dem eigenen Auto, treffen in einem Zug viele Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Stimmungen aufeinander. Dies birgt ein gewisses Konfliktpotenzial, das wir durch angenehme Klang-Atmosphären versuchen zu neutralisieren.

 

  1. Welchen Faktoren haben Sie bei der Entwicklung Ihres Konzepts für das Zuglabor LichtKlang besondere Beachtung geschenkt?

Bei der Entwicklung der funktionalen Klang-Architektur wurden verschiedene Reise-Szenarien berücksichtigt und akustisch aufgegriffen. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Tageszeit, da sie die Stimmung und Wahrnehmung des Reisenden grundlegend beeinflusst. Reduziert-transparente akustische Klanglandschaften, sogenannte Soundscapes, erleichtern beispielsweise den Start in den Tag am Morgen und sorgen am Abend für eine angenehme Atmosphäre.

Grundsätzlich war es uns wichtig, ein hoch-funktionales Klangkonzept zu erarbeiten, das seine akustische Wirkung entfaltet, ohne dabei den Reisenden bei seinen normalen Tätigkeiten zu stören.

 

  1. Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich?

Wir hoffen grundsätzlich, dass die verschiedenen akustischen Konzepte positiv aufgenommen werden. Ziel ist es natürlich, die Reisequalität zu verbessern. Gerade weil die Wahrnehmung der Geräuschkulisse beinahe unbewusst erfolgt, ist sie ein besonders spannender Forschungsgegenstand.

In jedem Fall sind wir aber besonders interessiert zu erfahren, welche persönlichen Empfindungen beim Reisenden ausgelöst werden und wie sich diese wiederum auf die visuelle, haptische und olfaktorische Wahrnehmung des Zuges auswirken.

 

  1. Wie wollen Sie die Erkenntnisse des Zuglabors LichtKlang anschließend verwerten?

Erkenntnisse im Bereich des Zusammenspiels von Klang und Mensch in öffentlichen Räumen werden zunehmend wichtiger, da sie es uns ermöglichen, unseren Lebensraum besser und angenehmer zu gestalten. Deswegen sind die Ergebnisse des Zuglabors LichtKlang für uns sehr wichtig. Sie werden von uns bewertet und im Anschluss mit der Bahn diskutiert. So fließen sie in weitere Entwicklungen beider Seiten ein.

Über Stephan Vincent Nölke

Portrait Stephan V. Nölke

Nölke ist Experte für auditive Kommunikation im Kontext des multisensorischen Brandings und Marketings. Er gründete im Jahr 2002 die comevis GmbH & Co. KG und ist deren Geschäftsführer. Seit 2009 ist er Lehrbeauftragter an der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe, University-of-Applied-Sciences, Bonn. Für die exakte Markenpositionierung entwickelte Nölke die Methodik des Sonic-Profiling©. Als Fachbuchautor verfasste er „Das 1×1 des Audio-Marketings“, „Das 1×1 des multisensorischen Marketings“ und „Tone of Voice – Wenn Stimme zur Marke wird“.

Wie genau die Tests im Zuglabor LichtKlang ausgesehen haben und welche Ergebnisse tatsächlich zu Tage gefördert wurden, erfahren Sie in der kommenden Woche hier auf inside.bahn.de.